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Ein Vorbild für viele

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Brustbild eines jungen Mannes in Tracht mit leerem Weißbierglas vor sich
Hunderte verabschiedeten den sehr beliebten Florian Hörl auf seinem letzten Weg. © Pirvat

Mit nur 24 Jahren starb Florian „Hörle“ Hörl aus Hohenpolding bei einem tragischen Unfall.

Hohenpolding – „Ein Stückchen Herz von uns allen hast du mitgenommen, dass sich dort oben zu einem großen Ganzen zusammenfügt“, sagte Vitus Hörl über seinen Bruder Florian Hörl, den er mit seiner Familie und unter gewaltiger Anteilnahme vergangene Woche beerdigen musste.

Unzählige Trauernde kamen nach Hohenpolding, um sich von dem 24-Jährigen, der Mitte November bei einem Autounfall verstorben war, zu verabschieden. Nur 100 konnten in der Kirche Platz finden, der Großteil umreihte im Freien den Gottesdienst, auf den beiden Friedhöfen, der Kirchentreppe, Straßen und Parkplätzen. „So etwas hat Hohenpolding noch nie gesehen“, sagte Pfarrer Jacek Jamiolkowski zu den Eltern Roswitha und Robert, den Geschwistern Vitus, Mia, Valentin und Ferdinand, zu Laura, zu Martin, zu Marion, den Freunden, Arbeitskollegen und Vereinskameraden.

Erst 24 Jahre ist es her, dass Florian in Landshut zur Welt kam. Zuerst lebte er in Wicheling, dann in Hohenpolding. „Mein Hopo, mit de besten Leid“, wie er später immer gesagt hat. Während der Schulzeit als Lausbub bekannt, entwickelte er gegen Ende der Realschule seinen Ehrgeiz, legte einen beachtlichen Notensprung hin und brachte eindrucksvolle Leistungen in seinem zu kurzen beruflichen Werdegang. Zwei Ausbildungen durchlief er in fünf Jahren. Als Straßenwärter schloss er mit dem viertbesten Ergebnis Bayerns ab. Wissbegierig entschied er sich anschließend für eine Maurerlehre. Als Innungsbester mit einer 1,0 konnte er an einer Begabtenförderung teilnehmen, berufen für das Traditionshandwerk nahm er es mit in seine Freizeit und suchte sich erst im vergangenen September mit der Meisterschule die nächste Herausforderung.

„Das hat er nur für sich gemacht, nicht um anderen etwas zu beweisen. Zertifikate hingen bei ihm nicht an der Wand“, erzählt seine Freundin Laura über seinen Antrieb. Dennoch war er ein Vorbild für seine vier Geschwister. Als Lkw-Fahrer war er auf dem Bau und bei der Hohenpoldinger Feuerwehr gleichermaßen gefragt, dort brachte er sich als Schriftführer ein und wäre in kommenden Einsätzen Gruppenführer gewesen.

Torwart und „Kartensammler“ war „Hörle“ beim Fußballverein Hohenpolding, Gründungsmitglied beim Burschenverein seines Dorfes: „Man hat ihn überall brauchen können“ denkt sein Vater Robert an ihn zurück. Vor eineinhalb Jahren hatte er seine Laura für sich gewonnen, seither war das junge Paar ein Team, eine Einheit. „Bekannt und beliebt war Florian, ohne sich irgendwo aufzudrängen. Vorurteilsfrei hat er immer im Moment gelebt“, sagt sie über ihn.

In nur einem Moment, am 19. November, wurde Florian bei einem tragischen Verkehrsunfall kurz vor Hohenpolding aus dem Leben gerissen. Die Hohenpoldinger Feuerwehr war als erstes vor Ort, konnte ihrem verunglückten Kameraden aber nicht mehr helfen. Noch am selben Abend erleuchteten an die 200 Kerzen die Unfallstelle. Die mehrstündige Trauerfeier wurde nach Äußerungen von Florian, der in den vergangenen Jahren mehrere sehr gute Freunde und erst kürzlich einen Arbeitskollegen verloren hatte, gestaltet. Tracht wurde statt Trauerkleidung getragen, zeitgenössische Musik am Urnengrab gespielt. Für jede kleine Geste, jedes Wort, jede Umarmung und jede Träne möchten die Angehörigen hier noch einmal ihren Dank ausdrücken.

Fabian Holzner

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