Wichtiges  und internationales Angebot

Kinder von Migranten erhalten in Taufkirchen wieder muttersprachlichen Unterricht

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Taufkirchens langjähriger Bürgermeister Franz Hofstetter, sein Nachfolger Stefan Haberl, Landrat Martin Bayerstorfer, Sosa Balderanou und Eleni Lehner (v.l.)

Taufkirchen – „Griechische Eltern haben mich angesprochen, ob dies möglich wäre und ich habe nachgehakt“, erklärt Sosa Balderanou. Aufgrund ihrer Initiative wird seit vielen Jahren wieder griechischer muttersprachlicher Ergänzungsunterricht in Taufkirchen angeboten. Schnell fand die griechische CSU-Gemeinderätin Unterstützer, etwa Landrat Martin Bayerstorfer oder Franz Hofstetter.

Jetzt wurde das Projekt im Mehrgenerationenhaus vorgestellt. Bayerstorfer brachte Ilona Pawlitschko ins Spiel, eine Mitarbeiterin des Landratsamtes, die für Bildungskontingente zuständig ist, vor allem für Flüchtlinge und Ausländer. Sie stelle den Bedarf da, an allgemeinem muttersprachlichem Unterricht und schaue, wo er angesiedelt werden könne, erklärte Bayerstorfer. Im Falle Taufkirchen konnte dies in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Vhs Erding erfolgen. Pawlitschko sei sofort hin und weg gewesen. Balderanou kontaktierte darauf Eleni Lehner, die stellvertretende Geschäftsführerin der Vhs. 

Die Griechin wohnt in Dorfen und ist für Fremdsprachen und Internationales in der Volkshochschule Erding zuständig. „Ich bin immer begeistert Sprachen zu vermitteln. Das bringt die Völker näher, erweitert den Horizont und ist das beste Gehirntraining um das Erinnerungsvermögen zu stärken.“ Sogar Demenz könne man vorbeugen. Seit September werden 20 griechische Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren samstags ab 9 bis 12 Uhr im Mehrgenerationenhaus von Kristina Mozka in ihrer Muttersprache unterrichtet. „Sie werden erstmal alphabetisiert“, erklärt Lehner und, dass es eine sehr heterogene Gruppe sei. Manche könnten schon die lateinische Schrift oder ein bisschen Englisch. Auch die griechische Schrift würden sie lernen. Sie habe sich aus den Hieroglyphen der Phönizer entwickelt und wurde um Vokale ergänzt. „Die Kinder nehmen die Sprache auf wie Schwämme.“

Vierte Generation in Deutschland lernt wieder griechisch

Erstaunlich finde sie, dass manche der Eltern selber kein griechisch sprechen würden, aber wollen, dass ihre Kinder, oft schon die vierte Generation in Deutschland, es lernen sollen. Taufkirchens langjähriger Bürgermeister Franz Hofstetter stand von Anfang an hinter dem Projekt. „Ich finde es gut, dass der Griechisch-Unterricht wieder eingeführt wurde.“ Viele, vor allem ältere griechische Frauen würden bis heute nur ihre Muttersprache, kaum Deutsch sprechen. Deshalb sei es gut, wenn die Kinder deutsch lernen, aber daheim auch die umgangssprachliche Thematik beherrschen würden. „Es ist aber nicht der übliche muttersprachliche Ergänzungsunterricht, wie er früher stattfand. Denn er wird nicht vom Staat oder der Gemeinde finanziert, ergänzt Lehner. Früher wurden die Lehrer teilweise vom Staat bezahlt. Pro Schüler müssten die Eltern für das ganze 300 Euro zahlen, dies könne auch auf Raten erfolgen. „Die Vhs macht es aus Überzeugung und verdient nichts daran.“ Mit diesem Kurs seien so gut wie alle Kinder abgedeckt, sagt Balderanou. Sie habe aber auch schon Anfragen von Griechen aus Velden und Haag. „Eleni managt das alles. Wenn es sich entwickelt, können wir vielleicht noch eine zweite Klasse einführen.“ Die Sozial- und Jugendreferentin möchte solche Kurse auch für andere Sprachen anbieten, beispielsweise Deutschkurse für die polnischen Mitbürger. Schließlich leben neben den 313 Griechen auch 336 Polen in der Gemeinde. „Denn wenn man eine Sprache perfekt beherrscht, kann man auch die Fremdsprache richtig übersetzen. Außerdem schwebt ihr noch eine Spielgruppe für kleine Kinder vor. Auch das internationale Frühstück im Mehrgenerationenhaus hat sie schon ins Leben gerufen. 

Balderanou freut sich, dass mittlerweile auch Integrationskurse Deutsch in Taufkirchen angeboten werden und, dass das MGH dafür eine Lizensierung erhalten habe. „Es ist wichtig, dass man alle zwei Sprachen kann“, sagt die griechisch-stämmige Gemeinderätin. Auch italienische Mitbürger seien schon an sie herangetreten und hätten wegen muttersprachlichen Unterricht bei ihr angefragt. Die Nachfrage steigt also.   - til

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