Stichtag am 15. März

Kommunalwahlen im Landkreis Erding in der heißen (Kreativ)-Phase

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Mit einem Video über sich und seine Ziele will Taufkirchens CSU-Bürgermeisterkandidat Stefan Haberim Wahlkampf punkten.

Landkreis – Der Countdown läuft in Sachen Politikerentscheidung für die Besetzung der Rathaussessel oder Landratsämter – auch wenn zahlreiche „mündige“ Bürger sich schon über Briefwahl für ihren Lieblingskandidaten entschieden haben. 

Auf den letzten Metern wird der einzelne Wähler noch intensivst umworben, mit Partei-individualisierten Kugelschreibern oder Notizblöcken, um sicher zu stellen, dass das Kreuzchen auch an der richtigen Stelle platziert wird. Doch reichen die konventionellen Giveaways neben den – wohlgemerkt – zwingend notwendigen Parteiprogrammen überhaupt noch aus, die Wählerschaft zu überzeugen?

Manch Politiker meint vermutlich, dass in Zeiten von Social Media diese umschmeichelte User-Zielgruppe doch wohl eher medial unterhalten werden möchte. Welch kreativen, teils befremdlichen und skurrilen Stilblüten das Bemühen der mitunter (über-)engagierten Kandidaten treibt, verdeutlichen einige Beispiele aus unserem Landkreis. So fordern die Genossen der Marktgemeinde Wartenberg ihre Wähler mittels einer Rätselgaudi auf, das Hirnschmalz in die „richtige“ Richtung zu bewegen – Auflösung inklusive. 

Die „Roten“ Fans der Blauen (v.l.) Gustl Groh, Ludwig Stürzl, Peter Korschwald, Hands Groh und Reinhard Schultz der Wartenberger luden auf ihrem Wahl-Flyer zur SPD-Rätselgaudi mit SPD-Lösung rückseitig mitgeliefert.

Wohingegen deren schwarzen Kontrahenten ihren Bürgermeisterkandidaten martialisch maskiert mit Schweißermaske und fröhlich musikalischer Begleitung virtuos die Burger-Patties über dem Grillrost schwingen lässt – das ganze zeitgemäß dokumentiert in einem YouTube Video. An welche Urinstinkte die Wählergruppe aus Moosen appelliert, erschließt sich nicht jedem, der einen ihrer auf 2.000 Stück limitierten Bierdeckeln ergattert hat. Darauf steht: „Wennst an Osch host in da Hosn, woist Einigkeit Moosen“, darunter grinst ein Smiley. Listenführer Kurt Empl freut sich über den gelungenen Werbecoup, vor allem die Jungen, die „Haisl-Leid“ seien ganz begeistert gewesen und die Bierdeckel schnell vergriffen gewesen. Ganz im Zeichen einer positiven Ökobilanz radelt CSU-Bürgermeisterkandidat Stefan Haberl durch Taufkirchen, hochmotiviert, sympathisch mit bajuwarischem Flair informiert er dabei über seine Ziele, was bei vielen Adressaten äußert gut ankommt. Der 36-Jährige ist in Wahlkampfzeiten nicht nur mit dem Radl in der Gemeinde, sondern auch virtuell gerne auf Facebook und Instagram unterwegs. Das Video hat er zusammen mit seiner Frau Katrin erstellt. Die 33-jährige FOS-Lehrerin fungierte als Kameramann, Cutterin und Regisseurin, Haberl als Hauptdarsteller. Die Kosten für das Video wird er „mit vielen Küssen wieder gut machen müssen“, meint er grinsend. Auf Videobotschaften setzt auch die Landliste Dorfen. Vor sechs Jahren ritten sie noch als Cowboys durch die Dorfener Prärie, heuer zeigen sich die Listenkandidaten schiebend am Rollator oder Primeltöpfchen absetzend auf der Wiese, um auf ihre Wahlziele hinzuweisen, etwa auf altersgerechte Wohnungen im Marienstift oder Eh-da-Flächen umwandeln. Auch hier lohnt ein Tag Dreharbeiten, denn die Resonanz ist super, sagt Listenführer Martin Heilmeier und betont „Politik ist trocken genug“. Auch Landrat Martin Bayers­torfer setzt beim Wahlkampf auf viele Kanäle. Er hat seine Partei- freunde, Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner um Unterstützung gebeten, die sie ihm auch gerne per Video lieferten. Die Erstwähler hat der „Martl“, wie er auf dem Land gerne genannt wird, persönlich, aber ganz old fashioned per Post, mit seinem neuen, schicken, schwarz-grünen Wahl-Corporate-Design angeschrieben und sie auf ein Gespräch nach Erding ins 10er eingeladen, mit „zwei Bier aufs Haus“ versteht sich. Während sein Konterfei mit Wahlhinweis derzeit auf dem VW-Wahlbus durch den Landkreis kurvt.  - and/til

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