Sie rettet Leben und wird dafür mit Ausgrenzung bestraft

Nachbarschaft mobbt Rettungssanitäterin

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Bei ihrem Einsatz retten Sanitäter oft Leben. Doch dafür erhalten sie nicht nur Beifall, sondern auch oft Unverständnis und Feindseligkeit.

Landkreis - Wegen ihrem Einsatz während der Corona-Pandemie stößt Sabine R. auf Feindseligkeiten.

Aufgrund ihres Berufes als Rettungssanitäterin in Corona-Zeiten, werden Sabine R. (Name geändert) und ihre Töchter von ihrer Nachbarschaft ausgegrenzt. 

R. lebt mit ihrer Familie in einer Gemeinde im Dachauer Landkreis. Seit Jahren ist sie als hauptamtliche Rettungssanitäter beim Bayrischen Roten Kreuz (BRK) Dachau tätig. In ihrer Heimatgemeinde engagiert sie sich ehrenamtlich beim „Helfer vor Ort“. Seit Wochen werden R.s Töchter Annika und Leonie (Namen ebenfalls geändert) von anderen Kindern gemieden. Vor allem die neunjährige Annika ist betroffen. Zwei gleichaltrige Mädchen aus der Nachbarschaft dürfen nicht mehr mit ihr spielen, weil ihre Mutter bei Rettungseinsätzen – wenn auch selten - auch Corona-Patienten versorgt. Andere Kinder werden sogar vor Annika gewarnt. R. kann die Feindseligkeiten ihren Töchtern gegenüber nicht nachvollziehen: „Mit so etwas hätte ich wirklich überhaupt nicht gerechnet. Wir halten alle Hygienevorschriften ein, um uns zu schützen. Das wissen auch unsere Kinder. Ich war der Meinung, durch die vielen Spenden und den öffentlichen Beifall, hätten wir Hilfskräfte einen gewissen Stellenwert gewonnen, der mich auch ein bisschen stolz gemacht hat“, zeigt sich die 37-jährige enttäuscht. Sie wünsche sich, dass ihre Töchter wieder wie früher akzeptiert werden und ist gespannt wie es jetzt, nach den Pfingstferien weiter geht. Sie versuchte mit den Eltern zu sprechen: „Das hat nichts gebracht.“ Paul 

Polyfka, BRK-Kreisgeschäftsführer, und Dennis Behrendt, Stellvertreter und Leiter des Rettungsdienstes, nehmen diesen Vorfall sehr ernst. Schließlich gelte es Mitarbeiter im Berufsalltag vor Anfeindungen und Ausgrenzung zu schützen. Behrendt steht im engen Austausch mit Rettungswachen in Gröbenried, Markt Indersdorf und Odelzhausen. „Unsere Mitarbeitenden erfahren in der Regel große Wertschätzung von Patienten“, sagte er. Hin und wieder komme es allerdings zu Ausnahmensituationen, vor allem wenn Alkohol im Spiel sei: Auf dem Faschingsumzug in Vierkirchen 2019, beispielsweise, griff ein Betrunkener zwei Sanitäterinnen an und verletzte sie schwer. Der 38-Jährige schlug einer der beiden Frauen mit der Faust ins Gesicht, die andere verletzte er durch einen Biss. Beide mussten im Indersdorfer Klinikum versorgt werden. 2015 griff ein Jugendlicher eine ehrenamtliche Helferin des BRK beim Faschingskehraus in Weichs an. Sein Schlag traf sie so hart am Kopf, dass sie mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus gebracht wurde. 

Derartig aggressive Einsatzsituationen machen, laut Behrendt, etwa 0,01 Prozent aller Fälle aus. Für solche Vorkommnisse werden Einsatzkräfte geschult, um eine Eskalation frühzeitig zu verhindern und die Spannung abzubauen. Über die Ausgrenzung von R. und ihrer Familie ist der BRK-Kreisgeschäftsführer besorgt. „Ich kann verstehen, dass Mitmenschen Angst vor einer Corona-Ansteckung haben. Ich würde mir wünschen, dass sie sich über unsere Arbeit informieren und nicht die Familien unserer Kollegen diskriminieren.“

red

Quelle: Dachauer Rundschau

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