Dachau/Neujahrsempfang Grüne

Mit Rückenwind nach Brüssel

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Mit einer Stimme für Europa: die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (links) und Europaparlamentskandidatin Henrike Hahn.

Dachau - Spitzenkandidatin Henrike Hahn stellte sich beim Neujahrsempfang der Grünen vor und berichtete von ihren Plänen im EU-Parlament.

Henrike Hahn hat ein großes Ziel: Die Münchnerin will für die Grünen bei den Europawahlen am 26. Mai ins EU-Parlament einziehen. Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Nicht nur wegen ihres sehr guten 13. Platzes auf der Bundesliste von Bündnis 90/Die Grünen, sondern weil sie auf Rückenwind von der Basis setzen kann. Der Dachauer Kreisverband zumindest steht hinter ihr, das kann seit dem vergangenen Samstag als gesichert gelten. Hahn stellte sich beim diesjährigen Neujahrsempfang des Kreisverbands ihren Parteifreunden vor. Etwas mehr als 30 Personen waren in den Zieglerbräu in der Dachauer Altstadt gekommen, um ihrer Vorstellungsrede zu lauschen. Die 48-Jährige traf dabei offenbar den richtigen Ton, wenn man den Applaus als Kriterium werten will: kämpferisch und nachdenklich, kenntnisreich und nahbar – dank der einen oder anderen Anekdote. Hahn griff die CSU frontal an: „Auf die Europapolitik der CSU kann man sich nicht verlassen!“ Ministerpräsident Söders jüngste pro-europäischen Wortmeldungen seien kein Beweis für einen Sinneswandel, warnte die Politologin, die ehedem im Landtag als wissenschaftliche Mitarbeiterin, mit Schwerpunkt Haushalt, für die Grünen-Fraktion arbeitete und den Franken Markus Söder aus erster Hand erleben durfte. „Europapolitik misst sich nicht an Worten, sondern Taten!“, urteilte Hahn und erinnerte an Söders bayerische Grenzpolizei, die „nicht mit dem europäischen Recht vereinbar“ sei. Sie schloss die Attacke mit einem Wortspiel ab: „Die CSU ergrünt, ohne zu erröten!“ Ansonsten setzte sie auf Inhalte, zum Beispiel auf ein Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft, von Ökologie und Ökonomie. Sie war lange Zeit als Unternehmensberaterin tätig, unter anderem für einen international tätigen Chemiekonzern. Hahn verwies auf die immensen Agrarfördertöpfe der EU: „Trotzdem geht das Höfesterben weiter, die Böden vergiften, die Industrialisierung der Wirtschaft schreitet voran.“ Hier will sie ansetzen: „Mit dem Haushalt kann man Politik steuern.“ Die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer hatte zuvor auf die Gefahren hingewiesen, die von den „Ewig-Gestrigen“ ausgingen, die „Europa als Idee“ abschaffen wollten. Walter-Rosenheimer sprach wie tags zuvor die CSU-Europaabgeordnete Daniela Niebler (siehe Bericht auf Seite 7) auf dem CSU-Neujahrstreffen in Haimhausen von einer „Schicksalswahl“ – die einzige Parallele zwischen beiden Veranstaltungen. Während die Landkreis-CSU mit Bangen und Hoffen auf die kommenden Wahlen blickt, strotzen ihre grünen Konkurrenten nur so vor Kraft und Optimismus. Sarah Jacob, die Schatzmeisterin der Landkreis-Grünen, erinnerte an den umjubelten Auftritt des Bundesvorsitzenden Robert Habeck im brechend vollen Dachauer Volksfestzelt und freute sich über einen Mitgliederzuwachs von 66 auf 88 Mitglieder. Im April wurde in Petershausen sogar ein neuer Ortsverband gegründet. Der Dachauer Stadtrat Thomas Kreß forderte, „so viele Gemeindelisten wie irgend möglich“ in den nächsten Monaten aufzustellen. Mit Anton Speierl zog im vergangenen September erstmals ein Grüner aus dem Landkreis in den Bezirkstag ein. Kreisrat Achim Liebl schwärmte von der „konstruktiven Zusammenarbeit“ im Kreistag, insbesondere auch mit Landrat Stefan Löwl (CSU). Die Germeringerin Beate Walter-Rosenheimer rief dazwischen: „Mit Eurem Landrat habt Ihr wirklich Riesenglück!“

kho

Quelle: Dachauer Rundschau

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