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Gedenkstättenreferentin Eva Gruberová und eine Schülergruppe erhielten den Dachau-Preis für Zivilcourage

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Eva Gruberová und die jugendlichen Zeugen
Die diesjährige Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage an Eva Gruberová und die jugendlichen Zeugen aus dem Gymnasium Kirchseeon musste am Freitag, 10. Dezember als nicht-öffentliche Veranstaltung im engsten Kreis im Rathaus der Stadt Dachau stattfinden. © pri

Der Dachau-Preis für Zivilcourage soll Zivilcourage und Mitmenschlichkeit im Alltag auszeichnen. In diesem Jahr erhielten ihn Eva Gruberová und die jugendlichen Zeugen aus dem Gymnasium Kirchseeon im Prozess gegen Nikolai Nerling.

Eva Gruberová schritt im Februar 2019 auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau gegen den (nach eigener Aussage „rechtsradikalen“) sogenannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling ein, der geplant hatte, dort ein Propagandavideo für seinen YouTube-Kanal zu drehen. Für ihr mutiges Eintreten handelte sich die Gedenkstättenreferentin eine Anzeige von Nerling wegen Beleidigung ein – mit allen damit verbundenen persönlichen und psychischen Belastungen. Zudem wurde sie zum Ziel von persönlichen Attacken in mehreren Videos auf dem YouTube-Kanal des „Volkslehrers“. In der Folge kam es im November 2019 und im November 2020 zu zwei Gerichtsverhandlungen gegen Nikolai Nerling, bei denen Eva Gruberová und eine Gruppe von Schülern des Gymnasiums Kirchseeon, die die Gedenkstättenreferentin am Tag des Vorfalls gerade durch die KZ-Gedenkstätte geführt hatte, als Zeugen vorgeladen wurden.

Eva Gruberová und die jugendlichen Zeugen stellten sich diesen persönlich und psychisch stark belastenden Prozessen, konfrontiert mit einem der bekanntesten deutschen Rechtsextremen und seinem Anwaltsteam. Sie hatten den Mut, mit ihrem Namen und ihren Adressen in einer öffentlichen Verhandlung gegen Nikolai Nerling auszusagen.

Mit der Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage 2021 möchten die Stadt Dachau und die Jury die couragierte Haltung der Preisträger würdigen und gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität mit ihnen setzen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird in Verbindung mit einer Medaille verliehen.

Der Dachau-Preis für Zivilcourage

Die Stadt hat 2005 und dann im zweijährigen Turnus den Dachau-Preis für Zivilcourage ausgelobt. Mit dem Dachau-Preis soll das Vermächtnis der Opfer der Konzentrationslager und des vielfältigen Widerstandes gegen das NS-Regime lebendig erhalten werden. Der Dachau-Preis orientiert sich an der Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen und an den Grundsätzen von Amnesty International. Mit diesem Preis werden einzelne Personen oder Gruppen ausgezeichnet, die sich mit Mut, Phantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und von diskriminierten Minderheiten einsetzen.

Die Träger des Dachau-Preis für Zivilcourage sollen durch ihr Handeln Aufforderung und Ansporn sein couragiert gegen Ausgrenzung und Unterdrücskung einzugreifen. Im Wissen um die Schreckensgeschichte, die mit dem Namen der Stadt Dachau verbunden wird, soll dieser Preis ein Zeichen setzen gegen das Wegsehen, das Schweigen, die Gleichgültigkeit.

Bisherige Preisträger waren Maria Seidenberger (2005), Lina Haag (2007), Mirjam Ohringer (2009), Stanislav Zámecník (2011), Jörg Wanke stellvertretend für die Initiative „Zossen zeigt Gesicht“ (2013), Gülsen Celebi (2015), Dr. Jan-Robert von Renesse (2017) und Seda Basay-Yildiz (2019).

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