Erinnerung an Opfer der Pogromnacht

Dach

au (red) Im Rathausfoyer Dachau findet am 8. November eine Gedenkfeier zur Pogromnacht statt, ein Gedenkgottesdienst der Evangelischen Versöhnungskirche am 6. November. In der Nacht vom 9. November 1938 verübten die Nationalsozialisten im ganzen Reich den schlimmsten Pogrom seit Menschengedenken. Mehr als 10.000 Juden wurden in kürzester Zeit unter brutalen Bedingungen in das KZ Dachau gesperrt. Auch die Juden in Dachau waren mit ihren Familien der Repression ausgesetzt und wurden schließlich vertreiben. Sechs jüdische Dachauer Bürger wurden später in Konzentrationlagern ermordet. Als Zeitzeugin nimmt dieses Jahr Henny Seidemann an der Gedenkfeier teil. Sie ist Ehrenvorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit München-Augsburg-Regensburg e.V. und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Als sich nach der Machtergreifung der Nazis der Terror gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland verselbstständigte, ließ ihre Familie alles zurück und floh nach Spanien. Nach schwerer Arbeit in einer Knopffabrik wurde Henny als erst 14-jähriges Mädchen 1936 allein nach Deutschland zurückgeschickt und bei ihrer Ankunft in München noch am Bahnhof der Spionage verdächtigt und von der Gestapo verhaftet und verhört. 1938 gelang es ihr nach vielem Hin und Her zu ihrer Familie nach Spanien zurück zu kehren. Tochter und Mutter bauten sich in Spanien ein neues Leben auf, der Vater wurde in Auschwitz ermordet. Die Gedenkfeier findet am Dienstag, 8. November, um 18 Uhr im Rathausfoyer Dachau statt. Pfarrer Martin Zöbeley aus Karlsfeld gestaltet am Sonntag, 6. November um 11 Uhr in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau zum 63. Jahrestag der Novemberpogrome. An diesem Ort ereignete sich Mitte Juni dieses Jahres in der überfüllten Versöhnungskirche „ein Zeichen der Versöhnung und der Heilung“. So fasste es Stanley Sperber vom Jerusalem Academy Choir in Worte. Gemeinsam mit dem Vokal Ensemble München gaben die jungen Israelis, einige von ihnen Nachkommen von Holocaust-Überlebenden, ein bewegendes Konzert. Auch für Martin Zöbeley, den Leiter des Vokal Ensembles München, war dies eine besondere Erfahrung. Der Musiker und Theologe wird davon im Gedenkgottesdienst für die Opfer der Novemberpogrome berichten.

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