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Rückblick auf Krankenmorde

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Die Schauspieler der Münchner Kammerspiele (von links) Stefan Merki, Frangiskos Kakoulakis und Anna Gesa-Raija Lappe lasen den Text von Martín Valdés-Stauber vor.
Die Schauspieler der Münchner Kammerspiele (von links) Stefan Merki, Frangiskos Kakoulakis und Anna Gesa-Raija Lappe lasen den Text von Martín Valdés-Stauber vor. © pri

Die Lesung beschrieb anhand von Dokumenten die Entwicklung der Krankenmorde. Die Assoziationsanstalt Schönbrunn war Teil eines Netzes von Verlegungen und Abtransporten, die fast immer zum Tod führten. 

Gemeinsam mit dem künstlerischen Forschungsfeld „Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart“ der Münchner Kammerspiele (MK) hat das Franziskuswerk Schönbrunn am 20. Januar, dem 80. Jahrestag der Wannseekonferenz, auf die gewaltvolle Vergangenheit der nationalsozialistischen Krankenmorde zurückgeblickt. Aus historischen Akten und Täterdokumenten, aber vor allem aus Briefen und Zeugnissen von Angehörigen und Opfern - auch aus Schönbrunn – hat der Dramaturg der MK, Martín Valdés-Stauber, eine szenische Lesung entwickelt. Dabei rekonstruierte er ein umfängliches Bild der systematischen, staatlichen Gewalt, der menschenverachtenden Grundannahmen und der individuellen Schicksale.

Über 900 Menschen wurden von 1939 bis Kriegsende von Schönbrunn in eine staatliche Anstalt verlegt. Für das NS- Regime war das Konzept der sogenannten „Volksgemeinschaft“ als „rassisch reine“ Abstammungsgesellschaft zentral. Die gesamte Sozial- und Gesundheitspolitik sollte sich am, im Vokabular der Nazis, „Erbwert“ des Menschen orientieren. Diejenigen, die als „erbkrank“ angesehen wurden, sollten durch Zwangsmaßnahmen an Heirat und Familiengründung gehindert werden. In Folge des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ aus dem Jahr 1933 wurden etwa 400.000 Menschen durch einen Gerichtsbeschluss zwangssterilisiert. Die Lesung fand unter der Schirmherrschaft von Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Landrat Stefan Löwl im Dachauer Ludwig-Thoma-Haus satt.

Es lasen Frangiskos Kakoulakis, Anna Gesa-Raija Lappe und Stefan Merki, den Text schrieb Martín Valdés-Stauber, die szenische Einrichtung stammte von Felicitas Friedrich. Das Projekt wurde von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

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