Hauptgewinner war die Demokratie.

Rechtspopulisten blieben auf Kreisebene weit unter ihren von Europa- Spitzenkandidat Jörg Meuthen selbst gesteckten Ziel

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Medienreferent Wolfgang Reichelt gab am Wahlabend im Landratsamt die Ergebnisse der Europawahl in den einzelnen Kommunen bekannt. Hauptgewinner ist die Demokratie mit einer Wahlbeteiligung von 65,1 %.
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Dachau - Bei der Europawahl konnten sich Grüne und die CSU behaupten.

Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl im Landkreis Dachau von 65,1 Prozent (%) oder 68.840 Stimmen aller 105.723 Wahlberechtigten war der Hauptgewinner und damit ein gutes Zeichen für die Demokratie. 

Zum Vergleich: 2014 waren es 43,5 % oder in absoluten Zahlen 44.674 abgegebene Stimmen. „Die Grünen haben ein erfreuliches Ergebnis eingefahren und zukünftig den Anspruch auf den ersten Platz“, kommentierte Grünen-Kreisrat Roderich Zauscher im Gespräch mit unserem Reporter das 18,7-%-Ergebnis der Ökopartei im Landkreis beim Wahlabend im Landratsamt. In absoluten Stimmen waren das diesmal 12.866 und der zweite Platz im Parteienspektrum. 

Zum Vergleich: 2014 verbuchte die CSU als stärkste politische Kraft im Landkreis 18.550 Stimmen für sich, was ihr damals angesichts der niedrigen 43,5-%- Wahlbeteiligung 41,6 % der abgegebenen Stimmen bescherte. Heuer kam sie dagegen trotz eines Zuwachses auf absolut 27.851 Stimmen „nur“ auf 40,6 %.

Dennoch ist die CSU damit Sieger der Wahl. Wenn Zauscher mit Blick auf den 33-%-Anteil der Grünen bei den unter 30-jährigen Wählern in Deutschland anspielte (CDU/CSU 13 % und SPD 10 %) klingt seine Aussage gar nicht mehr so großspurig wie man im ersten Moment meinen möchte. Die besten Ergebnisse fuhren die Grünen in Dachau (22,4 %), Karlsfeld (21,1 %) und Röhrmoos (20,2 %) ein. Große Erleichterung zeigte sich bei Landrat Stefan Löwl (CSU): Das Wahlergebnis auf Landesebene bedeute für die CSU, dass sie wieder wie 2009 sieben und nicht mehr nur fünf Abgeordnete ins Europaparlament entsenden könne. Das freute insbesondere CSU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath, denn das bringe nach fünfjähriger Abwesenheit vom Europaparlament auch wieder Bernd Posselt einen Abgeordnetensitz: „Er hat es echt verdient, denn keiner brennt so für Europa wie er.“ CSU-Hochburgen im Landkreis sind traditionell Pfaffenhofen an der Glonn (48,5 %) und Sulzemoos (48,3) vor Altomünster (47,6 %). Die Hoffnung beider, die AfD (Alternative für Deutschland) möge im Landkreis unter zehn Prozent der Stimmen bleiben, erfüllte sich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses auf Kreisebene durch Mediensprecher Wolfgang Reichelt: Ihr Ergebnis blieb bei 8,4 %, gleich 5770 Stimmen. 

Damit blieben die Rechtspopulisten weit unter ihren von Europa-Spitzenkandidat Jörg Meuthen selbst gesteckten Ziel von 12,6 % zurück. Doch damit ist die AfD auch im Landkreis drittstärkste Partei noch vor der altehrwürdigen SPD, die nur noch auf 7,9 %, gleich 5416 Stimmen kam. Trotzdem wollte SPD-Unterbezirksvorsitzender Hubert Böck nichts davon wissen, dass seine Partei auf dem Weg zu einer Splitterpartei sei. Immerhin schaffte sie es in keiner Landkreis-Kommune, die Zehn-%-Marke zu erreichen. Am besten sah es noch in Karlsfeld mit 9,6 %, Dachau mit 9,5 % und Vierkirchen mit 8,9 Prozent aus. In Sulzemoos gelang es sogar der ÖDP mit ihren dortigen 5,6 % noch vor den 5,0 % SPD-Stimmen durchs Ziel zu gehen. Landkreisweit kam die ÖDP auf 4,5 %, gleich 3078 Stimmen, gegenüber vier Prozent, beziehungsweise 1779 Stimmen vor fünf Jahren. Als Wolfgang Reichelt um 18.49 Uhr im Landratsamt das erste Gemeinde-Ergebnis aus Hilgertshausen-Tandern verlas, lag die SPD dort bei 7,0 %. Von Journalisten nach diesem Wert befragt, meinte Hubert Böck noch zuversichtlich: „Jetzt warten Sie mal, die Ergebnisse aus Dachau, Karlsfeld oder Markt Indersdorf ab.“ 

Doch die konnten letztlich die SPD-Herzen auch nicht wirklich erfreuen. Böck meinte: „Umweltthemen waren zentraler Punkt in diesem Wahlkampf. Doch Fridays-for-future wurde von uns nicht genügend ernst genommen. Die große Koalition in Berlin müsste dem mehr Beachtung schenken. Die Jugend interessiert sich sehr wohl für Politik.“ So hatte auch der Sohn seiner Stellvertreterin Martina Tschirge, Julian, der Mama aufgetragen, so zu wählen, dass er in ihrem jetzigen Alter noch eine genauso gute Umwelt wie heute vorfindet. Schrodi forderte, die Sozialdemokratie thematisch zu erneuern: „Die Leute erwarten Antworten auf die großen Themen wie Klima, Soziales und Gerechtigkeit. So viele Schüsse haben wir nicht mehr frei.“ Neu-Pensionist und Petershausens CSU-Gemeinderat Gerhard Weber hatte nur noch Mitleid für die SPD übrig. 

Doch das sei in der Demokratie die Höchststrafe, bemerkte Seidenath. Zufrieden äußerte sich der neue ÖDP-Kreisvorsitzende Hauke Schöwsand zu dem 0,5-%-Zuwachs. In absoluten Zahlen sei das immerhin fast eine Verdoppelung. Ohne große Erwartungen in die Europawahl gegangen war Frank Sommerfeld von der FDP. Deren Ergebnis von 3,6 % beziehungsweise 2467 Stimmen sei kein großes Ergebnis. Jetzt liege der Fokus auf der Kommunalwahl 2020.

srd

Quelle: Dachauer Rundschau

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