Portrait über "D'Raith Schwestern und da Blaimer"

Die Alt-Hippies aus der Oberpfalz

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Andi Blaimer und die Schwestern Susanne und Tanja Raith.

Ob Musik machen, singen, texten oder Schwammerl suchen – die Raith-Schwestern machen fast alles miteinander. Der Dritte im Bund ist der Blaimer. Was bei dem Trio so alles abgeht, das verrät uns Susanne Raith.

Frau Raith, Sie machen ja schon lange Musik. Wie sind Sie dazu gekommen? 

Eigentlich singen ich und meine Schwester Tanja schon von kleinauf. Ich habe mit vier Jahren angefangen und meine Schwester war neun Jahre alt. Wir haben zusammen mit unserer Mutter schon gesungen, da waren wir bekannt als „Familiengesang Raith.“

Sie und Ihre Schwester Tanja sind bekannt als die „Raith-Schwestern.“ Wann ist der Blaimer dazugestoßen? 

Naja, der Andi Blaimer ist der Mann von meiner Schwester. Er ist Gitarrist und macht Kabarett. Kennengelernt hat Tanja den Andi, da war sie 20. Aber das hat bestimmt nochmal zehn Jahre gedauert, bis der Blaimer zu uns dazugekommen ist. Das hat sich einfach so ergeben.

Wie war das für Euch? Auf einmal zu dritt? 
Der Blaimer begleitet uns zwar musikalisch, aber im Programm spielt er eigentlich alleine. Er ist mehr der Gegenpart zu uns: Wir, die starken Frauen, und er, der sich immer gegen uns durchsetzen muss. Das ist eine schöne Abwechslung.
Wie habt Ihr Euch musikalisch entwickelt?
Früher haben wir mehr Wirtshausmusik gemacht und alte Lieder gesungen. Die letzten zwei, drei Programme sind eher Liedermacher-Programme, vom Stil her, wie auch bei „Hart, aber herzlich.“ Es ist musikalischer, wir singen mehr und es sind natürlich eigene Texte und Lieder.
Ihr seid ja schon über 20 Jahre dabei. Fällt Euch überhaupt noch was Neues ein? 
Naja, bei uns ist es halt immer wieder was anderes. Wir haben zum Beispiel den ganzen Sommer auf verschiedenen Burgen ein sehr ruhiges Programm gespielt. Und dann machen wir das Programm „Altbayerischer Advent“, das ist auch wieder was ganz anderes. Dafür sind wir ja auch bekannt. Es wird nie langweilig.
Wie würdet Ihr Euren eigenen Stil beschreiben?
(lacht) Unser eigener Stil, den kann man ganz schlecht beschreiben. Ich würde sagen, es ist Popmusik mit bayerischem Text. Und was natürlich im Vordergrund steht, ist unser zweistimmiger Gesang. Den macht uns so schnell keiner nach, weil Tanja und ich schon unser Leben lang gemeinsam singen. Wir sind aufeinander eingespielt.
Das Miteinander zwischen Euch funktioniert also noch? 
Ja schon, sonst würden wir nicht mehr miteinander musizieren. Meinungsverschiedenheiten und Streitereien gibt es bei uns genauso wie bei allen anderen auch. Aber wir sind natürlich schon ein Familienbetrieb.
Ihr singt ja auf bayerischer Mundart. Wieso?
In der Mundart kann man sich einfach so ausdrücken, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Gefühle und was man ausdrücken möchte, können nur in der Muttersprache wiedergegeben werden und das ist bei uns Bayerisch.
Ist der Dialekt in der Oberpfalz nicht anders als bei uns? 
(lacht) Ja, bei uns ist der Dialekt sowieso in jedem Landkreis anders. Aber grundsätzlich kann uns jeder Bayer verstehen. Und Englisch versteht die Hälfte der Welt auch nicht und trotzdem hören wir es jeden Tag. Es ist sowieso mehr Gefühlssache, was bei den Leuten ankommt, glaube ich.
Wer schreibt Eure Texte? 
Die meisten Texte schreiben eigentlich mittlerweile Tanja und da Blaimer. Aber es kommt auch vor, dass wir miteinander schreiben, das ist ganz unterschiedlich. Wir sammeln Ideen und dann setzen wir uns zusammen und entwickeln daraus ein Programm.
Woher nehmt Ihr Eure Ideen? 
Wenn man viel unterwegs ist, trifft man auch viele Leute. Dadurch erfährt man viele Eindrücke und bildet sich selbst eine Meinung. Und diese drücken wir in unseren Liedern aus. Zu seiner eigenen Meinung muss man natürlich auch stehen und sie manchmal auch rechtfertigen. Das ist manchmal schon anstrengend. Aber wir sind dafür bekannt, dass wir in keine Schublade passen.
Habt Ihr auch Vorbilder? 
Ja, doch. Es ist schon toll, wenn man seine eigenen Idole aus der Jugend treffen kann, wie 

Haindling oder die Spider-Murphy-Gang.

Wie ist es mittlerweile auf der Bühne? Seid Ihr noch immer aufgeregt? 
(lacht) Nur der Blaimer. Wir eigentlich nicht mehr, wir stehen schon seit der Kindheit auf der Bühne. Lampenfieber haben wir nur, wenn wir ein neues Programm vorstellen. Dann sind auch wir noch aufgeregt.
Wie sehen die nächsten Jahre bei Euch aus?
Weiterhin viel Musik machen und hoffen, dass uns die Ideen nicht ausgehen (lacht). Damit sind wir zufrieden. Wir haben das große Glück, dass wir davon leben können, was wir lieben. N

ächstes Jahr starten wir ein neues Programm, das heißt „Eine Lederhose packt aus.“ 

Über die ganzen Jahre hinweg haben wir so viele Musiker kennengelernt und so viele Geschichten gehört, das haben wir uns alles aufgeschrieben und daraus soll eine Art Lesung entstehen. Der Blaimer liest die Geschichten vor und zwischendrin gibt es wieder musikalische Untermalung von uns. Das wird bestimmt richtig lustig.

Was macht Ihr, wenn Ihr nicht auf der Bühne steht? 

Was macht Ihr, wenn Ihr nicht auf der Bühne steht? 

Aja, was man halt so macht. Jeder führt sein eigenes Leben. Ich habe ein Haus, zwei Pferde und einen Hund. Ich reite schon seit meiner Kindheit. Tanja hat zum Beispiel einen großen Garten, die mag gerne Garteln. Wir sind sehr naturverbunden und viel im Wald. 

Außerdem haben wir eine Agentur. Wir machen alles selber vom Booking bis zur Werbung. Ich organisiere im Jahr rund 100 Auftritte und alles, was dazu gehört. Darum sitze ich viel im Büro während der Woche und die Blaimers schreiben die Lieder. Die Leute meinen ja immer, man geht zweimal am Wochenende auf die Bühne und das wars dann.

Dann geht Ihr gemeinsam zum Schwammerl suchen? 
Ja, wir waren dieses Jahr schon. Erst haben wir gar nichts gefunden, aber auf einmal gab es bei uns im Holz so viele Steinpilze, ganze Berge.
Auf dem Foto habt Ihr rosa Brillen auf und lange Haare. Das ist ja eher Hippie-Style? 
Ja, wir sind schon so Alt-Hippies. Wir mögen es gerne bunt und weltoffen. Ich würde uns als sehr tolerant bezeichnen. Das mit der rosaroten Brille hat natürlich schon eine Bedeutung: Manchmal muss man Sachen einfach durch eine rosarote Brille sehen. Es gibt ja nur Negativ-Nachrichten und es gibt trotzdem viele Möglichkeiten, die Welt „rosa“ zu sehen.
Was können die Zuschauer bei Eurem Auftritt in Dorfen erwarten? 
Viel Musik auf alle Fälle. Und viele Liebeslieder, aber auch sozialkritische Texte sind dabei, alles was uns bewegt. Bunt gemischt einfach, so wie wir. 

Mehr Informationen zum Auftritt unter www.jakobmayer.de

Das Interview führte Anja Leitner

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