Ehrenamtliche Unterstützung

Hildegard Schirmbeck aus Moosen hat ein Herz für Kinder

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Hildegard Schirmbeck hat ein Herz für Kinder aus aller Welt. Seit 20 Jahren engagiert sie sich für Kinder in Indien, dabei helfen ihr Kinder aus Moosen. 

Hildegard Schirmbeck war Grundschullehrerin, hat drei Kinder, sechs Enkel und viele weitere Kinder in Indien, denen sie zur Seite steht. Auch Flüchtlingsfamilien unterstützt sie nach Kräften. Schüler, Eltern und Kollegen helfen ihr dabei, auch die Moosener Klopfer sind jetzt wieder für sie unterwegs.

Frau Schirmbeck, haben Sie ein Helfersyndrom oder können Sie nicht nein sagen? 

In meinem Leben habe ich selbst viel Hilfe erfahren, deshalb helfe ich auch gerne. Der Besuch des Gymnasiums war mir zum Beispiel nur mit Hilfe meiner Onkel und meiner Grundschullehrer möglich. Vor 20 Jahren haben sie den Verein Joidas Kinder gegründet. Wie kam es dazu? Ich war mit einer Reisegruppe in Indien. In einem Dorf besuchten wir eine kleine, neu gebaute Schule, die hatte der Reiseleiter für 2000 Markt finanziert. Da kam mir die Idee.

Was haben Sie schon alles auf die Beine gestellt, um Gelder dafür zu sammeln?

Ich habe mit Freunden und vielen Kollegen der Grundschule Moosen den Verein „Hilfe für Joidas Kinder“ (HIJOKI) gegründet. Eltern und Lehrer haben in den 90ern Sommerfeste veranstaltet und den Erlös nach Indien geschickt. Von Anfang an sind wir (Eltern, Schüler, Lehrer beim Moosner Adventsmarkt mit einem Stand dabei. Wir bieten Adventsschmuck, Basteleien, Lebkuchen an, die wir früher gemeinsam hergestellt haben. Ich traf mich mit vielen Eltern im Werk- raum der Grundschule zu einem Bastelabend. Heute bin ich für die Sachspenden dankbar, die die Eltern zuhause anfertigen. Ich habe die Schulkinder für Indien begeistert und sie ermuntert, ihre Geldgeschenke vom Klopfergehen zu spenden. Unsere Musikgruppe Irish Moos, die hauptsächlich aus ehemaligen Moosener Lehrern besteht, spielt nur für wohltätige Zwecke und spendet den Großteil der Einnahmen an HIJOKI.

Auch jetzt gehen wieder die Moosener Klopfer von Haus zu Haus. Wie muss man sich das vorstellen? 

Klopfergehen ist im Erdinger Raum eine alter Brauch. Die Kinder verkleiden sich als Bettler. Sie gehen von Haus zu Haus und bitten um eine Spende. Sie erfreuen die Leute mit dem Klopferlied und einem Gedicht, das am Schluss auch einen Segensspruch für das Haus beinhaltet. Maria Galler hat es für uns verfasst.

Wer kommt in den Genuss der Einnahmen? 

Kontrollieren Sie, ob die Gelder in Indien sinnvoll eingesetzt werden? Wir sind ein eingetragener Verein und werden regelmäßig vom Finanzamt kontrolliert. Bischof Derek Fernandes von Karwar (Karnataka/Südindien) ist unsere Kontaktperson in Indien. Wir tauschen uns regelmäßig aus. In unserer jährlichen Vereinssitzung beraten wir, wer im kommenden Jahr begünstigt werden soll. Wir haben drei Projekte: Kindergarten in Joida, Schulgeld für circa 30 Mädchen und Unterstützung von zwei alleinerziehenden Müttern mit Schulkindern. Ich habe schon viermal unsere Projekte besucht. Auch Kinder von Freunden und Bekannten haben auf ihren Indienreisen einen Abstecher nach Joida gemacht. Der freundliche „Staatsempfang“ mit Musik ist immer ein großes Erlebnis.

Als Lehrerin hat man im Ort ja eine gewisse Autorität, ist es jetzt in Pension schwieriger Helfer zu mobilisieren?

Ja, es ist schwieriger und natürlich kein Selbstläufer. Ich kenne jetzt nur noch einen kleinen Teil der Moosener Schülereltern. Das Projekt Klopfergehen übernehmen jetzt Eltern. Dafür bin ich sehr dankbar. Unser Verein hat viele Freunde, die das Indienprojekt unterstützen. Im letzten Jahr bekamen wir zum Beispiel zwei größere Geldspenden, die von Geburtstagsfeiern stammen.

Für die Helfer gibt es eine kleine Belohnung oder? 

Für die Klopferkinder habe ich mir vor vielen Jahren eine Belohnung überlegt. Es ist doch sehr anstrengend, am Abend bei Kälte oder Schmuddelwetter aufzubrechen und zu betteln. Ich habe für die Kinder ein indisches Essen gekocht mit Linsencurry, Reis, Salaten, Nachspeise. Wir haben das bei mir im Haus oder im Garten am Boden sitzend auf indische Art verspeist. Als es immer mehr Klopfer wurden, sind wir auf die Schulaula ausgewichen. In den letzten Jahren habe ich ins MooCa (Moosner Cafe im Pfarrheim, einmal monatlich) eingeladen. Dort trifft sich unser Helferkreis mit den Flüchtlingen. Klopferkinder und Flüchtlinge, das passt für mich gut zusammen. Leider ist dieses Jahr das Treffen ausgefallen, weil meine Schwester sehr krank war und ich die letzten Monate viel mit ihr verbracht habe.

Auch Asylbewerbern helfen Sie seit ein paar Jahren. 

Wir sind eine wunderbare Helfergruppe, die schon seit einigen Jahren zuverlässig zusammenarbeitet. Am Anfang (2015) habe ich in Winkl für 17 Eritreer einen Deutschkurs gemacht und mit einigen im Pfarrgarten in Moosen gearbeitet. Alle Helfer waren in den ersten Jahren der Busersatz. Die Busanbindung ist in Winkl sehr schlecht. Später, als viele der Flüchtlinge umzogen, weil sie Arbeit gefunden hatten oder suchten, wurde ich eine Bürokraft. Helfen beim Ausfüllen von Anträgen, Formularen, beim Schreiben von Bewerbungen, Lebensläufen, außerdem beim Vorstellen begleiten, Behörden um Ratenzahlung bitten ...das sind jetzt unsere Hauptaufgaben. In Winkl wohnen jetzt Nigerianer, sie dürfen weder arbeiten noch einen Deutschkurs besuchen. Das ist eine besondere Herausforderung für mich. Unsere Flüchtlingsfreunde leben jetzt in Taufkirchen, Dorfen, Erding, Hörlkofen…, da wird es schwierig mit den monatlichen MooCa-Treffen, schon wegen der Busverbindungen. Aber eine Adventsfeier ist bereits geplant.

Werden Sie da nicht manchmal schräg angeschaut?

Nein, aber ich sehe schon etwas schlecht.

Sie haben auch sechs Enkel und eine alte Tante, um die sie sich regelmäßig kümmern? 

Meine Enkel sind alle Schulkinder zwischen sechs und 17 Jahren, vier leben in Landshut und zwei in Den Haag/Holland. Das ist eine große Herausforderung für eine Oma, schon wegen der vielen, unterschiedlichen Interessen. Es gibt aber einige gemeinsame Interessen: kochen, musizieren, reisen. Meine Tante ist 87 und wohnt im Seniorenheim in Landshut. Bei ihr erlebe ich, was es heißt einsam zu sein, keine Familie zu haben, wenig Freunde, weil alle gestorben sind. Sie sind mit John Schirmbeck, einem der Kulturpreisträger des Landkreises und ehemaligen Musiklehrer verheiratet. Machen Sie auch Musik? Nicht oft, aber an Weihnachten und an Geburtstagen mit Kindern und Enkeln musizieren, das macht großen Spaß.

Mit 68 Jahren sind sie sozial engagierter denn je. Was ist Ihre Motivation?

In meinem Zimmer hängt ein Gedanke von Marc Aurel, den lese ich fast jeden Tag, dann weiß ich wo es lang geht: „Selbst möglichst geringe Bedürfnisse haben und möglichst vielen Gutes tun”.

Das hält Sie auch jung oder?

Natürlich!

Was würden Sie gerne noch machen, vor allem für sich? 

Mein langer Plan, den ich bei der Verabschiedung vom Schuldienst vorgelesen habe, ist noch lange nicht „abgearbeitet” und immer kommen neue Ideen dazu. Ganz oben auf der Liste stehen jetzt eine Fernwanderung von Marktredwitz bis Passau (Goldsteig), ein Besuch in Afrika (wahrscheinlich Äthiopien) und ein Kurs im Holzschnitzen.

Das Interview führte Birgit M. Lang

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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