Dachauer Forum lud Kardinal Marx ein.

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer"

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Kardinal Marx sprach auf Einladung des Dachauer Forums im voll besetzten Ludwig-Thoma-Haus über „Die Sendung der Kirche in einer offenen Gesellschaft."

Dachau - Wie positioniert sich die Kirche in einer offenen Gesellschaft? Zu diesem Thema sprach Kardinal Reinhard Marx in Dachau.

„ Ich halte nichts von dem Ausspruch, früher sei alles besser gewesen“, begann Kardinal Reinhard Marx seinen Vortrag vergangenen Dienstag im Dachauer Ludwig-Thoma Haus. Humorvoll spielte er auf den Spruch Erich Honeckers an, der zur Zukunft des Sozialismus befragt, gesagt habe: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Dem könne er sich nur anschließen, betonte Marx. Religion dürfe nicht länger zu Unfrieden führen, vielmehr solle das Christentum vernunftgeleitete Aufklärung sein. Joseph Ratzinger habe dies im Jahr 2000 vor Studenten der Sorbonne gesagt. Die katholische Kirche sei deshalb als Teil der modernen Gesellschaft dazu verpflichtet, vernünftig zu kommunizieren. Die Vielfalt der offenen Gesellschaft hielte die katholische Kirche aber nicht davon ab, eine Gemeinschaft zu sein, denn das Haus der Schöpfung sei ein gemeinsames Haus, hob Marx hervor. Er rief die Zuhörer dazu auf, Glauben für sich persönlich zu entdecken und zu Gott eine echte Beziehung zu entwickeln, die nicht von Vorschriften gegängelt werde. Vielmehr sei das innerere Gebet der Karmelitin Teresa von Avilas Vorbild, mit der Prämisse, dass Jesus mich so liebt, wie ich bin. Dialogbereitschaft der katholischen Kirche und eine individuelle Beziehung der Gläubigen zu Gott und Jesus präge das Selbstverständnis des Katholizismus in einer offenen Gesellschaft. Im Anschluss an seinen Vortrag stellte sich Marx den Fragen aus dem Publikum, wie beispielsweise nach der Zukunft der Frauenordination. Marx lehnte dies ab, sprach sich aber für eine verstärkte Einbindung von Frauen in verantwortliche Positionen der Kirche aus. Befragt zum neuen Finanzskandal im Bistum Eichstätt, forderte Marx Transparenz der Kirche in finanziellen Angelegenheiten. Angesprochen auf den Priestermangel sieht Marx in der Aufhebung des Zölibats keine Lösung des Problems. Deutlich wurde, zentrale Dogmen der katholischen Kirche ließ Marx unangetastet, aber er steht für Dialogbereitschaft. Nach der Veranstaltung, zu der das Dachauer Forum eingeladen hatte, konnten die Zuhörer weiter diskutieren.

kog

Quelle: Dachauer Rundschau

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