Zu viel Studium und zu wenig Handwerk im Freistaat?

Die Hauptversammlung der Dachauer Kreishandwerkerschaft stieß auf großes Interesse

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Franz Xaver Peteranderl sprach vor der Hauptversammlung der Dachauer Kreishandwerker.

Dachau - Talente für die Handwerkskunst begeistern

Gut besucht war die Hauptversammlung der Dachauer Kreishandwerkerschaft, die Ulrich Dachs einberufen hatte. 

Als Gäste begrüßte er neben Vertretern von Banken, Versicherungen, Verbänden und Behörden auch den Präsidenten der Handwerkskammer für München und Oberbayern Franz Xaver Peteranderl, den Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath, den stellvertrenden Landrat Helmut Zech und Ehrenkreishandwerksmeisterin Irmgard Hetzinger-Heinrici. In seinem Bericht beklagte der Kreishandwerksmeister den Fachkräftemangel. 

Dazu sagte er: „ Die Facharbeiter von morgen sitzen heute in der Schule, wir müssen bereits in der Grundschule anfangen, für das Handwerk Interesse zu wecken. Seit dem Beginn meiner Obermeisteraufgabe bei den Schreinern im Jahr 2006 fehlt es an Wertschätzung des Handwerks bei der Gesellschaft. Eltern trimmen bereits in der dritten Klasse ihre Sprösslinge für das Gymnasium. Wir müssen in der Grundschule anfangen, Talente zu erkennen und für die Handwerkskunst zu begeistern.“ Ein gute Gelegenheit dafür sieht Dachs im Mint Campus. Hoffnung setzt er auf Zuwanderer und Migranten. Präsident Franz Xaver Peteranderl lobte seine Handwerks-Kollegen für den wirtschaftlichen Aufschwung in Bayern, ungeachtet des allgemeinen Konjunkturabschwungs. „Wir könnten noch besser abschneiden, wenn wir die offenen Fachkräftestellen besetzen könnten“. Peteranderl setzt auf ein zuwanderungsfreundliches Gesetz als Lösungsweg. 

Außerdem erwartet er von Ministerpräsident Söder, dass dieser die ausstehende Reform der Grundsteuer wenigstens für Bayern zufriedenstellend formen kann. Ein weiteres Anliegen ist für Oberbayerns höchsten Handwerker die Rückvermeisterung. Mit einem für Anfang 2020 geplanten Gesetz könnten die großen Fehler von 2004 behoben werden. Die überbordende Bürokratie sei für das überproportional betroffene Handwerk ein Dauerthema. Das Handwerk treibe weiterhin die Sorge um drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge um. Die Verkehrssituation in München werde immer schwieriger. Der Umweltschutz sollte sich am Machbaren orientieren. 

Das Unbehagen der Handwerker zeigte sich in der abschließenden Aussprache. Da ging es um die Kontrolle des Meisterzwangs und das Fehlen von Respekt und Anerkennung gegenüber den Unternehmern. „Ein Unternehmer ist nicht per se ein Betrüger oder Steuerhinterzieher.“ Es häuften sich Meldungen, dass Betriebe mangels Übernahme schließen müssen. „Die Politik muss den Rahmen schaffen, dass Handwerk wieder Spaß macht“. 

Den Mindestlohn für die Ausbildung sieht das Handwerk kritisch, dieser sollte in der Eigenverantwortung der Tarifpartner bleiben. Die Betriebe müssten das Angebot für Schnupperlehren erweitern. Lehrern solle der Wert des Handwerks klargemacht werden, nur elf Prozent der Abiturienten absolvieren derzeit eine Handwerkerlehre. Der Drang zur Universität führe schon jetzt zur Überakademisierung. Die niedrigen Einstiegsgehälter der frisch gebackenen Akademiker seien ein Indiz dafür. Die Diskussion über den Verbraucherschutz endete schließlich mit der provokanten Frage: „Wer schützt uns vor dem Verbraucher?“

hwa

Quelle: Dachauer Rundschau

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