Sympathische Chefin

Geschichten aus dem Reichertsheimer Edekaladen

Rosemarie Radlmair
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Rosemarie Radlmair

Jubilarin blickt auf ein aktives Leben zurück

Reichertsheim – Immer wieder interessante Anekdoten und Geschichten erfährt man beim Reichertsheimer Edekaladen, dem „Bäck ‚z Reischam“ gegenüber der Kirche. So gab die überaus muntere Seniorchefin Rosemarie Radlmair anlässlich ihres 80. Geburtstags zu, einmal schüchtern gewesen zu sein.

Doch den offenen Umgang mit den Kunden habe sie lernen können, berichtet sie, und überhaupt sei sie nach ihrem Zuzug von Thann in Rattenkirchen hierhin sehr gut aufgenommen worden. Denn der Kramerladen, den es bereits seit den 1880er Jahren gibt, suchte eine Hilfe, dafür bewarb sie sich 1959. Durch ihre direkte Art, und dass sie aufgrund der Landwirtschaft daheim „wusste, von was die reden“, sei es ihr leicht gefallen, Anschluss zu finden. Doch eigentlich hätte sie nach einer schönen Kindheit, an die sie heute noch gerne denkt, etwas anderes machen wollen, nämlich Lehrerin, „oder was mit Reisen“. Stets war sie in der Schule interessiert, vor allem an Geschichte und Mathematik. Sogar der Kirchenbesuch war spannend, die Lesungen „sind ja ein Stück Geschichte“.

Die Eltern Gabriele und Isidor Deisenböck haben ihre drei Kinder dabei unterstützt, wo es ging und stets geholfen, wenn auch die Feldarbeit vorging: „Essen steht im Rohr, komm bitte aufs Feld“, stand es nach der Schule auf dem Zettel auf dem Küchentisch. An den guten Noten hatten auch fortschrittliche Lehrer einen Anteil, die vermittelten mehr Wissen als im Lehrplan vorgesehen war. Für eine höhere Schule blieb damals aber nur die Fahrt in die nächste Stadt oder der Wechsel ins Internat. Fürs Erste fehlte der Bus, fürs Zweite das Geld, denn daheim war Sparsamkeit wichtig.

Die Arbeit im Kramerladen zu Reischam, wie Reichertsheim auch genannt wird, hätte nur „vorerst“ sein sollen, erinnert sich Rosemarie Radlmair, doch hier lernte sie den Inhaber Thomas besser kennen. Sie verliebten sich und heirateten 1966. Der Laden war von nun an ihr Leben. Er buk Semmeln und Brezn mit Leib und Seele, sie wusste, welche Produkte die Kundschaft erwartete und auch dass die Kommunikation eine Rolle spielt, denn der Ausspruch, „das hab‘ ich beim Bäck erfahren“, unterstreicht die zusätzliche Funktion des Ladens als Nachrichtenumschlagplatz.

Drei Kinder kamen zur Welt, Filialen sind eröffnet worden, die knappe Freizeit verbrachten beide mit Radfahren, wandern, tanzen und schwimmen. Ein Tiefpunkt war jedoch der frühe Tod der Tochter 1991 bei einem Verkehrsunfall. Das Geschäft haben beide gut vorangebracht und voriges Jahr an Sohn Thomas und dessen Frau Sabine übergeben; sie führt es heute maßgeblich. Rosemarie Radlmair hilft immer noch gerne. Die Geburtstagsfeier, zu der mittlerweile noch zwei Enkel zählen, fand im kleinen Rahmen statt. - kg

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