Der Ampertaler des Monats Dezember

Kleiner Vogel, großer Name

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Der Raubwürger

Dachau - Der Raubwürger bevorzugt den Winter in den Amperauen.

Er wirkt zunächst dank seines Namens nicht sonderlich charmant. 

Wer würde auch vermuten, dass sich hinter der Bezeichnung „Raubwürger“ eine wahre Schönheit unserer heimischen Vogelwelt verbirgt, die zudem noch durch interessante Verhaltensweisen fasziniert. Eigentlich müsste man diesen auffällig schwarz-weiß gefärbten Vogel eher als Teilzeit-Ureinwohner bezeichnen, denn im Ampertal ist die etwa amselgroße Art nur noch im Winter zu beobachten. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das noch anders. Damals war der Raubwürger in ganz Bayern verbreitet und besiedelte großräumige, strukturreiche Landschaften mit Hecken, Streuobstwiesen und Feldgehölzen oder auch Heide- und Moorflächen. Dort fanden sich geeignete Brutplätze und dank extensiver Bewirtschaftung auch Nahrung in Hülle und Fülle. Insekten, Mäuse und Kleinvögel sagen dem Raubwürger besonders zu, gelegentlich darf es auch ein Frosch oder eine Eidechse sein. 

Wie seine Verwandten, zum Beispiel der Neuntöter, betreibt auch der Raubwürger Vorratswirtschaft. Beutetiere werden auf Dornen gespießt oder in Astgabeln eingeklemmt, um später darauf zurückgreifen zu können. Zur Brutzeit dient diese Vorratshaltung auch zur Partnerwerbung und Reviermarkierung, denn selbstverständlich hat ein Raubwürger mit einem gut gefüllten Nahrungsdepot beste Chancen beim anderen Geschlecht und genießt den Respekt seiner direkten Nachbarn. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft, aber auch zunehmenden Störungen durch Freizeitnutzung, verschwand der Vogel aus den meisten Gebieten Bayerns und ist heute vom Aussterben bedroht. Im Winter kann man ihn jedoch im Ampertal beobachten, wenn die Brutvögel nördlicher Gebiete zu uns abwandern und hier den vergleichsweise milden Winter verbringen. 

Dann sitzen sie als auffällige weiße Federbälle auf Sträuchern, Bäumen, Pfosten und anderen Sitzwarten, um von dort eine Maus zu erspähen. Sobald das Frühjahr naht, verschwinden sie allerdings wieder, denn für diese anspruchsvolle Art gibt es in unserer ausgeräumten, intensiv genutzten Landschaft keinen Platz mehr. Umso wichtiger ist es für die uns noch verbliebene Artenvielfalt, extensive, strukturreiche und auch störungsarme Lebensräume zu erhalten und neu zu schaffen, damit unsere Flora und Fauna nicht das traurige Schicksal dieses Ureinwohners teilt.

red

Quelle: Dachauer Rundschau

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