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Erdings Zwangsarbeiter in digitaler Datenbank erfasst

Erdings Zwangsarbeiter in digitaler Datenbank erfasst
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Historiker Giulio Salvati forschte zur Zwangsarbeit im Rahmen der Ausstellung für das Museum Erding „Erding 1945 – wessen Heimat?“

Erding - Am 1. Mai, dem 75. Jahrestag der Befreiung Erdings, geht eine neue Datenbank online, die die Zwangsarbeiter des Landkreises zwischen 1939 und 1945 erfasst. Das Portal macht die Rolle der Zwangsarbeit für die lokale Wirtschaft sichtbar und bietet Nachkommen erste Anhaltspunkte, ihre Familiengeschichte zu erforschen.

Am 1. Mai 2020 stellt der Erdinger Historiker Giulio Salvati auf dem Internetportal www.erding-geschichte.de eine neue Datenbank mit Namen, Arbeitgebern und Einsatzorten von etwa 4.000 ausländischen Zivil- und ZwangsarbeiterInnen vor, die zwischen 1939 und 1945 im Landkreis Erding gelebt und gearbeitet haben. In Kooperation mit dem Museum Erding digitalisierten Salvati und neun freiwillige Helfer alle auffindbaren “Arbeitskarten” des damaligen Arbeitsamt Freisings, Außenstelle Erding, aus dem Staatsarchiv München. Diese Karten enthalten in erster Linie Informationen zur Biographie der ZwangsarbeiterInnen und sollen zur Erinnerung und Aufarbeitung des geschehenen Unrechts beitragen. Viele der ausländischen Frauen, Männer und Kinder mussten unter Zwang ihre Heimat verlassen, erduldeten mancherorts Repression, Unterdrückung sowie Gewalt und finden trotzdem bis heute in keinem Denkmal des Landkreises Erwähnung. Auf der anderen Seite haben viele Bauern und Unternehmer von ihnen profitiert – unabhängig davon, ob sie der Ideologie freundlich oder feindlich eingestellt waren, ob sie nur die Produktion aufrechterhalten wollten oder aus Überzeugung gehandelt haben. So verfolgt die Datenbank auch den Zweck, die Rolle der Zwangsarbeit für die lokale Wirtschaft sichtbar zu machen. Außerdem finden betroffene Menschen und deren Nachkommen mit der Datenbank Anhaltspunkte, um sich mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen zu können, ganz gleich ob aus dem Erdinger Landkreis oder aus dem Ausland. Zu diesem Zweck wird die Datenbank auch weiter ausgebaut, sobald eine weitere Finanzierung gesichert ist, denn noch steht die Erfassung von etwa 4.000 weiteren Dokumenten aus. Die Veröffentlichung der Datenbank erweitert die Familienforschung in Erding, die nun erstmals das Kapitel Zwangsarbeit während der NS-Zeit im Landkreis sichtbar macht und diesbezüglich eine offene Diskussionskultur fördern möchte. Damit steht Erding nicht allein dar, etliche Initiativen im Umland wie in Moosburg, Mühldorf, Dorfen und Wasserburg haben sich der Aufarbeitung bislang vergessener NS-Verbrechen gewidmet. Die Veröffentlichung am 01. Mai 2020 ist nicht zufällig gewählt: an diesem Tag erreichten US-Truppen die Stadt Erding vor genau 75 Jahren, als sie im Landkreis tausende Menschen befreiten. Zusätzliche Informationen zum Projekt unter www.erding-geschichte.de

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