Am 28. November trifft sich die Schlagnafall-Selbsthilfegruppe zum letzten Mal.

Die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe trifft sich zum letzten Mal

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Rosemarie Eberl leitete über 20 Jahre die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe.

Dachau - Nach 20 Jahren ist Schluss

Rosemarie Eberl hatte mit 42 Jahren einen Schlaganfall. 

Danach konnte sie nicht mehr reden, nicht mehr lesen und sich an vieles aus ihrem alten Leben nicht mehr erinnern, erzählt die heute 68-Jährige. Doch sie hat sich zurück ins Leben gekämpft und leitet seit fast 20 Jahren eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in Dachau: „Zu mir sind bis heute etwa 500 Menschen mit Schlaganfall und deren Angehörige gekommen”, schätzte Eberl. Doch jetzt nimmt sie Abschied. Denn am Donnerstag, 28. November, trifft sich die Gruppe zum letzten Mal im Dachauer Krankenhaus: „Ich habe jahrelang einen Nachfolger gesucht, aber niemanden gefunden.“ Dabei weiß Eberl ganz genau, dass Patienten nach einem Schlaganfall mehr brauchen als nur die Hilfe vom Arzt, denn: „99 Prozent der Schlaganfall-Patienten bekommen danach Depressionen.” Mit denen hatte auch sie jahrelang zu kämpfen: „Ich war 15 Jahre in Psychotherapie.” Als sie den Schlaganfall erlitt, war Tochter Susanne erst 16 Jahre alt, Eberl hatte als technische Zeichnerin gearbeitet - und dann wurde alles ausgelöscht. Es war ein Samstagmorgen im April 1994: „Ich wollte kurz ins Bad gehen, bin vor der Tür umgefallen und war bewusstlos.” Es war ein Schlaganfall. Dabei werden Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut versorgt, Funktionen des zentralen Nervensystems fallen aus. 

Eberl sagt: „Ich musste das Alphabet wieder lernen, konnte nicht mehr schreiben, die rechte Seite war gelähmt und ich beherrschte nur noch wenige Wörter, wie Ja, Nein, Susanne oder meinen Namen.” Ein Jahr lang saß sie im Rollstuhl und war auf Reha. Im Dachauer Krankenhaus lernte sie Dr. Michael Weber kennen: „Der hat mich dann motiviert eine Selbsthilfegruppe zu gründen.“ Im Januar 1999 fand das erste Treffen mit etwa 20 Teilnehmern statt: „Am Anfang war ich total überfordert mit den vielen Leuten, weil ich selbst noch nicht so gut reden konnte. Ich hab dann versucht, die Wörter zu umschreiben oder mit Händen und Füßen zu kommunizieren” - und das klappte. Seitdem traf sich die Gruppe donnerstags, alle zwei Wochen: „Für mich war das auch eine Therapie”, sagt Eberl: „In der Gruppe merkt man einfach: Okay da gibt‘s noch Andere, die haben das gleiche Problem wie ich.” Manchmal ging es in den Gesprächen um Alltägliches, aber im Fokus standen Fragen über die Krankheit: „Wie lange hat‘s bei dir gedauert, bis du wieder reden konntest? Welche Tabletten oder Therapien gibt es nach dem Schlaganfall?” 

An den meisten Donnerstagen war Eberl in der Selbsthilfegruppe dabei, nur selten wurde sie vertreten. Jetzt will sie unabhängiger sein, mal am Donnerstag keinen Termin haben: „Es tut mir natürlich Leid, dass die Leute jetzt keine Anlaufstelle mehr haben. Aber ich hoffe, dass ich vielen Menschen helfen konnte.“

ans

Quelle: Dachauer Rundschau

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