Dachau/ KZ-Gedenkstätte

Zeitzeugengespräch zum Jahrestag

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Oberbürgermeister Florian Hartmann eröffnete das Zeitzeugengespräch. Auf dem Podium (von links nach rechts): Enkel Wolodymir Zolotar, Andrea Heller vom Förderverein, Dolmetscherin Irina Grinkevich und Zeitzeuge Wolodymir Dschelali.

Dachau - Internationale  Jugendbegegnung des Bundestages befragen den Zeitzeugen Wolodymir Dschelali im Max-Manheimer-Studienzentrum.

Der Widerstand der Studenten der Gruppe „Weiße Rose“ jährt sich dieses Jahr zum 75. Mal. Grund für die Internationale Jugendbegegnung des Bundestages sich fünf Tage in Dachau und zum Abschluss in Berlin mit dem Widerstand aus Gewissensgründen gegen den Nationalsozialismus zu beschäftigen. Die Idee zur Jugendbegegnung kam von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die anregen wollte, dass junge Menschen die Erinnerung weitertragen. 80 junge Menschen, aus Deutschland und seinen Nachbarländern, vor allem Polen und Frankreich, aber auch aus Israel, nahmen in diesem Jahr teil. Bis zur Abschlussveranstaltung am 31. Januar bleiben sie im Max-Mannheimer-Studienzentrum, fahren an Orte von NS-Verbrechen, besuchen Ausstellungen, treffen Experten und sprechen mit Zeitzeugen. Am Montag, 29. Januar, berichtete der 93-jährige Wolodymir Dschelali aus der Ukraine aus seinem Leben. Gemeinsam mit seinem Enkel und seiner Tochter hat er sich in Deutschland auf Spurensuche seiner Geschichte begeben. Der heute 93-Jährige kam mit 17 Jahren ins KZ-Dachau, nachdem deutsche Soldaten seine Heimatstadt Mariupol in der heutigen Ukraine besetzten und alle Jugendlichen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppten. Sein Fluchtversuch aus der Zwangsarbeit endete in Lagerhaft. Im KZ-Dachau half er Nachrichten und Medikamente ins Lager zu schmuggeln, sabotierte heimlich die Arbeit in der Schreinerei, in der er arbeiten musste, und stellte zusammen mit anderen Häftlingen Zigarettenetuis aus Edelhölzern für inhaftierte Priester her, um sie gegen Essen zu tauschen. Dschelali betonte, dass er von Mithäftlingen und einfachen Leuten immer wieder Hilfe erfahren habe, trotz des mörderischen Lagersystems. Kurz vor Kriegsende gelang ihm mit Hilfe eines Kapos und Dachauer Bauern die Flucht. Auf die Fragen zu seiner Flucht, seinen Erfahrungen im KZ und seines Lebens in der Sowjetunion antwortete Dschelali zweieinhalb Stunden lang. Nach der letzten Frage gab es stehenden Applaus. Der ehemalige Musiklehrer stand plötzlich auf, nahm sein Hörgerät aus dem Ohr und trug zum Abschluss auf Russisch ein Gedicht vor. „Poesie und Musik haben mir bei der Verarbeitung meiner Vergangenheit sehr geholfen“, sagte er.

kog

Quelle: Dachauer Rundschau

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