Erster Schultag

Marian Roth aus Dachau berichtet von seinen ersten Schultagen

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Marian Roth aus Dachau berichtet von seinen ersten Schultagen.

Dachau - Hallo liebe Leute, wie am Mittwoch versprochen, erzähle ich euch heute von meinen ersten Schultagen.

Mein Name ist Marian Roth. Ich bin sechs Jahre alt und wohne in Dachau-Augustenfeld. Mein Opa schrieb für mich. Ich kann zwar auch schon meinen Namen und ein paar Wörter schreiben, aber er kann‘s (noch) besser. Ich hab‘ mich ja schon so auf diesen ersten Schultag gefreut. Mama meint, ich sei ‚schon seit Tagen total elektrisch‘. Da übertreibt sie. Ich hab‘ mich einfach nur riesig gefreut, dass ich endlich selber meine Bücher lesen sowie schreiben und rechnen lernen kann, genauso wie mein großer Bruder. Der ist schon zwölf Jahre alt und geht aufs Josef-Effner-Gymnasium.

„Ein bisschen Rechnen kann ich schon: 2 + 2 = 4; 6 + 2 = 8; 14 + 16 = äh - egal, Rechnen kommt in der Schule. Doch zurück zum Anfang: Mama, Papa, Opa und Ur-Oma begleiteten mich zur Schule. Oma bekam in der Arbeit wegen Corona leider nicht frei. Vier Großeltern aus Franken kamen erst später. Als wir Richtung Schule aufgebrochen waren, wollte uns Raja, unsere Katze, erst begleiten. Aber dann entschied sie anders und war da als wir später heimkamen. An der Baustellen-Straße hinter Real- und Berufsschule blieb Opa stehen und ermahnte mich, genau zu schauen. Aber da fährt eh nur selten was und es war gar kein Fahrzeug in Sicht. Also dachte ich nur: Entspann‘ Dich Opa, lass uns weitergehen, sonst kommen wir noch zu spät. Was mein Opa alles wissen wollte: Worauf ich mich besonders freue. Na klar, auf den Pausenhof – besonders auf den neuen. Da kann ich rumrennen und essen. An der Grundschule Augustenfeld angekommen, mussten wir wegen Corona Masken aufsetzen. Es ist nicht schlimm, mich stört das nicht. Wir Erstklassler sollten dann gleich auf einem der Stühle platznehmen, die auf dem freien Lehrerparkplatz mit Abstand im Kreis standen. Dahinter durften, weil’s im Freien war, Mama und Papa, Uri und Opa stehen. Toll, da entdeckte ich auch meinen Spielkameraden Leo aus unserer Nachbarschaft. Schulleiterin Andrea Wiesner begrüßte uns und betonte die Maskenpflicht. Aber das weiß ich längst. Dann stellte sie uns für unsere Klasse 1c die Klassenlehrerin Andrea Kagerer vor. Die ist seeehr nett, aber auch ein bisschen streng. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel dazwischenrufe. Unsere Lehrerin holte aus ihrer eigenen Schultüte den frech piependen Buh und den grünen Kari aus unserem Lesebuch hervor. 

Kari hatte einen Brief an uns geschrieben, den las Sie vor. Drittklässler trugen uns ein Gedicht vor und warfen Konfetti. Der evangelische Religionslehrer Norbert Elter und seine katholische Kollegin Simone Brockmann versprachen, dass es da noch einen gebe, der auf uns aufpasst, Gott. Ein Elternteil sollte uns jeweils segnend die Hände auf unsere Köpfe legen. Schließlich gab’s für alle noch jeweils eine kleine Schultüte. Wegen der Maskenpflicht auf dem Schulgelände, stellte Rektorin Wiesner es uns frei, uns abschließend jenseits der Schulhecke ohne Maske zu einem Klassenfoto aufzustellen. Die meisten nahmen dafür die Maske ab. Opa dirigierte uns so, dass wir alle zu sehen waren. Ameisen-Scheiße mussten wir mehrmals sagen, bis er zufrieden war. Nein Opa, das hat nicht wehgetan. Wieso fragst Du sowas? Du fotografierst doch bei Familienfesten auch immer. Ein paar nervt das, aber ich fotografiere sogar selber gern, wenn mir Opa seine geheiligte, super-schwere Kamera mal kurz leiht. Die Eltern und Großeltern musste an meinem ersten Schultag als Fotomodelle herhalten. Wow, Oma von nebenan schimpfte nicht mal. Nach dem Klassenfoto ging es zum ersten Mal – ganz alleine, ohne Familie – mit unserer Lehrerin für eine Stunde Unterricht ins grüne Klassenzimmer. Zum Abholen kamen dann auch meine Großeltern aus Franken. Da gab’s aber noch was viel Interessanteres hinterm Bauzaun: Einen Bagger in Betrieb. Entschuldigt, das müsst Ihr schon einsehen, Euch sehe ich öfter, aber so einen Bagger in Aktion … Opa von nebenan fing dann schon wieder mit seinen Fragen an. Wie die erste Schulstunde war. 

Damit er zufrieden ist, schrie ich’s hinaus: Gut! Ich freute mich schon auf zu Hause, auf den Kuchen, den Mama für mich gebacken hatte. Doch Opa von nebenan fragte unbeirrt weiter: Wie viele wir in unserer Klasse sind – 24. Und wo ich sitze - ganz vorne. Was wir denn als Hausaufgabe aufhätten, wollte er wissen. Ganz einfach: Den Inhalt unserer Schultüte malen. Also da waren das Steinmonster, neonfarbene Buntstifte, ein Frisbee-Ball, ein Kartenspiel, eine CD-Packung ‚Die drei ???-Kids‘, Magnetringe, Schokolade und Gummibärchen. Damit hatte ich schon in der Schule angefangen. Auf dem Weg ins Gasthaus trug Papa zum Glück meine Schultüte, denn mein Schulranzen ist schon schwer. So konnte ich etwas rennen. Für mich gab’s nur „ein“ Mittagessen: Kaiserschmarrn. Trotz Riesen-Hunger musste mein Bruder beim Aufessen helfen. Als Nachspeise wollte ich etwas Herzhaftes: ich bekam etwas von Opas Schweinebraten ab. Später feierte die Familie in unserem Garten-Pavillon weiter. Während sich die Großen unterhielten, konnten sich mein Bruder, sein Freund und ich wichtigeren Dingen, wie Spielen oder Fußballtraining zuwenden. Am nächsten Morgen brachte mich Papa zur Schule. Unsere Lehrerin ließ uns in ein Heft bei grünen Kreuzen Schwünge malen. Auf der Rückseite gab’s ein Fußballtor mit Netz und da zeichneten wir Bälle, die ins Tor geschossen wurden. Auch als Hausaufgaben, die ich nach der Schule im Hort im Kinderhaus Augustenfeld gemacht habe, sollten wir Schaukel-Schwünge und das mit dem Torschießen üben. Im Hort sind noch Kinder aus anderen Klassen. 

Die Erzieherin ist weniger streng als unsere Lehrerin. Mama und Papa holten mich aus dem Hort ab. Bis jetzt hat mir alles gut gefallen, der erste Tag aber besser, weil wir nicht so lange in der Schule waren. Für die Zukunft wünsche ich mir an meinem Schreibtisch zu Hause noch einen Papierkorb. Jetzt wisst Ihr Bescheid. Mehr gibt’s nicht zu sagen.“

srd

Quelle: Dachauer Rundschau

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