Asyl-Bürgerdialog

Düstere Prognose eines Sicherheitsexperten

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Düstere Prognose: Sicherheitsexperte Benedikt Franke (rechts) mit Landrat Stefan Löwl, der zur Geduld mahnte.

Dachau  - Sicherheitsexperte Franke malt beim Asyl-Bürgerdialog des Landratsamts ein düsteres Bild der internationalen Lage und rät zum „Weitermachen“ vor Ort.

Wer glaubte, der Rückgang der Flüchtlingszahlen in den vergangenen Wochen markiere das Ende der innen- und außenpolitischen Krisen in Deutschland und Europa, der hat sich wohl gründlich getäuscht. Zumindest, wenn man Benedikt Franke Glauben schenkt.

Franke als außenpolitischer Experte zu Gast im Ludwig-Thoma-Haus

Landrat Stefan Löwl hatte den 35-Jährigen als außenpolitischen Experten ins Ludwig-Thomas-Haus zu einer neuen Runde des Landratsamt-Bürgerdialogs Asyl geladen. Franke fungiert seit zwei Jahren als rechte Hand des Chefs der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Franke hat schon zuvor internationale Erfahrungen gesammelt, unter anderem als persönlicher Referent des früheren UNO-Generalsekretärs Kofi Anan in dessen Stiftung.

„Wo sollen die Menschen hingehen, wenn nicht nach Zentraleuropa?“

Franke ist zudem ein CSU-Mann, von 2012 bis 2014 arbeitete er den Generalsekretären der CSU zu, erst Alexander Dobrindt, dann Andreas Scheuer. Der Sicherheitsfachmann beleuchtete Ursachen und Konsequenzen der Situation in Syrien. Sein Fazit: „Dort sind alle Strukturen zerstört. Wo sollen die Menschen hingehen, wenn nicht nach Zentraleuropa?“ Er prophezeite, dass in Ägypten die nächste Katastrophe vor der Tür stehe – bei einem 100-Millionen-Einwohner-Staat allerdings in viel größerem Ausmaß als in Syrien (21 Millionen Menschen vor den Kriegen). Aus dem Sub-Sahara-Afrika erwartet Franke zudem viele weitere Kriegs-, Wirtschafts- und Klimakatastrophen-Flüchtlinge.

Die Fluchtursachen bekämpfen

Immerhin sieht er den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Gerd Müller (CSU), auf dem richtigen Weg, der als Zielrichtung vorgeben hat: „Man muss die Fluchtursachen bekämpfen.“ Staatliche und wirtschaftliche Strukturen in den Krisenländern müssten gestärkt werden, so Franke, „ein schwieriges Unterfangen“.

Behörden sind noch mit der Aufarbeitung des letzten Ansturms beschäftigt

Die rund einhundert anwesenden institutionellen und ehrenamtlichen Flüchtlingskrisen-Bewältiger aus dem Landkreis hielten sich ob dieser dramatischen Analyse lieber an ihre eigenen Hausaufgaben. Isabell Sittner, die Asyl-Koordinatorin des Landratsamts, machte klar, dass die Behörde noch lange mit der Aufarbeitung des letztjährigen Ansturms beschäftigt sein werde.

„Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig“

Waltraud Wolfsmüller von der Dachauer Caritas mahnte eine stärkere finanzielle Unterstützung durch den Freistaats an. Peter Schadl, Leiter des Jobcenters Dachau, machte Mut: „Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig.“ Deutschkurse seien das „A und O“, die Bürokratie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BaMF) jedoch hinderlich. Caroline Palminha von der Migrationsberatung beklagte den Mangel an professionellen Dolmetschern. Löwl versuchte, den allgemeinen Frust einzufangen und mahnte zur Geduld: „Integration ist ein langwieriger Prozess.“ Frankes Schlussbotschaft an die Landkreis-Helferinnen und -Helfer lautete: „Machen Sie trotz allem weiter, ihre Arbeit ist unglaublich wichtig!“

kho

Quelle: Dachauer Rundschau

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