Unterstützung für Andere

Der Fortbestand des Dorfener Zentrums für Integration und Familie steht nicht mehr auf der Kippe

Der alte (hinten) und der neue DZIF-Vorstand (vorne): Dr. Dorette Sprengel, Annkatrin Wollersheim, Barbara Siebert, Andrea Widl, Ingrid Böhringer und Dr. Klaus Ramme (v.l.)
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Der alte (hinten) und der neue DZIF-Vorstand (vorne): Dr. Dorette Sprengel, Annkatrin Wollersheim, Barbara Siebert, Andrea Widl, Ingrid Böhringer und Dr. Klaus Ramme (v.l.)

Seit 15. März diesen Jahres wird erst wieder unterrichtet, mit viel Mühe.

Dorfen – Das Aus für das Dorfener Zentrum für Integration und Familie konnte nochmal abgewendet werden. Nachdem der Stadtrat Anfang März die prognostizierte Unterdeckung von 69.000 Euro für 2021 nicht übernehmen wollte und kein neuer Vorstand in Sicht war, stand die Vereinsauflösung im Raum.
Bei der ordentlichen, nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung konnte dies allerdings abgewendet werden. Per Zoom standen die Entwicklung des Vereins, das Kursangebot, die Herausforderungen in Corona-Zeiten, die finanzielle Situation sowie Neuwahlen auf dem Programm. Denn die drei gleichberechtigten Vorsitzenden Annkatrin Wollersheim, Barbara Siebert und Andrea Widl kandidierten nicht mehr. Ohne neuen Vorstand wäre der Fortbestand des DZIF nicht möglich gewesen. Doch kurzfristig fanden sich Ingrid Böhringer, Dr. Dorette Sprengel und Dr. Klaus Ramme, drei äußerst engagierte Rentner, die sich mit dem Verein verbunden fühlen und künftig seine Geschicke lenken wollen.
Vom Stadtrat hätte man sich nur eine monatliche Rate der möglichen Unterdeckung gewünscht, „wir wollten nicht 70.000 Euro“, stellte Wollersheim klar. „Der Verein ist ja nicht pleite. 2019 war ein gutes Jahr und wir haben sparsam gewirtschaftet. 2020 haben wir mit einem kleinen Defizit von 1700 Euro durchgestanden“, mit insgesamt nur 21 Wochen Unterricht. Denn die Unterrichtseinheiten von rund 3.300 im Jahr 2019 waren wegen Corona auf etwa 1.300 im Vorjahr gesunken.
Seit 15. März diesen Jahres wird erst wieder unterrichtet, mit viel Mühe. Die Kurse werden auf zwei Räume aufgeteilt mit Videoübertragung. Der Lehrer bewegt sich immer hin- und her. Auch technische Investitionen waren nötig, sagt die Agrar-Ingenieurin Sprengel, die 22 Jahre Stadträtin war und sich seit jeher für diese „wertvolle Einrichtung für Dorfen“ eingesetzt hat. Die Fortführung des DZIF werde kein „Selbstläufer“, da aufgrund von Corona die Einnahmen stark eingebrochen seien, betont sie. Sprengel wird sich künftig überwiegend um die Finanzen kümmern. „Wir werden versuchen die vorhandenen Räume intensiver zu nutzen, Freikurse anzubieten, wenn möglich auch in den Sommerferien Einnahmen zu erzielen.“ Zwei Personen hätten sich schon angeboten, den Verein in einzelnen Bereichen zu unterstützen. Böhringer verrät: „Wir werden ein gutes Konzept mit einer realistischen Basis erstellen und mit dieser neuen Perspektive zur Weiterführung des Vereins nochmal bei Bürgermeister Grundner vorstellig werden.“ Böhringer stammt aus dem Stuttgarter Raum, lebt seit 1982 in Bayern, seit 2010 in Wasentegernbach. Die Personalreferentin war ehrenamtlich als Coach und Beraterin in der Münchener Frauenakademie tätig. Sie gründete mit Sprengel und Reni Warkalla den Dorfener Beratungskreis. Zusammen mit den anderen möchte sie neue Ideen und Aktivitäten entwickeln, das Vorhandene ausbauen, aber auch Einsparungen vornehmen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.

Der alte und neue Vorstand informierte noch über die Kurse. 400 Euro Kosten fallen pro Modul an, gefördert werden die Kurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), ein sehr wichtiger Partner mit strengen Vorschriften. Neue Vergütung ab Januar 2021 sind 4,40 Euro, pro neu beginnende Unterrichtseinheit und pro Teilnehmer. Die Teilnehmer kommen aus 42 Ländern, weltweit. Sie müssten die Teilnahme an Integrations- und Sprachkurse mit bundesweit anerkannten Zertifikaten nachweisen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen, erklärt Siebert.

Einer der Lehrer ist seit fünf Jahren Klaus Ramme. Er ist auch für die Einteilung seiner Kollegen zuständig. Der Physikochemiker kommt aus Tübingen, lebt seit 30 Jahren im Landkreis Erding, seit 2016 in Dorfen, wo er noch als EDV-Berater tätig ist. Der ausgebildete Gesprächstherapeut hat schon VHS-Kurse in München und mehrere Jahre Zertifizierungskurse für das BAMF durchgeführt. In Dorfen hat er mit Alphabetisierungskursen angefangen. Sein Aufgabenfeld werden Integrations- und Sprachkurse sein. „Wenn Menschen wachsen, das gefällt mir. Da kann ich mithelfen.“

Die Lage des DZIF in der Siemensstraße 11, nahe dem Bahnhof ist für Teilnehmer aus umliegenden Gemeinden und Landkreisen ideal. Zudem bietet das DZIF Kinderbetreuung an, was vor allem für Frauen wichtig ist, die noch keinen Kita-Platz für ihre Kinder haben. Tür an Tür werden hier maximal acht Kinder vormittags von examinierten Tagesmüttern und Freiwilligen betreut. Das DZIF konnte deshalb in den Vorjahren sehr erfolgreiche Zahlen aufweisen. Zudem ist es Anlaufstelle für viele Fragen ausländischer Mitbewohner, sei es beim Formulare ausfüllen oder der Bewerbung für einen KiTa-Platz. Wollersheim ist froh, dass sich ein neuer Vorstand gefunden hat. „Die Drei werden es super meistern.“ - til

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