Gedenkfeier

Gedenkfeier zur Pogromnacht mit Zeitzeuge

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Gedenkfeier zur Pogromnacht

Dachau - Auf der Gedenkfeier zur Pogromnacht lasen Schüler der Dachauer Nikolaus-Lehner-Schule vor dem Rathaus Biografien von sieben Dachauer Juden vor, die 1938 verschleppt und später von Nazis getötet wurden: Hans und Vera Neumeyer, Julius Kohn, Max und Melitta Wallach, Alice Jaffé und Samuel Gilde.

Zeitzeuge Ivan Ivanji, als Ehrengast geladen, sagte: „Ich frage mich, was über mich gesagt worden wäre, wenn ich nicht überlebt hätte.“ Überlebt hat er nur, weil jemand seinen Namen auf der Liste ausgetauscht hatte. Nach der Feier legte er mit Oberbürgermeister Florian Hartmann einen Blumenkranz unter die Bronzetafel mit Namen der Vertriebenen nieder.Die rund 90 Zuhörer im Rathaus erlebten den Zeitzeugen Ivan Ivanji als guten Erzähler. Mit einer Spur Selbstironie gab er Anekdoten zum Besten. Er las aus seinem Buch „Mein schönes Leben in der Hölle“ vor. Ivanji wuchs in Südosteuropa, im damaligen Banat, auf. Als am 9. November 1938, in der sogenannten Pogromnacht, in Deutschland, Österreich und der damaligen Tschechoslowakei 1.400 Synagogen zerstört und insgesamt 30.000 Juden aus ihren Häusern verschleppt wurden, war Ivan Ivanji neun Jahre alt. Seine Eltern, beides Ärzte, wurden verhaftet. Die Mutter wurde später vergast, der Vater vermutlich als Geisel erschossen. Ivanji lebte von da an bei seinem Onkel und dessen deutscher Frau. Doch 1944 wurde auch er als Jude verhaftet, obwohl er in seiner Taufurkunde als evangelisch ausgewiesen war. Schließlich kam er noch im selben Jahr, am 27. Mai, ins KZ Ausschwitz, danach ins KZ Buchenwald und schließlich ins Außenlager Magdeburg. Dort ging es ihm gesundheitlich irgendwann so schlecht, dass er auf die Liste mit Häftlingen kam, die in Ausschwitz im Gas sterben sollten. Wär sein Name dort nicht ausgetauscht worden, hätte sein Lebenslauf hier geendet. Der heute 88-Jährige entwickelte bereits als junger Mann eine Leidenschaft für das Schreiben, vielleicht auch deshalb, weil er sich alles „von der Seele schreiben“ konnte, wie er sagt. Er wurde Journalist, Schriftsteller, Diplomat, Übersetzer und war zeitweise Dolmetscher des jugoslawischen Staatschefs Tito.

mik

Quelle: Dachauer Rundschau

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