Portrait

Anja Kuhn aus Schwindegg berichtet über ihre Reise ins ferne Afrika 

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Anja Kuhn (rechts) zusammen mit zwei Erzieherinnen und einer weiteren Teilnehmerin des Projektes.

Anja Kuhn hat mit dem Projekt „Marafiki wa Afrika“ fünf Monate in Tansania in einer Schule verbracht. Wie sie sich für die Reise vorbereitet hat, was sie in der Schule alles erlebt hat und warum sie die Menschen in Tansania nur bewundern kann.

Portrait über Anja Kuhn, Studentin aus Schwindegg

Anja, Du warst insgesamt fünf Monate in Tansania. Wie war die Ankunft für Dich?

Sehr abenteuerlich. Um zu dem Dorf nach Tansania zu kommen, musste ich über Uganda einreisen. Danach bin ich mit dem Taxi nach Kampala und in einen kleinen Bus umgestiegen. Das letzte Stück bin ich dann auf dem Motorrad mitgenommen worden. Insgesamt war ich den ganzen Tag unterwegs, bis ich endlich angekommen bin.

Wie ist das Busfahren in Tansania?

Das ist echt spannend und nicht zu vergleichen mit einer Busfahrt in Deutschland. Es gibt ein Nachtfahrverbot, weswegen die Busse frühmorgens um fünf Uhr schon losfahren, damit man die langen Strecken schafft. Das Gepäck wird auf das Dach geschnallt und los geht es.
Die ganze Busfahrt über wird man mit lautem ­Suaheli-Pop beschallt und es gibt keine Pausen, da wurde meine Blase des Öfteren schon auf die Probe gestellt (lacht).

Was muss man gerade als Frau in Tansania beachten? 

Ich habe mir eigentlich nichts dabei gedacht. Ich bin abends im Dunkeln nicht alleine spazieren gegangen, aber sonst habe ich nichts beachten müssen. Grundsätzlich ist es wichtig, Respekt vor älteren Personen zu haben.
Die Älteren werden auch anders begrüßt. Mit „Shikamoo“ begrüßt man die Älteren, mit „Habari“ alle anderen. Das ist wie „Griasdi“ und „Griaß Gott“.Respekt zeigen ist in Tansania sehr wichtig. 

Wie haben die Tansanier auf Dich reagiert? 

Ich bin richtig hofiert worden, weil ich aus Deutschland bin. Gastfreundschaft wird dort wirklich groß geschrieben. Die Bewohner haben extra für mich gekocht und sich total viel Mühe mit der Bewirtung gemacht.

Was isst man in Tansania? 

Die Bevölkerung isst meistens Kochbananen. Die sind grün und schmecken wie Kartoffeln. Die Banane wird geschält und gekocht und mit Tomaten und Zwiebeln zubereitet. Das schmeckt wirklich gut. Luxusessen ist Reis. Das wird in der Region nicht angebaut und muss gekauft werden.

Wie ist das mit Wasser? 

Wasser ist eine Kostbarkeit. Bei meiner Ankunft in Tansania war ich zunächst in einem Gästehaus untergebracht. Das war das einzige Haus, in dem es fließendes Wasser gab. Später habe ich in der Schule gewohnt, da musste man sein Wasser aus Tanks abzapfen. Das ist Regenwasser, das über die Dächer in die Tanks geleitet wird.

Wie war das für Dich? 

Es hat mir geholfen, dass ich in der Eingewöhnungszeit im Gästehaus war. Da gab es ja genug Wasser. Es hat mich nur beim Kochen gestört. Zwischendrin die Hände waschen ist nicht möglich.

Was passiert bei einer ­Dürreperiode?

Die Schule ist ganz gut ausgestattet mit Wassertanks. 2016 gab es eine lange ­Trockenperiode. Da wird das Wasser rationiert und kein Tropfen vergeudet.

Wie hat Dein Alltag ­ausgesehen? 

Vormittags war ich im Montessori-Kindergarten und nachmittags habe ich in der Mädchenschule ausgeholfen. Ich habe mich auch mal als Sportlehrerin versucht, das war ganz witzig.
Die Schule beherbergt 170 Schüler und neun Lehrer. Da ist schon was zu tun. Aber das geht noch. In anderen Schulen kommen auf 1000 Schüler sieben Lehrer. Da werden die Schüler aufgeteilt. Die einen kommen vormittags zum Unterricht, die anderen nachmittags.

Wie sieht der Unterricht aus?

Eigentlich wie bei uns. Die Kinder haben zusätzlich das Fach „Landwirtschaft.“ Dort lernen sie beispielsweise, wie man ein Feld bestellt. Bei den Nachbarschulen wurden die Kinder durch Prügel diszipliniert, das ist in Tansania leider immer noch Gang und Gäbe. Die Kinder werden mit einem Stab auf die Hände oder auf den Hintern geschlagen. Das war sehr schlimm für mich.
An der Schule, an der ich gewesen bin, war das Gott sei Dank verboten, die Kinder dort wurden nie geschlagen.

Und beim Kindergarten? Ist das Konzept „Montessori“ wie bei uns? 

Naja, die ganze Art der Erziehung ist viel autoritärer als bei uns in Deutschland. Die Kinder müssen gehorchen und haben weniger Mitspracherecht. Ich habe schon gestaunt, wie still die Kinder sind. Die Kinder haben wenig Fragen gestellt und eher versucht, Probleme selbst zu lösen. Sie sind sehr selbstständig.

Warst Du die ganze Reise nur in der Schule?

Nein, ich bin mit dem Bus quer durch Tansania gereist. Von Nordwesten, wo das Projekt stattgefunden hat, bis nach Nordosten nach Sansibar.

Wie hast Du Dich auf die Reise vorbereitet? 

Der Verein „Marafiki wa Afrika“ hat mich gut vorbereitet, über sechs Monate lang. Über Impfungen und Landeskunde bis hin zur Sprache. Ich habe einen Sprachkurs in Suaheli belegt.

Und wie ist Dein Suaheli mittlerweile?

(lacht) Ach, naja geht so. In der Schule, in der wir waren, mussten die Kinder Englisch sprechen. Aber im Kindergarten war es schon praktisch, dass ich zumindest ein paar Floskeln kenne.

Was hast Du alles auf die Reise mitgenommen?

Viele Röcke. Als Frau sollte man Röcke anziehen, besonders auf dem Dorf, wo ich war. Und ein großes Moskito-Netz.

Warst Du auf Safari? 

Ja, drei Tage. Das war super. Ich bin in einem Geländewagen herumgefahren worden und konnte mir alles ansehen. Ich konnte vier der „Big Five“ abhaken. Büffel, Elefanten, Löwen und Zebras habe ich gesehen. Leider waren keine Leoparden dabei.
Ich habe auch verschiedene Nationalsparks besucht, zum Beispiel den Ngorongoron Krater, den Lake Manyara und den Tarangire National Park. Und ich war in Moshi, das ist beim Kilimandscharo. Da habe ich in heißen Quellen gebadet, das war wie im Paradies.

Was ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Der Lake Manyara war sehr beeindruckend. Der See ist pink, weil er so alkalisch ist, wegen den Algen. Das war total schön. Die Natur ist einfach unglaublich dort, viele Akazien- und Affenbrotbäume.
Zwischendrin dann immer die ganzen freilebenden Tiere – riesige Herden von Gnus und Zebras. Neben mir stand einmal ein Elefant, den konnte ich fast streicheln. Das war sehr eindrucksvoll.

Welche Erfahrung ziehst Du aus der Reise? 

Die Menschen sind so gastfreundlich, da kann man sich definitiv eine Scheibe abschneiden.
Und die Bevölkerung ist glücklich, mit dem was sie hat. Man sieht, wie die Leute mit dem Nötigsten auskommen und trotzdem zufrieden sind.Das finde ich sehr bewundernswert.

Hat sich Deine Meinung zur Flüchtlingspolitik geändert?

Ich denke schon, dass ich begriffen habe, was es bedeutet, in einem fremden Land zu leben. Ich kann mich jetzt besser in die Situation der Geflüchteten hineinversetzen.
Auch dass wir jederzeit den Krankenwagen rufen können, ist für uns selbstverständlich. Hilfe kommt sofort. Das gibt es in Tansania nicht.

Das Interview führte Anja Leitner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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