Interview

Was bringt die A94? Bürgermeisterin von Lengdorf Gerlinde Sigl über Vor- und Nachteile

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Bürgermeisterin von Lengdorf Gerlinde Sigl

Quer durch die Gemeinde Lengdorf frisst sich die Autobahn. Bringt sie auch Vorteile für die kleine Gemeinde, deren Bürger sich lange dagegen wehrten?

Lengdorf - Im Herbst soll die Autobahn durch das Isental eröffnet werden. Der Trassen­abschnitt Pastetten-Dorfen, an dem momentan noch gebaut wird, verläuft auch durch das Gemeindegebiet von Lengdorf. 

Wir wollten von Bürgermeisterin Gerlinde Sigl (CSU) wissen, welche Veränderungen die A 94 der kleinen, ländlich strukturierten Gemeinde bringen wird und ob sie sich wirtschaftlich auswirken wird.

Frau Sigl, lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen. Wo sehen Sie Lengdorf in zehn Jahren? 

Ich hoffe, dass sich nicht viel ändert und dass Lengdorf dann nicht wesentlich anders aussieht als heute. Wir können und wollen uns nicht mit Dorfen vergleichen, auf das sich die Autobahn, gerade was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, viel stärker auswirken wird.

Aber Gewerbeflächen sollen auch in Lengdorf ausgewiesen werden, oder? 

Ja, wir sind gerade dabei. Unser Ziel sind 30.000 Quadratmeter im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet. Über einen Teil verhandeln wir noch.

Was soll dort entstehen? 

Das neue Gewerbegebiet ist in erster Linie für Einheimische gedacht. Unsere Absicht war ja immer, ansässigen Gewerbetreibenden die Möglichkeit zu geben, sich zu vergrößern. Auf einer Teilfläche wird ein Einkaufsmarkt entstehen. Dazu laufen momentan noch letzte Verhandlungen.

Also gibt es keine Nachfragen von außerhalb? 

Nein, die gibt es nicht. Und für die Logistiker, die immer auf der Suche sind, sind wir zu klein. Da müssten wir schon 300 000 Quadratmeter anbieten können.

Rechnen Sie damit, dass der Siedlungsdruck zunehmen wird? Ist die Gemeinde darauf vorbereitet? 

Der Wohnungsdruck wird sicher zunehmen. Momentan ist ein neues Wohngebiet im Entstehen, das vor allem einheimischen Bürgern die Möglichkeit bietet zu bauen. Dadurch werden Wohnungen und Häuser frei, die von Zuzüglern bewohnt werden können. 

Potential würde ich auch durch eine Nachverdichtung sehen. Aber da müssen, wie auch bei Grundstücksverkäufen, die Bürger das wollen und mitmachen. Insgesamt wollen wir nur ein kleines Wachstum. Wenn wir schnell wachsen, bekommen wir Probleme mit der Infrastruktur.

Was meinen Sie konkret? 

Das fängt mit den Kleinen an. Dann reichen unsere Plätze in Krippe und Kindergarten bei weitem nicht mehr aus. Darüber werden wir uns ohnehin in nächster Zeit Gedanken machen müssen.

Also ist kein neues Baugebiet geplant?

Nein, konkret geplant ist nichts. Selbstverständlich führe ich immer wieder Gespräche. Aber der Grunderwerb ist nicht ganz einfach und braucht Zeit.

Was steht sonst noch an? 

Die Ortsmitte. Die soll schöner hergerichtet werden. Mir schwebt auch noch immer ein Geschäftshaus an Stelle des alten Rathauses vor, da sehe ich einen großen Bedarf. 

Auch eine Verkehrsberuhigung für die Brückenstraße müssen wir in Angriff nehmen. Eine Umgehungsstraße, wie sie auch immer wieder angesprochen wird, werden wir aber nicht leisten können.

Für den Radweg schaut es aber gut aus, oder?

Wenn alles so läuft, wie vorgesehen, kann im Juni mit dem Bau begonnen werden. Wir haben immer gesagt, wenn die Autobahn fertig ist, muss auch der Radweg entlang der Kreisstraße fertig sein. 

Das können wir einhalten. Oberste Priorität hat, dass wir unsere Radfahrer vor dem Verkehr schützen. Es kann nicht sein, dass sie nicht fahren können, weil die Straße zu stark befahren wird.

Die Autobahn hat das Bild Lengdorfs nicht zum Besten verändert. Mit welchen negativen Auswirkungen rechnen Sie noch?

Klar ist, dass Verkehr und daraus resultierende Immissionen zunehmen werden.

Ist Lengdorf für die Autobahn gerüstet? 

Wir haben das Feuerwehrgerätehaus neu gebaut und sind dabei, nötige Fahrzeuge anzuschaffen. Was genau auf uns zukommen wird, wissen wir nicht. Das muss sich erst herausstellen. ahu

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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