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Bordell will Zeichen setzen

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Der Chef des „Salon Patrice” sprach das Tischgebet, dann servierte er zusammen mit den Damen des „Salon Patrice” die Entenbrüstchen mit Beilagen. © Roth

Dachau - Die Betreiber des „Salon Patrice“ organisierten ein Weihnachtsessen für die 146 Heimbewohner des Friedrich-Meinzolt-Hauses.

Die Damen vom Dachauer „Salon Patrice“ arbeiten im ältesten Gewerbe der Welt. Sie kennen sich aber nicht nur mit der körperlichen Liebe aus, sondern sie wissen auch wie man Nächstenliebe praktiziert. „Unsere Mädchen haben ein großes Herz. Sie stellen jedes Jahr ein Sparschwein auf und sammeln so für die bedürftigen Bewohner des Alten-und Pflegeheims in der Ludwig-Ernst-Straße in Dachau“, erklärte „Salon Patrice-Geschäftsführerin Loreni. Für die Bordell-Mitarbeiterin Alina aus Litauen, die gerade um ihren schwerkranken Vater bangt ist es besonders wichtig, etwas für alte Menschen zu tun. „Ich finde es beschämend, dass man alte Leute hier in Deutschland oft so schlecht behandelt und sie einfach abschiebt. Deshalb bin ich froh, dass ich helfen kann“. Schon seit sieben Jahren sammeln die Betreiber, die Mitarbeiterinnen und Gäste des Bordells zu Weihnachten für die 40 Sozialhilfeempfänger. Dieses Jahr werden nicht nur die bedürftigen Senioren mit einem Geldgeschenk bedacht, sondern es waren alle 136 Bewohner zum Nikolausessen mit Ente, Blaukraut und Knödel eingeladen. Die Entenbrüstchen wurde von der Firma Südfleisch spendiert. Die Geschenke für die bedürftigen Sozialhilfeempfänger folgen kurz vor Weihnachten. „Wir wollen Zeichen setzen“, sagte der Bordellbetreiber, „denn alte Menschen haben keine Lobby. Sie sind eine Randgruppe genau wie die Prostituierten. In der Weihnachtszeit wird für viele gespendet, aber die armen Alten vergisst man. Diese alten Leute haben zwei Kriege überlebt, Deutschland wieder aufgebaut und dann wurde gerade denen 2005 die Weihnachtsbeihilfe von der Regierung von Oberbayern gestrichen. Darüber waren wir sehr empört, aber es hat uns auf den Gedanken gebracht, selbst etwas zu tun“. Mittlerweile haben sich einige Geschäftsleute, wie die Dachauer Firma Ettengruber, Reifen Stelzl und Christian Otto von der Firma Südfleisch der Spendenaktion der Bordell-Belegschaft angeschlossen. Heimleiter Thomas Wille betonte: „Die Bewohner wissen woher die Spende kommt, und freuen sich darüber“. Auch der Vorstand der Inneren Mission München Pfarrer Günther Bauer hat keine Probleme mit der Bordellspende: „Schließlich habe Jesus, nicht nur Umgang mit protestantischen Bildungsbürgern und höheren katholischen Töchtern gepflegt, sondern auch mit Menschen aus Randgruppen, wie Zöllnern und Huren. Und weil bekannt ist, dass Therapiehunde auch bei Demenzpatienten erfolgreich sind, brachte der Betreiber des Bordells und seine Frau Loreni ihre kleinen Hunde „Klopfer“ und „Gismo“ mit. Nach dem Essen durften einige Patienten unter der Aufsticht von Ergo-Therapeutin Sarah Alexander die Hunde streicheln. Eine Patientin, die scheinbar versunken in ihrer eigenen Welt zu leben schien, zeigte beim Streicheln der Hunde ein Lächeln. Eine andere ältere Dame freute sich als der kleine Samojedenmischling „Gismo“ an ihr hoch sprang. Sie fütterte ihn mit einem Leckerli. Spätestens da stellte sich bei allen Beteiligten ein Weihnachtsgefühl ein.

roc

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