Kultur-Tipp

Das Heimatkundliche Gemeindearchiv Taufkirchen bietet viele Schätze

+
Konrad Karbaumer, Hermann Hoffmann und Tobias Karbaumer haben ein historisches Schmuckkästchen aus dem Gemeindearchiv geschaffen, davon überzeugte sich auch Bürgermeister Stefan Haberl  (v.l.).

Taufkirchen – Seit 1. Februar ist der 28-Jährige Tobias Karbaumer der Archivpfleger des Heimatkundlichen Gemeindearchivs (HGA) Taufkirchen. Jetzt stellte er die neu eingerichteten Räume in der Reckenbacher Straße Bürgermeister Stefan Haberl vor. Bei der Neugestaltung unterstützten ihn sein Vater Konrad, langjähriger Verwaltungsleiter der Gemeinde, und Hermann Hoffmann, ehemaliger Bankfilialleiter. Die Drei vereint eine unglaubliche Liebe zu ihrer Heimat und eine Leidenschaft, alles, was damit zu tun hat, zu erhalten und für spätere Generationen aufzubewahren. In dieser kurzen Zeit ordneten sie nicht nur das Gemeindearchiv neu, sie präsentieren rund 800 der insgesamt 1300 vorhandenen Exponate nun auch sehr anschaulich in 13 Vitrinenschränken und 20 Regalen, die sie aus den Beständen der Mittelschule erhielten. 

Ursprünglich wollten sie die Gegenstände nur neu deponieren, erklärt Tobias Karbaumer. Aber es waren so viele einmalige Schätze darunter, dass sie diese der Öffentlichkeit zugänglich machen wollten. So wurde nicht nur aufgeräumt, viel geputzt und gewaschen“, sondern die interessanten Stücke aus Handwerk, Handel, Haushalt, Religiöses oder von Vereinen nach Themen zusammengefasst. Auf der gut 170 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche plus 50 Quadratmeter Büroräume neben dem Taufkirchener Jugendzentrum kann man nun unterschiedlichste historische Aspekte der Taufkirchener Geschichten bestaunen. Fast schon wie bei einem Wimmelbild gibt es hier Fossilien, Fotos und Fakten zu entdecken, vom 150 Jahre alten ledernen Feuerwehr-Löscheimern, Essgeschirr aus Kriegsjahren über eine selbst gebastelte Mausefalle bis hin zur originalgetreuen Ausstattung des Baders und Zahnarztes Pfeiffer, eine Leihgabe von Vize-Bürgermeister Christoph Puschmann, ebenfalls Zahnarzt. 

Die Basis der Ausstellung stammt vom früheren Gemeindearchivar Ludwig Tafelmayer, der ab 1981 alles Erdenkliche gesammelt und archiviert hat. Dafür wurde er 2006 von Alt-Bürgermeister Franz Hofstetter mit der Bürgermedaille geehrt. „Ohne diesen Grundstock gebe es das alles nicht“, sagt Konrad Karbaumer. Auch Tafelmayers legendäre fast 700 Ausstellungstafeln aus der ursprünglichen Dauerausstellung im alten Rathaus finden sich hier in fünf Kartenschränken wieder. Das Herzstück des HGA sei sein Dokumenten-Archiv mit 950 Themenordnern, die Tafelmayer auch mit Inhalten der Nachbargemeinden gefüllt hat. Ein weiterer unglaublicher Schatz stammt von Josef Heilmeier. Er hat in 70 Ordnern eine Ortschronik mit umfangreichem Bildmaterial zusammengetragen, viele stammen aus seiner Tätigkeit als jahrelanger Reporter. Seine Nachkommen haben sie der Gemeinde zur Verfügung gestellt, wie dies auch viele anderen mit den Ausstellungsstücken getan haben. Desweiteren gibt es 88 VHS-Kassetten und DVDs von Andreas Unterreitmeier sowie von Hubert Kemper und Heinz Lang. Auch ein Schularchiv mit über 1000 Zensurbüchern und Schülerlisten sowie unzählige Sticks mit Daten und Bildern sind vorhanden. Weitere 500 Exponate befinden sich im Depot. Alles soll digitalisiert werden, betonte Tobias Karbaumer. Die kostbarsten Exponate seien wohl die Schriftstücke der früheren Schlossherren aus dem 16. und 17. Jahrhundert im alten Gemeindetresor. Es seien Stiftsbücher, in denen die Rechte der Untertanen oder Abgabeleistungen aufgeführt seien, sagt sein Vater. Die älteste Zeitung im HGA sei ein Exemplar des Dorfener Anzeigers vom 1. Juli 1936, fügt sein Sohn an. Älteste Ausstellungsstücke seien circa 500 archäologische und geologische Bodenfunde, die in einem Glasschrank zu sehen sind. 

Der junge Archivpfleger kündigte an, dass man künftig themenbezogene oder Vergleichsausstellungen „Früher und Heute“ im Wasserschloss durchführen wolle. „Damit man sieht, wie sich die Gemeinde weiterentwickelt hat“, was er total spannend finde. Zunächst sei aber geplant an sechs Sonntagen, am 15./22./29. November, und am 6./13./20. Dezember, das HGA für Besucher zu öffnen. Wegen Corona sei dies nur in beschränkter Besucherzahl und mit entsprechendem Hygienekonzept möglich und deshalb sei eine Anmeldung notwendig unter gemeindearchiv@tfk- aussenstelle.de oder im Rathaus unter Tel. (0 80 84) 37 28. Für ihr Engagement erhielt das Trio von Bürgermeister Haberl jeweils eine Flasche Wein und einen Essensgutschein. Er war ganz begeistert und dankte ihnen, dass sie mit so viel Engagement und Herzblut das Archiv wieder hergestellt hätten und Taufkirchens Geschichte wieder der Bevölkerung zugänglich und bewusst machen möchten.   - til

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Spende für die Tanzgruppe aus Sankt Wolfgang
Spende für die Tanzgruppe aus Sankt Wolfgang
SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer ist tot
SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer ist tot
Nicht vergessen: Anmeldung ist am Samstag
Nicht vergessen: Anmeldung ist am Samstag
Erstkommunion in Wambach
Erstkommunion in Wambach

Kommentare