Bürgerdialog in Karlsfeld

Desinteresse am Lernen

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Ratlosigkeit wegen schwacher Einwohnerbeteiligung am Bürgerdialog auch bei (von links) Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann, Bürgermeister Peter Felbermeier (Haimhausen), Helmut Fink, Landrat Stefan Löwl, Martina Tschirge Miriam Röger und Brigitte Dornstädter.

Karlsfeld - Das Landratsamt Dachau hatte am 8. November zum Bürgerdialog „Lebenslanges Lernen ist in aller Munde“ ins Bürgerhaus nach Karlsfeld eingeladen.

An fünf verschiedenen Thementischen hätten sich Bürger mit Kommunalpolitikern und externen Bildungsexperten über aktuelle Entwicklungen und Planungen zu den Bereichen Kindertagesstätten, Schule, berufliche Bildung und Hochschule sowie Erwachsenenbildung oder Seniorenstudium informieren können. Außer 20 Offiziellen waren nur drei Bürger gekommen. Das Desinteresse an der Veranstaltung verblüffte alle Anwesenden. Landrat Stefan Löwl schrieb diese Tatsache der Zufriedenheit der Einwohner mit dem Bildungsangebot in Dachau und dem Landkreis zu. „Doch was ist wirklich der Grund, dass so wenig Bürger erschienen sind und wie erreicht man die Landkreisbewohner?“, das fragten sich die Verantwortlichen des Landratsamtes, allen voran Projektkoordinatorin Martina Tschirge. „An der Werbung hat es jedenfalls nicht gelegen, denn die gesamte Dachauer Presse hat die Einladung zum Bürgerdialog veröffentlicht“, erklärte Löwl.

Bewerbungstraining für Schulabgänger

Schon die drei Gäste des Landratsamts hatten guten Grund zur Diskussion: Miriam Röger kam ins Bürgerhaus, weil sie ein allgemeines Interesse am Mitgestalten der Bildungsangebote in Dachau hat. „Meckern allein hilft nicht“, sagte sie, „man muss auch etwas tun.“ Brigitte Dornstädter aus Weichs ist Personalreferentin bei der Firma Knorr-Bremse. Der Hersteller von Bremssystemen bietet Ausbildungsplätze an, doch die Schnittstelle zwischen Schulen und Firmen fehlte ihr. „In dem Bereich muss mehr getan werden“, forderte sie. Die Personalerin regte zudem an, ein Bewerbungstraining für Schulabgänger anzubieten, damit die Jugendlichen selbstbewusster bei einem Vorstellungsgespräch auftreten könnten. Helmut Fink, Kirchenpfleger vom Pfarramt St. Josef erklärte, dass die Kirche als Trägerverein von Kindergarten und Hort verunsichert sei wegen der Verbandsgrundschule und dem sich daraus ergebendem Hortangebot in Karlsfeld. Aktuell würden dort 130 Kinder betreut. „Werden es mehr Kinder, die künftig in den Hort von St. Josef kommen oder nicht?“, fragte er.

Steigende Schülerzahlen

Der einzige Programmpunkt der Veranstaltung blieb das Interview von Tschirge mit Albert Herbst, Sachgebietsleiter Kreisschulen und Schülerbeförderung im Landratsamt, zum Thema „Weiterführende Schulen – Zukunftsperspektiven“. Herbst sah Dachau als Wachstumslandkreis mit steigenden Schülerzahlen. Eine Schließung von Schulen befürchtete er nicht. Der Sachgebietsleiter sah eher einen steigenden Handlungsbedarf bei Förderschulen. Zu einer Diskussion an den Thementischen kam es an diesem Abend nicht mehr. Landrat Löwl notierte sich die Fragen und Anregungen der drei Bürger und versprach, sie bei der Bildungskonferenz des Kreistages zur Sprache zu bringen. Seiner Meinung nach sei die Arbeitskraft eine wertvolle Ressource. Es müsse aber viel mehr für Persönlichkeitstraining und Weiterbildung getan werden.

roc

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