Fehlende Brandschutzmaßnahmen in Karlsfeld

41 Wohnungen wegen Brandgefahr in Karlsfeld evakuiert

Evakuation aus den Wohngebäuden in Karlsfeld
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41 Wohnungen aus drei Wohngebäuden mussten vergangenen Freitag evakuiert werden.

Die Bewohner von 41 Wohnungen in Karlsfeld mussten letzte Woche aufgrund von Brandschutzverstößen evakuiert werden: Die Gemeinde Karlsfeld hatte bei drei neunstöckigen Gebäuden in der Nähe des Karlsfelder Bahnhofs festgestellt, dass die bereits bei der vorherigen Feuerbeschau 2017 festgestellten Mängel im baulichen Brandschutz – wohl auch Corona-bedingt - nur teilweise beseitigt wurden. Das machte das Dachauer Landratsamt in einer Pressemitteilung bekannt.

Eine gemeinsame Ortsbesichtigung von Gemeinde, Landratsamt und Hausverwaltung am Donnerstag, 25. März, zeigte weitere gefährliche Mängel: Ein rechtlich vorgeschriebene zweite Rettungsweg ist in betroffenen Gebäuden für viele Wohneinheiten nicht vorhanden. Die grundsätzlich mögliche, ersatzweise Sicherstellung durch eine Drehleiter der Feuerwehr war aufgrund der räumlichen Situation, den Stellplätzen sowie dem Baumbewuchs nur für einige wenige Wohnungen darstellbar. Ein sogenannter „Anleiterversuch“ der örtlich zuständigen Karlsfelder Feuerwehr am Freitagvormittag, 26. März, zeigte, dass 41 Wohnungen weder mit Steckleitern, noch mit der Dreheiter erreicht werden konnten. Die Kontrolle des ersten Rettungsweges durchs Treppenhaus ergab gravierende Mängel, insbesondere eine Vielzahl von nicht rauch- und feuerfesten Wohnungstüren. Nach Bewertung der örtlichen Feuerwehr sowie der Kreisbrandinspektion bestand somit eine ernste Gefahr, da eine Rettung von Personen aus den nicht erreichbaren Wohnungen im Brandfall nicht sichergestellt werden kann und die Wohnungen selbst auch keinen Schutz vor den lebensgefährlichen Rauchgasen bieten.

Über dieses Ergebnis wurde die zuständige Hausverwaltung am Freitagmittag informiert. „Gegen 17 Uhr fand dann ein Ortstermin statt, wo neben der Gemeinde Karlsfeld und dem Landratsamt auch die Feuerwehren sowie das THW und ein Vertreter des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr anwesend waren und gemeinsam mit dem Hausverwalter, einem hinzugezogenen Architekten sowie dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Wohnungseigentümergemeinschaft die bestehende Gefahr und mögliche sofort umsetzbare Lösungen diskutierten“, erklärte Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamtes Dachau. Die – bereits 2017 geplante – Anlage der Feuerwehrzufahrten um die Gebäude soll nun schnellstmöglich realisiert werden, dauert aufgrund des Umfangs jedoch einige Wochen. Die Hausverwaltung sagte zu, bis dahin provisorische zweite Rettungswege in Form von Rettungstreppen durch eine Gerüstbaufirma aufstellen zu lassen.

Um die aufgrund der Lebensgefahr notwendige Räumung der 41 Wohnungen vermeiden zu können, einigten sich die Behörden mit der Hausverwaltung und den Bewohnern auf temporäre Brandschutzmaßnahmen. Neben einer nächtlichen Brandwache und dem Anbringen von Rauchmeldern auf allen Stockwerksfluren stellt die Karlsfelder Feuerwehr zwei Überdrucklüfter zur Verfügung, um das Treppenhaus im Brandfall umgehend entrauchen zu können. Außerdem wurde durch temporäre Halteverbote sichergestellt, dass ein Hubrettungsfahrzeug der Werksfeuerwehr MTU – welches im Regelfeuerwehrdienst nicht eingesetzt werden kann – im Notfall die Bewohner aus den von der Drehleiter nicht erreichbaren Wohnungen retten kann. Die entsprechenden Versuche der Werksfeuerwehr zogen sich bis kurz vor 21 Uhr und das alarmierte THW Dachau musste einen größeren Baum auf dem Grundstück fällen, um die Erreichbarkeit der Wohnungen sicherzustellen. Aufgrund dieser temporären Maßnahmen konnten Feuerwehr und Landratsamt den Vollzug der Nutzungsuntersagung der Wohnungen bis zum Aufbau der Nottreppen aussetzen.

Landrat Stefan Löwl und Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe waren ebenfalls vor Ort und sprachen selbst zu den Betroffenen. Die meisten Bewohner zeigten laut Reichelt Verständnis für die Situation sowie die Einsatzbereitschaft und den besonnenen Umgang seitens der Feuerwehren und Rettungs- sowie Hilfsdienste.

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