Klimaschutz geht alle an

Fridays for Future jetzt auch in Dorfen

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Lea Thalmier, Emma Wiegl und Paula Hutner mit Gerry Forstmaier hoffen auf möglichst viele Teilnehmer.

Dorfen – Überlegungen gab es schon viele, bis dato fand aber noch kein Klimastreik in Dorfen statt. Das ändert sich jetzt: Am Freitag, 20. September, fordern Schüler und Erwachsene aus Dorfen und Umgebung gemeinsam auf, beim weltweiten Streik zur Aktionswoche für das Klima teilzunehmen. Dann heißt es erstmals auch in Dorfen: „Fridays for Future“. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Friedhofsparkplatz, um 10.15 Uhr ist Demo in der Innenstadt und um 11 Uhr eine Kundgebung am Rathausplatz mit vier Rednern. 

Das 30-köpfige Organisationsteam, bestehend aus Schülern und Erwachsenen, hat sich alle 14 Tage, sogar in den Ferien getroffen, um alles zu koordinieren, demokratisch zu besprechen und die Aufgaben zu verteilen. Viel haben die Schüler dabei gelernt, angefangen von Rechtsfragen zum Streik bis hin zur Technik für die Kundgebung. Unterstützt und veranstaltet wird der Klimastreik von folgenden Gruppen und Organisationen: Evangelische Jugend, OAT, DUKA, GEW Kreisverband Erding, Agenda 21, Bund Naturschutz, Forum Links, AG International und Energiewendekreis Erding, dessen 1. Stellvertreter Gerry Forstmaier ist. Der Dorfener Landschaftsarchitekt, Stadtrat (Grüne) und Umweltreferent hat zusammen mit den Gymnasiasten Emma Wiegl, Paula Hutner und Lea Thalmeier zum Pressegespräch eingeladen, um über die Hintergründe des Streiks zu informieren. Auch Forstmaier hatte seine Parteigenossen schon gefragt, wie es mit einem Klimastreik wäre, erfuhr dann, dass es von der AG International schon Anstrengungen gebe. Also sei man an die Schüler herangetreten und sofort auf „Riesen-Interesse“ gestoßen. 

Besagter 20. September sei kein normaler Fridays-for-Future-Schülerstreik, sondern ein weltweiter Aufruf an alle, sich aktiv am Klimastreik zu beteiligen. Deshalb soll man auch im Freundes- und Bekanntenkreis für die Teilnahme werben. Bewusst wolle man die Demo unpolitisch halten. Die 16-jährige Paula betont: „Ich finde es wichtig, dass unsere Welt so schön bleibt und unsere Kinder sie auch noch so erleben können. Wir haben in unserer Geschichte ja schon mitbekommen, was passiert, wenn man nichts tut, nur zuschaut.“ Auch Ella meint: „Man ändert halt nichts, wenn man nichts macht.“ Für die 14-jährige Lea Thalmeier, Administratorin der Orga-Whatsapp-Gruppe, ist klar, dass sie zur Demo mit dem Fahrrad fährt und sich nicht im SUV chauffieren lässt, wie es Kritiker den Schülern gerne vorwerfen. Sie findet den Vergleich mit dem Frosch für alle Zweifler sehr anschaulich. „Wenn man ihn in ein Gefäß mit kochendem Wasser setzt, springt er raus. Wenn man ihn in kühles Wasser setzt und es langsam erhitzt, bleibt er drinnen sitzen, bis er stirbt“, erzählt Forstmaier. So sei es auch beim Klimawandel. „Viele Veränderungen beginnen schleichend und jeder von uns fühlt sich in gewisser Sicherheit, warum sollte er was ändern. Wir sollten aber schlauer sein als der Frosch.“ Deshalb fordert der Umweltreferent den 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energien. Denn die Menschheit verbrauche alle Ressourcen. Das Erdölvorkommen reiche noch etwa 40 Jahre, Erdgas rund 60 Jahre und Kohle circa 170 Jahre. Selbst, wenn man auf Atomenergie umsteige, wären die Uranvorkommen in 30 Jahren aufgebraucht. „Deshalb sollten wir für unser Klima und unseren Lebensraum möglichst rasch und freiwillig auf erneuerbare Energien umsteigen, sonst sind wir bald zum Umstieg gezwungen.“

Forstmaier weiß, dass dieser Umstieg eine Mammutaufgabe ist, aber er erinnert an das Waldsterben oder das Ozonloch, dass man durch technische Innovationen in den Griff bekommen und die deutsche Industrie durch ihre Innovationen davon profitiert habe. Auch jetzt könne man von Neuerungen profitieren, nur seien größere Änderungen nötig. Davor brauche man aber keine Angst zu haben, denn sie könnten eine lebenswertere Zukunft bedeuten. Würde man die Erderwärmung bis 2050 nur auf drei Grad vorgeben, wie es die Bundesregierung vorschlägt, wären extreme Dürren, noch nie da gewesene Stürme und Hurrikans sowie extreme Überschwemmungen die Folge, warnt der Experte. Das der Menschheit verbleibende Zeitfenster sei klein, die nächsten zehn Jahre entscheidend. „Wir müssen bei unserem persönlichen Lebensstil ansetzen“, was wohl das Schwerste sei: Energiesparen am Haus, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Fleischkonsum- und Flugfernreisen reduzieren. Zudem müssten technische Entwicklungen, wie Speichertechnologien vorangebracht werden. Und wir sollten politisch aktiv werden, um die Vorgaben auf internationaler bis kommunaler Ebene im Sinne des Klimaschutzes auszuarbeiten. Forstmaier will deswegen auch die kommunalen Politiker wachrütteln. Der Stadtrat habe beschlossen, Dorfen soll bis 2035 klimaneutral sein. Dafür müsse zügig gehandelt werden. Zum Streik in Dorfen würde er gerne auch die Nachbarbürgermeister und den Landrat begrüßen. Und vom Engagement so vieler, erhofft er sich neue Impulse für den Klimaschutz.  - til

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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