„Ein Stück Dachau ist auch in Lansing enthalten“

Beim Gespräch mit Claus Weber, dem 2. Bürgermeister von Dachau (links) und dem Schauspieler Werner Rom, alias Bürgermeister lorenz Schattenhofer (rechts). Foto: Pilz

Dach

au (psa) In Dachau entstand 2007 auf dem Gelände des ehemaligen Feinpappenwerks Schuster das fiktive Dorf Lansing. Hier spielt die tägliche bayerische Familienserie „Dahoam is Dahoam“. Lansings Bürgermeister Lorenz Schattenhofer (Werner Rom), traf auf seinen Dachauer Amtskollegen Claus Weber. Den Ort Lansing gibt es eigentlich nicht und doch spielen sich dort die Geschichten der Lansinger Bürger ab und werden von knapp einer Millionen Zuschauern bundesweit vor dem Fernseher verfolgt. Lansing - ein Stück „bayerisches Lebensgefühl“. Gibt es Parallelen zur „echten“ Stadt Dachau? Die DACHAUER RUNDSCHAU sprach mit Schauspieler Werner Rom (spielt den Bürgermeister von Lansing, Lorenz Schattenhofer) und Claus Weber (2. Bürgermeister von Dachau). Wie sieht ein Tag im leben des Bürgermeisters von Lansing, bzw. von Dachau aus? Claus Weber: Der Tag fängt im Büro an. Meistens stehen diverse Sitzungen und Termine an – natürlich auch so angenehme Termine wie heute. Werner Rom: Ich muss das gleiche Arbeitspensum erledigen, nur sieht man bei mir nicht so viel (schmunzelt). Lansing ist nur eine kleine Gemeinde, ich bin Großbauer und in der Landwirtschaft, den Job als Bürgermeister mache ich nebenbei. Was macht Ihrer Meinung nach die Gemeinde in der Serie und in Wirklichkeit aus? Claus Weber: Eines muss ich vorweg sagen. Leute, die die Serie schreiben rufen mich an und fragen, wie es in einer „echten“ Gemeinde ist. Ein Stück Dachau ist also durchaus in Lansing enthalten. Werner Rom: Wir lassen in die Serie ein bisschen einfließen wie es im wirklichen Leben ist. Eine 1:1 Abbildung ist allerdings nicht möglich. Wir wollen unterhalten. Claus Weber: Ab und zu wäre es wünschenswert, zu handeln wie der Bürgermeister Schattenhofer in Lansing (lacht). Was ist das Besondere an Ihrem Ort? Werner Rom: In der Wirklichkeit wird Lansing langsam ein Vorort von Dachau! Claus Weber: Wir haben schon über eine Eingemeindung von Lansing gesprochen. Da müssen wir uns noch etwas überlegen. Werner Rom: Es gibt eine Ausweichmöglichkeit: wenn es den Dachauer Bürger nicht mehr in Dachau gefällt, dann können sie gerne nach Lansing kommen. Claus Weber: …und umgekehrt (lacht). In der Serie wird der fiktive Ort Lansing als typisch bayerischer Ort mit Stammtisch und Gemeindesaal, unberührt von Hektik der Großstadt beschrieben. Was vermissen Sie an der Gemeinde von früher und welche Entwicklung finden Sie eher positiv? Claus Weber: Lansing wird schon gemütlich dargestellt. Dachau ist auch noch teilweise dörflich, das macht aber auch den Charme unserer Stadt aus. Werner Rom: Unser Gemeinde ist fiktiv. Wir wollten bewusst keine bestimmte Gegend in Bayern darstellen. Die Serie soll eine Geschichte bleiben, die im Herzen Bayerns spielt und überall spielen könnte. Der Drehort ist zufällig in Dachau. Spiegelt die Serie die Stimmung in bayerischen Gemeinden und Städten? Könnte ein Tag in Lansing auch ein Tag in Dachau sein? Claus Weber: In Dachau eher nicht. Ich kenne jedoch ein paar Gemeinden, wo es sicher so ist. Werner Rom: Laut den Aussagen der Zuschauer sind die Erzählungen in unserer Serie, was in Gemeinden so alles passiert, durchaus nah an der Realität. Welche Sorgen und Nöte haben Ihre Bürger und welche Probleme sollen in nächster Zeit „angepackt“ werden? Werner Rom: Die Nöte und Sorgen der Bürger, fiktiv wie echt, sind meines Erachtens gleich. Wir behandeln es in der Serie nur anders. Claus Weber: Genau! Finanzen und Kinderbetreuung zum Beispiel sind immer ein großes und wichtiges Thema. Werner Rom: Bei uns in der Serie mag keiner den Bürgermeister, er soll aber immer da sein und die Probleme lösen. Was ist das Besondere am Ort Lansing, bzw. Dachau? Gibt es Parallelen zu „echten Gemeinden und Städten“ wie beispielsweise Dachau? Werner Rom: Lansing ist eine ländliche Gemeinde, die „auf Groß tut“ und Dachau ist eine städtische Gemeinde, die „auf Klein tut“ (augenzwinkernd). Claus Weber: Das ist gut, das kann ich unterschreiben (augenzwinkernd). Werner Rom: Eine Anmerkung noch. Es gibt noch einen Unterschied. Die Stadt Dachau kann sich drei Bürgermeister „leisten“, ich muss alles allein machen (lacht). Durch Zufall stieß man auf das ehemalige Feinpappenwerk in Dachau als Drehgelände. Täglich hat das Format rund 600.000 Zuschauer, beim Fantag im letzten Jahr über 12.000 Besucher. Hat das Auswirkungen für Dachau? Und wie gefällt den Schauspielern Dachau? Claus Weber: Bis 2005 wurde auf dem Gelände produziert. Danach stand das ehemalige Feinpappenwerk still. Als im Jahr 2007 die Fernsehproduktion auf uns zugetreten ist, war das für uns eine perfekte Lösung. Werner Rom: Als Schauspieler muss man annehmen, wo der Drehort ist. Ich denke für den BR war es ein Glücksfall. Die Produktion in Dachau empfinde ich als äußerst angenehm. 150 Mitarbeiter arbeiten hier vor Ort an der Serie. Das bedeutet: kurze Wege. Autoren, Verwaltung, Kantine – alles ist unter einem Dach. Dadurch ist auch ein schneller Gedankenaustausch innerhalb des Ensembles möglich. Wir arbeiten trotz hohem Tempo auch an den Texten. Inzwischen vertrauen uns die Autoren. Claus Weber: Dass Dachau gefällt, sieht man an den Schauspielern. Einige von ihnen wohnen auch in Dachau. Am Anfang war Dachau in Zusammenhang mit der Serie „Dahoam is Dahoam“ noch nicht so bekannt. Seit dem ersten Fantag im Jahr 2008 hat sich das jedoch schlagartig geändert. Würden Sie Ihren Job gerne tauschen? Bürgermeister – Schauspieler? Werner Rom: Ich nicht, bin nicht neidisch (lächelt). Ich finde es schöner, wenn man aus der Figur wieder aussteigen kann. Claus Weber: Ich helfe gerne als Schauspieler aus. (Claus Weber hatte bereits zwei Gastrollen in der Serie). Werner Rom: Aushelfen? Gerne! In den Tagen, wenn ich ins Staatsministerium muss (lacht). (Das Gespräch führte die Journalistin Sandra Pilz)

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