Demografiebericht prognostiziert starkes Bevölkerungswachstum

Das immer größer werdende Dachau bringt soziale Strukturen der Stadt an ihre Grenzen

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Laut Bevölkerungsprognose, wird Dachau in den nächsten 17 Jahren um etwa 14.000 Menschen wachsen.

Dachau - Rund 14.000 Zuzüge bis 2037

Einen Zuwachs von etwa 14.000 Einwohnern erwartet die Stadt Dachau bis zum Jahr 2037. 

Diese Prognose stellten Experten im letzten Bau- und Planungsausschuss vor. Dem Demografiebericht zufolge, liege das besonders am „Generationswechsel“. Andre Krimbacher vom beauftragten Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) erläuterte den Begriff: „Stirbt eine ältere Person, die bisher alleine gelebt hatte, wird deren Wohnstätte in der Regel danach von mehreren Leuten, beispielsweise einer Familie, bezogen. Dazu kommt, dass aus vielen Einfamiliengebäuden Zwei- oder Dreifamilienhäuser werden.“ So folgen immer mehr Menschen auf eine gegangene Person. Darüber hinaus bestimmen äußere Entwicklungen, wie Zu- und Fortzüge, die Bevölkerungsstruktur der Stadt. 

Diese Prognose hängt von einigen anderen Faktoren ab: „Der Raum München hat in den letzten Jahren durch sein großes Arbeitsangebot sehr stark an Einwohnern zugelegt“, erklärte Christian Rindsfüßer vom SAGS Institut. Durch Corona könnte sich diese Entwicklung ändern.

„Möglicherweise müssen einige jetzt, aufgrund von Corona-bedingter Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, wegziehen. So könnte der Corona Auswirkungen auf die Einwohnerzahlen haben.“ Allerdings schätzt Rindsfüßer die Situation ähnlich wie bei der Finanzkrise 2008 ein: Sobald sich alles beruhigt hat, werden wieder mehr Menschen kommen. „Wie genau, sich der Virus auswirken wird, können wir erst später erkennen“, erklärte Rindsfüßer weiter. 134 Hektar Bauland der Stadt Dachau sei bis 2037 zu 42 Prozent ausgeschöpft. Allein 38 Hektar fielen auf das MD-Gelände und Augustenfeld Zentrum. 

Dort und im Rest Dachaus sollen in 17 Jahren rund 3.800 Wohnungen entstehen. Dies entspreche einem Durchschnitt von etwa 211 Wohnungen pro Jahr. Das bedeute im Vergleich zum Zeitraum von 2008 bis 2018 eine Steigerung des Wohnbaus um etwa elf Prozent. Doch nicht nur der Wohnungsbau stellt die Stadt vor Herausforderungen. Neben einer Anpassung der Infrastruktur und dem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, steigt der Bedarf an Kinderbetreuung enorm. Oberbürgermeister Florian Hartmann hatte dies schon in einer vorangegangenen Sitzung des Familien- und Sozialausschusses angesprochen: „Wenn die Prognosen eintreffen, müssen wir bis 2035 unsere Krippen-Plätze verdoppeln, genauso wie die nachmittägliche Betreuung von Grundschülern.“ Auch der Bedarf an Schulen wächst: „Zwischen 2023 und 2035 brauchen wir voraussichtlich 38 zusätzliche Grundschulklassen. Es wird uns neben der Erweiterung aller Grundschulen, wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als eine weitere, fünfte Grundschule zu bauen“, prognostizierte Hartmann bereits im Familien- und Sozialausschuss. „Dem Bedarf nach zu urteilen, müsste die Schule eventuell sieben-zügig werden. Das wird ein großes Gebäude für das ich bisher kein geeignetes Grundstück weiß“, zeigte sich der OB besorgt. Die Stadträte hatten beschlossen, dass die Verwaltung im Rathaus nach einem geeigneten Standort für eine fünfte Grundschule suchen soll.

 Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) gab zu Bedenken: „Ich frage mich schon, wer das alles zahlen soll? Ich sehe das wie der Kollege Seidl.“ Damit sprach er den Antrag Jürgen Seidls (FDP) an, in dem er dafür plädiert, das Bevölkerungswachstum zu kontrollieren. Dies kann, nach Seidls Meinung, nur durch eine Wachstumsobergrenze gelingen.

ste

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