Ausbildung in Zeiten von Corona

Gemeinsames Azubi-Portal für Dorfen und Taufkirchen

Stefan Tremmel, Vorsitzender Förderkreis Dorfen, Co-Werkerei-Gründerin Helga Schuler, Christian Grimm und Christa Scholz, 2. und 1. Vorsitzender Gewerbeverein Taufkirchen (v.l.) fanden schnell eine gemeinsame Basis.
+
Stefan Tremmel, Vorsitzender Förderkreis Dorfen, Co-Werkerei-Gründerin Helga Schuler, Christian Grimm und Christa Scholz, 2. und 1. Vorsitzender Gewerbeverein Taufkirchen (v.l.) fanden schnell eine gemeinsame Basis.

Die Jugendlichen sollen eine Möglichkeit bekommen, Ausbildungsstellen und Praktikumsplätze zu finden.

Dorfen – Corona macht die Suche nach Lehrstellen und Auszubildenden noch schwerer und zwar für beide Seiten. Das hat die 46-jährige Dorfenerin Helga Schuller erkannt. Sie möchte ihr großes Netzwerk nutzen, um Abhilfe zu schaffen. Dafür konnte sie schnell die ersten Mitstreiter über die Gemeindegrenzen hinaus gewinnen.

Die Jugendlichen sollen eine Möglichkeit bekommen, Ausbildungsstellen und Praktikumsplätze zu finden. Gleichzeitig würden Betriebe eine Plattform für die Meldung freier Lehrstellen erhalten, die über Gemeindegrenzen hinausgeht, stellte sie sich vor. Deshalb hat die Innenarchitektin über Facebook an die Betriebe in Dorfen und Taufkirchen appelliert, ihre offenen Ausbildungs- und Praktikumsstellen zu veröffentlichen. Das Feedback war sehr gut.

Auch Christian Grimm, 2. Vorsitzender des Gewerbevereins Taufkirchen aktiv, antwortete ihr. Die Taufkirchener Betriebe würden bereits seit Ende September 2020 auf eine solch hervorragende Möglichkeit zurückgreifen können, erzählte er ihr. Das veranlasste Schuller, Grimm, Christa Scholz, die 1. Vorsitzende des Taufkirchener Gewerbevereins, und Stefan Tremmel, Chef des Förderkreises Dorfen, zu einem Gespräch in den von ihr gegründeten Cowerking Space in Dorfen einzuladen.

Schuller erklärte, dass sich viele Jugendlichen der 8. bis 10. Klassen im Findungsprozess befänden und noch „völlig in der Luft hängen würden wegen Corona“. Denn durch die Pandemie-Beschränkungen könnten sie oft keine Schnuppertage und Praktika absolvieren, um sich über ihren Berufswunsch klarer zu werden. Viele wüssten auch nicht, welches Unternehmen welche Berufe ausbilde. Das ganze Fiasko werde noch verschlimmert, weil ihnen wochenlang Kontakte nach außen verwehrt wurden, so die Dorfenerin.

Friseurmeisterin Christa

Scholz gab ihr Recht. Sie konnte aufgrund von Corona in den vergangenen Monaten keine (Schnupper-)Lehrlinge annehmen, obwohl es Interessenten gegeben habe. „Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Jugendlichen weiter auf die Schule gehen, wenn sie nicht arbeiten dürfen. Irgendwann gibt es dann kein Fachpersonal mehr“, befürchtet die Geschäftsfrau.

Hand in Hand arbeiten

Um dies zu verhindern, habe der Gewerbeverein Taufkirchen im September eigens die Website www.taufkirchen-
bildet-aus.de erstellt und mit einer doppelseitigen Anzeige im Gemeindeblatt „Kompass“, zwei großen Werbebannern an den Ortseingängen und einem Banner am Taufkirchener Busbahnhof auf die Aktion „Ausbildung dahoam“ aufmerksam gemacht. „Auf der Seite sind alle verfügbaren Ausbildungsberufe und -betriebe von Mitgliedsunternehmen des Gewerbevereins aufgelistet.“ Um diese Arbeit weiterzuführen, sei es wichtig „Hand in Hand“ zu arbeiten, gerne auch mit weiteren Gewerbevereinen in der Umgebung, betonte sie.

Stefan Tremmel pflichtete ihr bei, schließlich habe man die gleichen Probleme. „Mich würde es sehr freuen, wenn wir was zusammen machen könnten“, sagte er und erklärte, dass er gerne und regelmäßig Dauer-Praktikanten von der FOS beschäftige.

Portale mit Ausbildungsstellen

Schnell einigt man sich darauf, die bestehende Seite „www.taufkirchen-bildet-aus.de” um ein Dorfener Pendant „www.dorfen-bildet-aus.de“ zu erweitern. Die Ausbildungsstellen wären auf allen Portalen gleichermaßen zu finden. Vorerst soll das Angebot auf die Mitglieder der jeweiligen Gewerbevereine beziehungsweise Förderkreise beschränkt sein.
Schuller regte noch weitere Aktionen an, wie Online-Vorstellungen der Betriebe oder gemeinsame Vorträge, die im Coworking Space stattfinden könnten. Außerdem möchte sie weitere Gemeinden in dieses Thema einbinden. „Ob Sankt Wolfgang, Haag, Velden, Dorfen oder Taufkirchen: in dieser Zeit müssen wir doch alle zusammenarbeiten, das kommt nicht nur den Jugendlichen zugute“, sagt die Netzwerkerin.
Scholz schlug noch vor, die Schulen mit ins Boot zu holen, die ja momentan ihre Ausbildungsmessen nicht anbieten könnten. Und Tremmel hielt es sogar für wichtig, alle auf der Plattform mitnehmen zu können. Schließlich gehe es auch darum, den Jugendlichen zu zeigen, was vor Ort alles angeboten werde und man nicht unbedingt den Landkreis verlassen müsse, um seinen Traumberuf zu erlernen.
Auch das Dorfener Portal ist mittlerweile online und offene Ausbildungsstellen können gemeldet werden an hallo@die-cowerker.de oder info@taufkirchen-aktiv.de. - til

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare