Interview mit Ruth Wildgrube

Corona fordert viel Einsatz der Ehrenamtlichen

Ältere Damen mit schwarzer Daunenjacke steht vor Bäumen
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Ruth Wildgrube

Die Nachbarschaftshilfe Dorfen war und ist durch die Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt. Ruth Wildgrube, langjährige Vorsitzende erzählt, vor welchen Aufgaben sie und ihr Team standen, wie sie alten Menschen, jungen Familien und Bedürftigen bis heute unbürokratisch Hilfe leisten.

Dorfen – „Die Pandemie hat die Situation von Menschen, die schon vor der Pandemie Probleme hatten, verschärft“, sagt Ruth Wildgrube. Bei der Jahreshauptversammlung im Sommer gab sie den Vorsitz der Nachbarschaftshilfe Dorfen ab. Die Corona-Krise sowie der Lockdown habe viel Flexibilität und zusätzliches Engagement von den ehrenamtlichen Helfern abverlangt, erinnert sich die Dorfenerin.

Frau Wildgrube, Sie haben den Stab an die jüngere Generation weiter gegeben …

Ruth Wildgrube: Ich bin mittlerweile 69 Jahre alt. Da hat man nicht mehr so viel Energie, um nochmals drei Jahre an der Spitze des Vereins zu stehen. Meine Nachfolgerin Paulina Stimmer ist erst Mitte 30. Aber ich bleibe der Nachbarschaftshilfe natürlich treu und weiterhin als Beisitzerin im Vorstand.

Die Nachbarschaftshilfe ist ein wichtiger Baustein im Sozialnetz der Stadt. Wen unterstützt die NBH?

Grundsätzlich jeden, der Hilfe braucht. Überwiegend sind das Senioren, alleinerziehende Mütter, aber auch sozial benachteiligte Familien und deren Kinder - dabei suchen wir nach individuellen Lösungen und Hilfestellungen.

Das heißt?

Wir machen das, was ein guter Nachbar machen würde - vorausgesetzt, er hat Zeit. Die ehrenamtlichen Helfer begleiten unsere Kunden beim Einkaufen, zum Arzt oder zur Physiotherapie, sie besuchen ältere Leute oder helfen auch mal beim Umzug und vieles mehr. Und die NBH ist Betreiber der Dorfener Tafel.

Dorfen ist doch eigentlich eine reiche Stadt …

Auch in Dorfen ist nicht jede Familie gut situiert. Viele Menschen haben gar keine Vorstellung, was bei uns an Armut herrscht – aber auch, welche Einsamkeit es gerade unter älteren Menschen gibt.

Die erste Corona-Welle brach aus - wenn Sie die Zeit nochmals Revue passieren lassen …

Als der erste Lockdown kam, da dachte ich im ersten Moment: Jetzt geht gar nichts mehr, wir können nichts machen.
Doch schnell kristallisierte sich heraus, dass gerade jetzt viele Senioren Hilfe brauchen. Es war eine äußerst schwierige Situation, die viel Einsatz von den ehrenamtlichen Helfern forderte.

Das heißt?

Viele junge Leute, die im Homeoffice waren, haben sich gemeldet und so konnten wir schnell einen Einkaufsnotdienst auf die Beine stellen. Später haben wir uns um Impftermine gekümmert und diejenigen, die niemanden hatten, ins Impfzentrum oder zum Arzt gefahren.

Was noch?

Da waren natürlich auch die Tafelkunden, weiterhin auf Lebensmittel angewiesen. Eine normale Ausgabe konnten wir nicht mehr durchführen, deshalb haben die ehrenamtlichen Helfer Tüten gepackt und unsere bedürftigen Kunden beliefert.

Und weiter?

Natürlich haben wir uns auch um die Kinder während des Homeschoolings gekümmert, damit sie in der Schule nicht abgehängt werden - viele Familien, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, haben z.B. keinen Drucker zu Hause.

Die Corona-Situation verschärft sich wieder.

Egal ob junge Leute oder alle, die im Ruhestand sind - jeder der uns unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. Wir brauchen - nicht nur aktuell - jede helfende Hand – und wir freuen uns über jede Spende..

Das Interview führte Michaele Hesje

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