Dachau/Stadtfriedhof

Gräber, die Geschichten erzählen

+
Das gerettete Grabstein der Familie Gitterer mit seiner Form und dem Christus–Bildnis ist eine Besonderheit.

Dachau -  Gästeführerin Anni Härtl erinnert an historisch-wertvolle Grabsteine.

Gräber können Geschichten erzählen. Das weiß niemand besser als Gästeführerin Anni Härtl. „Ich möchte die Leute für die Geheimnisse, die es auf dem Friedhof zu entdecken gibt, sensibilisieren“, sagt sie. Damit diese Geheimnisse nicht verloren gehen, hat der Dachauer Stadtrat Dachau Mitte der 90er Jahre einen einstimmigen Beschluss gefasst: Historisch-wertvolle Grabsteine können erhalten bleiben, auch wenn die Angehörigen das Grab auflösen. „Die Besitzer des Grabes müssen nur das Grabbett entfernen“, erklärt Härtl. „Der Stein bleibt stehen, die Stadt kümmert sich darum.“ Auch die Gräber der Dachauer Künstler werden nicht entfernt. Die Stadt kennzeichnet sie mit einer Plakette und pflegt sie als letzte Würdigung für die Dienste der Verstorbenen. Wer durch den Stadtfriedhof läuft, sieht viele Künstlergräber und historisch-wertvolle Grabsteine. Dieser Status ist immer eine Einzelfallentscheidung. „Entweder ist der Grabstein sehr alt, oder er hat eine besondere Form und Gestaltung oder es stehen ungewöhnliche Dinge darauf oder eine besondere Persönlichkeit liegt dort begraben“, erklärt Härtl. Ein Beispiel ist ein Grabstein der Familie Christ. 1949 wurde in dem Grab der Pferdehändler Josef Christ beigesetzt. Der Stein ist groß und schwer, außerdem ist darauf ein Hufeisen zu sehen ist – ein Zeichen für den Beruf des Verstorbenen. Es sind oft solche kleinen Dinge, die einen Grabstein zu etwas Besonderem machen. Bei der Familien-Grabstätte von Anton Mayer, dem ehemaligen Besitzer der so genannten Mayersäge, sind beispielsweise ein Lot, ein Zirkel und eine Bügelsäge abgebildet. Man muss genau hinschauen, um die Verzierungen zu erkennen Sofort ins Auge fällt dagegen die Grabstätte der Familie Porzelt. „Es ist der einzige Grabstein aus weißem Carraramarmor, der für die Beschriftung in zwei Hälften geteilt ist“, erklärt Anni Härtl. Unter anderem wurde dort 1941 der in der Stadt bekannte Hafnermeister Fritz Portzelt beigesetzt, der im heutigen Café Corso eine Töpferei betrieben hatte. Natürlich blieb auch dieser Stein nach der Grabauflösung stehen. Ihm werden noch viele weitere folgen: Jedes Jahr werden in Dachau mehrere Grabsteine gerettet.

cla

Quelle: Dachauer Rundschau

Auch interessant:

Meistgelesen

Bergkirchen sucht Schulweghelfer
Bergkirchen sucht Schulweghelfer
Wohnen und Arbeiten mitten in Vierkirchen
Wohnen und Arbeiten mitten in Vierkirchen
Chaoscityriders dankten mit einer Spendenparty am Waldschwaigsee allen Unterstützern
Chaoscityriders dankten mit einer Spendenparty am Waldschwaigsee allen Unterstützern
Wolfgang Moll besuchte Oradour sur Glane zum 75. Gedenkfeiertag
Wolfgang Moll besuchte Oradour sur Glane zum 75. Gedenkfeiertag

Kommentare