1. meine-anzeigenzeitung
  2. Lokales
  3. Dachau

Gentechnik füllt Wirtshaus

Erstellt:

Kommentare

null
Auf dem Foto (von links nach rechts): die Vorsitzenden der KAB Odelzhausen Bernhard Eberle und Gertraud Willibald, den Referenten Wolfgang Köhler und Rainer Forster (KAB-Diözesansekretär) © pri

Odelzhausen - Wolfgang Köhler, langjähriger Referatsleiter für Biotechnologie und Gentechnik im Landwirtschaftsministerium,  referierte zur grünen Gentechnik auf Einladung der KAB. Für die Gentechnik sieht er derzeit keine große Zukunft. Gründe seien anhaltende Proteste aus der Bevölkerung und Seilschaften zwischen Politik und Wissenschaft.

Die KAB hat in den letzten Tagen zahlreiche Wirtshäuser gefüllt. Auch in Sixtnitgern bei Odelzhausen kamen sich Landwirte und Verbraucher näher. Für die grüne Gentechnik in Europa sieht Referent Wolfgang Köhler, der langjährige Referatsleiter für Biotechnologie und Gentechnik im Landwirtschaftsministerium derzeit keine große Zukunft. Gründe dafür seien die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung und anhaltende Proteste. Beim Amtsantritt im Jahr 2003 sei er von der grünen Gentechnik und der Wissenschaft noch sehr überzeugt gewesen. Im Laufe der Jahre sei sein Glaube an die Wissenschaft aber mächtig ins Wanken geraten. Wissenschaftler, die mit Hilfe von Drittmitteln aus der Industrie forschen, möchten diese Unterstützung natürlich auch weiter erhalten und so manches Forschungsergebnis lässt Interpretationsspielraum. Zur Steigerung der Akzeptanz werde von der Industrie und manchen Politikern versucht, die Grenzen in der Biotechnologie in der Medizin oder bei technischen Hilfsstoffen mit der Agro-Gentechnik zu verwischen. Dabei laufe bis auf die Agro-Gentechnik alles im Labor in geschlossenen Systemen ab. Genveränderte Pflanzen hingegen würden in die Natur freigesetzt. Die Anzahl der Experten in der Agro-Gentechnik sei europaweit überschaubar und in den Genehmigungsbehörden braucht es ganz selbstverständlich auch dieses Expertenwissen. In diesen oft als Seilschaften bezeichneten Netzwerken sind sie mal in der Forschung, mal in der Genehmigung und im gemeinsamen beantragen von Fördermitteln aktiv. Wissenschaftler, die kritische Berichte veröffentlichen werden systematisch kalt gestellt und ihre Arbeiten als Pfusch deklariert. Dem wachsenden Widerstand in der Bevölkerung – vor allem in Bayern – konnten sich die Politiker im Hinblick auf das Medienecho und die Umfragewerte nicht länger verschließen. Besonders groß sei der Druck auf Ilse Aigner gewesen, als sie kurz vor der Europawahl gegen den Willen der Kanzlerin den Genmais MON810 zum Anbau verbieten lies. Schon am nächsten Tag habe der amerikanische Botschafter bei Merkel auf der Matte gestanden und Monsanto mit einer nicht an Papier sparenden und renommierten Anwaltskanzlei dagegen geklagt. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen stellte Köhler fest: Bei der FDP sei die Sache klar – die sind für Agro-Gentechnik. Die Grünen haben es nach dem endgültigen Atomausstieg als neues Themenfeld besetzt – sie sind dagegen. Die CDU ist mehrheitlich auch dafür, was vermutlich auch mit der Nähe zur Agro-Industrie von Angela Merkel zu tun hat. Bei den Sozialdemokraten sei man unter Schröder noch sehr dafür gewesen, jetzt tendenziell eher dagegen. Besonders ambivalent sei das Verhalten der CSU, die sich hierzulande für ein gentechnikfreies Bayern ausspreche, während die Spitze der CSU-Landesgruppe mit Dr. Max Lehmer und Gerda Hasselfeldt in Berlin als Sperrspitze der Gentechnikbefürworter auftrete. Künftig wird sich die KAB im Landkreis Dachau neben sozial- und wirtschaftspolitischen Themen auch zu Ernährung und Nachhaltigkeit zu Wort melden. Der Bund Naturschutz hat sich als Kooperationspartner nach der Veranstaltung angeboten.

red

Auch interessant

Kommentare