Artenvielfalt retten

BN Dorfen berichtet drastischen Rückgang von Amphibien in der Gemeinde

Ein Bild aus vergangenen Tagen: 29. März 2012 in Gatterberg: Grasfrosch auf Braunfrosch, ein seltenes Paar Wolfram Honsberg
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: 29. März 2012 in Gatterberg: Grasfrosch auf Braunfrosch, ein seltenes Paar Wolfram Honsberg

Zahlen an den BN Landesverband weitergeleitet

Dorfen – Die letzten Jahrzehnte waren die grünen Krötenzäune am Straßenrand ein gewohnter Anblick. Auch der Bund Naturschutz (BN) Dorfen hat Jahr für Jahr im März die Zäune aufgebaut und anschließend über mehrere Wochen lang in den Abend- und Morgenstunden Frösche und Kröten eingesammelt über die Straße getragen, damit sie auf ihrem Weg zu den Laichgebieten nicht von Autos totgefahren werden.

Ein großer Aufwand, den der BN Dorfen heuer nicht betrieben hat. Die Zäune blieben verstaut, die freiwilligen Helfer hatten nichts zu tun. Denn es gibt, so berichtet der BN nun abschließend, keine nennenswerte Amphibienwanderung mehr in der Gemeinde. Selbst ein Aufruf an die Bürger Anfang März, Wanderungen zu melden, brachte keinen Hinweis. Der BN verabschiedet sich damit nach knapp 20 Jahren vorerst aus dem Thema Amphibienschutz.

Der BN Dorfen hat in den letzten zwei Jahrzehnten Jahr für Jahr zwei Übergänge betreut. Einen bei Kolomann an der Straße Richtung Hinterberg, einen bei Irlmaier, Gatterberg, bereits Gemeinde Sankt Wolfgang. Die Zahlen sind an beiden Übergängen extrem eingebrochen. 2003 bis 2013 gab es dort noch durchschnittlich je 2000 Tiere, zehn Jahre später noch etwa 50. Den Krötenzaun bei Sankt Koloman hat der BN 2013 das letzte Mal aufgebaut, den Zaun bei Irlmaier dann 2019.

Auf der Straße zwischen Mehlmühle und Hampersdorf hatte die Stadt Dorfen in den letzten Jahren nachts die Durchfahrt gesperrt. Dort hat der BN heuer mehrfach kontrolliert. „Wir haben dieses Jahr kein einziges Tier gesehen, auch kein totes auf der Straße. Wir hätten uns sonst wieder an die Stadt gewandt, aber wir hatten leider keinen Grund dafür“, so Wolfram Honsberg, zweiter Vorsitzender des BN Dorfen.

Die Gründe für diesen drastischen Rückgang sind laut BN Dorfen mit Sicherheit eine Kombination aus mehreren Faktoren. Es gibt immer weniger Lebensraum für die Amphibien, die wegen ihres mehrgestaltigen Lebenszyklus verschiedenes brauchen: im Winter ruhige Waldgebiete, im Frühling Kleingewässer und Bäche und dazwischen feuchte Wiesen und Weiden. All das gibt es immer weniger. Ein weiterer Grund ist der deutliche Rückgang der Insekten – der Hauptnahrungsquelle der Frösche und Kröten. Es gibt außerdem deutliche Hinweise darauf, dass Herbizide die empfindliche Haut der Tiere angreifen.

Ein weiteres Problem: der Klimawandel. „Wir beobachten seit Jahren sehr gestörte Wanderungen. Amphibien brauchen im Frühling milde Nächte mit etwa zehn Grad, die gleichzeitig feucht sind.“ Es habe in diesem Jahr im März und April keine einzige Nacht gegeben, in der beides zusammengetroffen sei. Entweder sei es zu kalt oder zu trocken gewesen. – die letzten Jahre seien auch nicht besser gewesen, so Honsberg.

Der BN Dorfen hat sich mit seinen Zahlen an den Landesverband gewandt. Zwar hat der BN Bayern die Zahlen für dieses Jahr noch nicht vollständig ausgewertet, der Trend aber ist der gleiche wie in Dorfen: starke Rückgänge sogar bei Allerweltarten wie der Erdkröte. In Bayern stehen zwölf von 19 Amphibienarten – dazu gehören Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander – auf der Roten Liste.

„Das ist ein drastischer Rückgang, der in seinem Ausmaß dem schon beachteten Insektensterben gleich kommt. Mit den Amphibien verschwindet damit die nächste große Tiergruppe aus unserer Landschaft“, so Honsberg. Und weiter: „Wir brauchen jeden Gartenteich. Und wer dieses Jahr in Dorfen Frösche quaken hört, sollte sich nicht über den Lärm ärgern. Sondern sich freuen, dass es noch welche gibt.“ - Rita Rott / Bund Naturschutz Dorfen

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