Fledermäuse übertragen Covid-19-Virus nicht

Dorfen: Fledermausschutz in Corona-Zeiten

Dorfen: Fledermausschutz in Corona-Zeiten
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Viele Gerüchte ranken sich um die Fledermaus

Dorfen – Für Ende März plante die LBV Ortsgruppe gemeinsam mit der Stadt und der örtlichen Fledermausgruppe einen in Dorfen neu angelegten „Nachtschwärmergarten“ der Öffentlichkeit vorzustellen. Dies musste aufgrund der Coronakrise vorerst ausfallen.

 In der kleinen Parzelle, die die Ortsgruppe von der Stadt zur Verfügung bekam, wurden schwerpunktmäßig nachtblühende Sträucher und Bäume gepflanzt wie Geißblatt, Schlehe, Schwarzer Hollunder und Wildrosen, um Schwärmer und Nachtfalter anzulocken. Diese nachtaktiven Insekten sind für die Bestäubung einer Vielzahl von Wildpflanzen unentbehrlich und dienen zugleich den Fledermäusen als überlebenswichtige Nahrung. 

Sicherlich werden sich in diesen Zeiten viele Bürger fragen, wieso ausgerechnet Fledermäuse einen besonderen Schutz verdienen, da sie doch als Überträger von Infektionskrankheiten im Verdacht stehen. Vieles ist hier noch ungeklärt, aber es gilt als ausgeschlossen, dass hierzulande Fledermäuse mit dem Erreger Sars-Cov-2 infiziert sind. Damit ist auch die Angst vor einer Übertragung auf den Menschen unbegründet. Trotz aller Bedenken, Fledermäuse sind wie Vögel absolut lebensnotwendig, sowohl im Naturhaushalt als auch für uns Menschen. Sie regulieren die Bestände von Schadinsekten und ganz wesentlich die Verbreitung von Stechmücken und Schnaken, die uns das Leben unerträglich machen könnten. Wer die Folgen des Klimawandels ernst nimmt, wird Fledermäuse besonders schätzen. Schließlich werden sogenannte tropische Mücken inzwischen auch bei uns immer häufiger, darunter die Asiatische Tigermücke oder auch die Malaria übertragende Anopheles-Mücke. Eine Zwergfledermaus vertilgt zwischen 600 und tausend Mücken pro Nacht. Größere Exemplare wie der Große Abendsegler verzehren im Laufe eines Sommers zirka eine Million Mücken und Fliegen. Beide Arten sind übrigens zurzeit in der Dämmerung über dem Dorfener Rückhaltebecken gut zu beobachten. Aber nicht nur Mücken können uns das Leben schwer machen. Tagsüber fressen Vögel Parasiten und Schädlinge, wie Zecken und Borkenkäfer, nachts kümmern sich Fledermäuse um unsere geflügelten Schädlinge, wie Spinner (Nachtfalter). So helfen Fledermäuse und Vögel die Mengenverhältnisse in der Welt der Klein- und Kleinsttiere auszubalancieren. Dies gelingt aber nur, solange die notwendigen Arten noch in ausreichender Menge existieren. Leider stehen alle 25 heimischen Fledermausarten auf der Roten Liste und 4 davon sind vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Inzwischen weisen immer mehr Wissenschaftler daraufhin, dass die Ausbreitung des Corona-Virus auch Folge eines massiv gestörten Naturhaushaltes ist. Die Zerstörung der Lebensräume beschleunigt nicht nur die Zunahme von gefährlichen Mücken und ähnlichen Plagegeistern, sondern auch die Ausbreitung von unerwünschten Viren und anderen Mikroben. Für den Schutz der Fledermaus gibt es also gute Gründe. Möglich ist der Arten- und Bestandserhalt aber nur in einer naturnah und gut strukturierten Landschaft. Viel können hier die Landwirte beitragen und selbstverständlich auch die Gartenbesitzer. Mit heimischem Saat- und Pflanzgut, ohne Chemie und mit weniger Dünger bewirtschaftet, bilden gärtnerische Flächen einen Verbund von artenreichen Lebensräumen zusammen mit den Hecken und Wäldern der Umgebung. Auch mehr wildes Grün sollten wir wieder zulassen. Vielleicht können wir dann die selten gewordene, aber in Dorfen nachgewiesene Kleine Bartfledermaus wieder öfter im kunstvollen Flug zwischen den Sträuchern jagen sehen. Franz Leutner

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