Umweltgschutz sollte Enkelverträglichkeit hinterfragen

Ex-Umweltminister Marcel Huber sprach bei Dachaus CSU

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Für seinen Vortrag bedankten sich bei Dr. Marcel Huber (zweiter von links) Tobias Stephan, stellvertretende Bürgermeisterin Gertrud Schmidt-Podolsky und CSU-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath (von links).

Dachau - Umweltgschutz sollte Enkelverträglichkeit hinterfragen

Das „Grüne Dachau“ ist laut Dachaus CSU-Chef Tobias Stephan einer der Punkte aus dem Wahlprogramm seiner Partei. 

So lud er den ehemaligen bayerischen Umweltminister, Tierarzt und jetzigen Mühldorfer Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber zu einem Vortrag zum Thema „Schöpfung bewahren, Heimat erhalten - wirksamer Klima-, Umwelt- und Naturschutz im urbanen Raum“ zur CSU-Ortshauptversammlung in die Dachauer Ziegler-Veranda ein. Landtagskollege Bernhard Seidenath schwärmte einleitend: „Er ist der profundeste Kenner der bayerischen Umweltpolitik.“ Und die CSU sei eine urbane grüne Partei. Der so gelobte Referent setzte – es ist ja Wahlkampf – noch eins drauf: „Wir sind die Nachhaltigkeitspartei.“ Schon 1970 habe die CSU-Staatsregierung den weltweit ersten Umweltminister in der Regierung verankert. Dr. Huber nannte den Umweltschutz sein „Leib- und Magenthema“ und das nicht erst, seit bestimmte Parteien auf der weltweiten Welle des grünen Hypes durch Vereinfachung Stimmenkapital schlagen würden. 

Wie wichtig das Thema sei, zeige sich nicht zuletzt durch immer mehr katastrophale Extremwetterereignisse wie die Jahrtausendflut 2013 in Straubing, als das Wasser bei manchen im ersten Stock beim Fenster hereinkam, oder zwei Jahre später in Simbach am Inn, als nach stundenlangem Dauerregen neun Menschen in ihren Kellern ertranken. Doch Wasser ist nicht nur eine Gefahr, sondern auch unser wichtigstes Lebensmittel. Dass es bei uns völlig normal sei, es in bester Qualität aus dem Wasserhahn zu bekommen, wäre für einen Großteil der Menschheit das „Paradies“. Trump, Putin, Erdogan oder das Thema Brexit seien derzeit die schlagendsten Beweise, dass Vereinfachungen die besten Garanten dafür sind, gewählt zu werden. Windkraft sei gut, trotz Gefahren für Vögel und der ungeklärten Frage, wie die Windradflügel eines Tages entsorgt werden sollen. Dagegen sei Wasserkraft bös‘, obwohl sie die Hälfte der Ökoenergie liefere, weil sie Fische gefährde. „Wer glaubt, solche Fragen nicht stellen zu dürfen, geht nicht ordentlich ans Thema heran“, so Dr. Huber. „Aber wer nachdenklich reden will, ist gar nicht so gefragt, denn Extrempositionen verkaufen sich leichter.“ Wenn man sich bei politischen Entscheidungen frage, ob das heute hilft, sei meist die Antwort: Ja! Doch wenn man sich dann frage, ob das auch den Kindern schaden könnte, sehe das oft schon ganz anders aus. 

So würden heute Häuser massenweise gedämmt. Aber wenn das Haus eines Tages von den Enkeln abgerissen würde, sähen die sich mit einer Riesenmenge Sondermüll konfrontiert. „Wir müssen den Lebenszyklus beachten. Was ist, wenn das Zeug recycelt werden muss? Wir müssen das auf die Enkelverträglichkeit überprüfen.“ „Es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, ökologisch klug zu handeln, weil das sonst zu sozialen Verwerfungen führt.“ Doch wie janusköpfig handelten viele, die zwar das Bienen-Volksbegehren unterschrieben hätten, aber dann gnadenlos auf Schnäppchenjagd gingen. Noch vor zwei Jahren seien unsere Bauern überall für ihre hohe Qualität gelobt worden. Aber auf einmal seien sie die Buhmänner der Nation, die laut Wahrnehmung in der Öffentlichkeit vormittags ihre Tiere schinden und nachmittags EU-Förderanträge ausfüllten. Die hohe Produktivität in der Landwirtschaft habe natürlich auch eine Kehrseite wie das Nitrat im Grundwasser oder fehlende Blühstreifen und Hecken an den Feldern. „Wir können das zurückschrauben, aber das kostet Geld.“ An der Biotheke im Supermarkt müssten wieder die teureren Kartoffeln des Dachauer Landes angeboten werden und nicht nur Feldfrüchte aus Ägypten, Zypern oder der Ukraine. 

Die Österreicher seien hier viel regionalbewusster. „Es liegt nicht an den Bauern, sondern an der Gesellschaft.“ Es werde kritisiert, dass in Bayern täglich zwölf Hektar zubetoniert würden. Doch darin enthalten seien auch Friedhöfe und Randstreifen an den Straßen. Wirklich zubetoniert würden lediglich 41 Prozent davon. Der Rest sei grün. Außerdem sei die Bevölkerung Bayerns in den vergangenen Jahren von elf auf 13,5 Millionen angewachsen. „Die wollen alle wohnen, einkaufen oder Radl fahren. Aber wenn wir Radwege bauen, gilt das als ‚zubetonieren‘. Doch Radfahren ist ja ökologisch“, merkte Huber sarkastisch an. Es komme auf eine nachhaltige Flächennutzung an, am besten da, wo schon gebaut wurde. „Solange im Ortskern ungenutzte Flächen sind, brauchen wir am Ortsrand noch keine neuen erschließen.“ Er nannte hier die Beispiele von engen Alpentälern oder Großstädten wie München, wo auf der Tiefgarage ein Supermarkt stehe und drüber Praxen gebaut worden seien. Doch auf dem Land sei der Grund so billig, dass teure Tiefgaragen vermieden würden. 

Aber das koste versiegelte Parkplatzflächen. „Wir müssen schauen, dass die Ortskerne wiederbelebt werden.“ Auch Kindergärten könne man zweistöckig bauen. Mit einem Geschenkkorb bedankten sich Tobias Stephan, stellvertretende Bürgermeisterin Gertrud Schmidt-Podolsky und CSU-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath bei Dr. Marcel Huber für dessen nachdenklich stimmenden Vortrag.

srd

Quelle: Dachauer Rundschau

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