Interview

Franz Breiteneicher seit 20 Jahren erfolgreicher Geschäftsführer der RWG Erdinger Land

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Franz Breiteneicher hat viel bewegt, worauf er stolz sein kann.

Franz Breiteneicher, Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land, hat Visionen und kann motivieren, das hat Franz Breiteneicher in den vergangenen 20 Jahren mehrfach wieder bewiesen: Ein Interview:

Herr Breiteneicher, 20 Jahre Geschäftsführer der RWG Erdinger Land, wie war‘s? 

Schön ist es, weil man so viel mit Menschen zu tun hat. Ich sehe den Menschen als wichtigsten Baustein in der Firma. Wie äußert sich das? Wir haben rund 150 Mitarbeiter, davon zwölf Azubis. Ich kenne alle per Namen, bei uns gibt es keine Personalnummern. Wir haben eine flache Hierarchie, jeder Mitarbeiter kann jederzeit zu mir kommen. Ich habe für jeden ein offenes Ohr.

Sie verstehen es, Ihre Mitarbeiter zu motivieren. 

Das ist mir wichtig. Bei uns zahlt sich Engagement aus. Seit zwölf Jahren sind alle Mitarbeiter am Unternehmensgewinn beteiligt. Dazu legen wir die Bilanz offen. Das trägt sicherlich dazu bei, dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. Wir waren einer der ersten Betriebe, die das gemacht haben. Unsere vielen langjährigen Mitarbeiter bestätigen uns hier. Alle zwei Wochen kommt eine Masseurin in unsere Filialen von Aham bis Walpertskirchen, die unsere Mitarbeiter massiert. Das wird sehr gut angenommen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns wichtig. Sie dürfen auch bis zu 200 Euro für Fitness-Studios oder Rückenschulungen im Jahr ausgeben. Außerdem veranstalten wir ein Sommerfest, bei dem unsere Mitarbeiter auch ihre Kinder mitbringen dürfen. Gefeiert wird es in Gasthäusern, die alle bei uns Kunden sind. Auch eine klassische Weihnachtsfeier gibt es. Sie haben viele Visionen umgesetzt. Ja (lächelt), wir haben 2003 als Erste die Frauen-Power-Abende eingeführt. 2005, als es mit den Ölpreisen losgegangen ist, haben wir Raps als Treibstoff angeboten. Bis es der Staat besteuert hat. Windräder für den landwirtschaftlichen Bedarf haben wir 2010 ins Sortiment aufgenommen, dann hat uns der Staat mit der Abstandsregelgung wieder einen Prügel zwischen die Füße geschmissen. Vor acht Jahren haben wir mit unserem Webshop begonnen und auch entsprechend Lehrgeld bezahlt. Während Corona ist er sehr gut gelaufen. Nur: Unser Shop ist einfach zu klein für das Einzugsgebiet der RWG. Wir wollen ihn auf alle Fälle beibehalten. Denn viele informieren sich vor allem sonntags, wenn die Leute Zeit haben, über unser Angebot.

Verraten Sie uns ein bisschen über Ihren Werdegang? 

Gerne, ich stamme aus der Landwirtschaft, bin in Zieglgrub aufgewachsen, habe Groß- und Außenhandelskaufmann bei der BayWa Velden gelernt. Dann bin ich zur Raiffeisen Velden und 1988 zum Raiffeisen-Lagerhaus Taufkirchen gewechselt, das damals noch selbständig war. Von 1995 bis 1999 war ich bei einem Baustoffhändler in Landshut. Im September 2000 bin ich wieder nach Taufkirchen zurück. Dort hatte ich vier Monate Zeit, aus acht selbständigen Lagerhäusern (Abteilungen der jeweiligen Genossenschaftsbanken) alle zu einer Firma zu formen mit dem Hauptsitz in Taufkirchen.

Waren die begeistert? 

Dazu waren viel Überzeugungsarbeit und Personalgespräche nötig von der Früh bis auf‘d Nacht, bei Aufklärungsarbeit und Veranstaltungen. Unter 60 Stunden in der Woche ist nichts gegangen. Aber ich habe immer viel gearbeitet. Aus den acht Bank-Wettbewerbern sind heute noch drei Gesellschafter übrig. Die RWG hat Ihre Position am Markt gefunden – über die Jahre auf aktuell 13 Betriebe durch verschiedenste Zusammenschlüsse, Standortbereinigungen und auch durch neue Standorte gestärkt.

Wie sehen Sie diesen Schritt im Nachhinein? 

Es war gut so, dass dieser Schritt gekommen ist. Denn man sieht heute, was aus uns geworden ist. Der Weg ist damals einfach auseinander gegangen, die Banken haben sich spezialisiert und wir auch. Wir haben in diesen 20 Jahren ungefähr 60 Auszubildende, viele mit Einser-Abschlüssen. Das macht einen schon stolz, wenn man mit ihnen nach München zur Zeugnisübergabe fährt. Unser Umsatz lag letztes Jahr bei rund 100 Millionen Euro. Das die Firma so gut da steht, hängt auch von den Mitarbeitern ab, die es mittragen, nur so kann es funktionieren.

Wie haben Sie Corona gemeistert? 

Man muss Verantwortung zeigen. Wir haben im Zweischichtbetrieb gearbeitet und mussten auch Ausfälle bei den Filialen meistern. Hut ab vor meinen Mitarbeitern. Ich war für alle immer 24 Stunden lang via Whatsapp erreichbar. Das hat viel Kraft gekostet.

Und wie motivieren Sie sich?

Ich sehe meine Arbeit eher als Berufung denn als Beruf, dann geht man mit einer ganz anderen Einstellung daran. Ich bin jetzt 59 Jahre alt, man muss wissen, wann man aufhört. Es gibt auch andere schöne Dinge. Ich kann beruhigt früher in den Ruhestand gehen.

Was macht Franz Breiteneicher privat eigentlich? 

Ich habe zwei erwachsene Söhne. Meine Leidenschaft ist Segeln. Es ist ein Traum mit dem Boot draußen am Chiemsee die Berg-Landschaft zu erleben. Und ich habe 2010 und 2011 die tolle Erfahrung machen dürfen, bei einem Bergbauern in Südtirol mitzuarbeiten. Das möchte ich nicht missen. Da konnte ich Kraft tanken. Vielleicht mache ich das nochmal. Denn dort kann man das Leben genießen.

Was hat sich über die Jahre geändert? 

Es muss alles schneller gehen, die Kunden sind informierter als früher. Vor 20 Jahren hatten die Landwirte noch Zeit für einen Ratsch an der Theke.

Wie sehen Sie die Zukunft? 

Man muss flexibel und schnell reagieren auf den Wandel der Zeit. Wir haben einen Strategie-Workshop mit unseren Nachwuchskräften bis 35 Jahre. Sie haben ihre Köpfe voller Ideen, aber das ist noch streng geheim.

Das Interview führte Birgit M. Lang

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