Interview

Leiterin des Taufkirchener KiTa-Verbundes Carola Bock über Personalengpässe und die Bezahlung der Fachkräfte

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Carola Bock ist die Leiterin des Taufkirchener KiTa-Verbundes.

Fachkräfte-Mangel ist ein Problem in vielen Bereichen. Vor allem auch in Kindergärten, Krippen und Hort fehlt es an Personal.

Taufkirchen - Die Betreuung von Kindern in KiTas gehört mittlerweile auch auf dem Land zum Standard. Immer mehr Einrichtungen sind nötig, um den Nachwuchs schon im Säuglings­alter in Krippen, später im Kindergarten oder im Hort zu betreuen. 

Aber päda­gogische Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden. Waren früher die Berufe der Kinderpflegerin oder der Erzieherin sehr beliebt, gelten sie mittlerweile als unattraktiv. 

Um die zunehmenden Personalengpässe in den Griff zu kriegen, sind konstruktive Lösungen gefragt. Ein Modell ist der so genannte Kita-Verbund. 

Carola Bock ist die Leiterin des Taufkirchener KiTa-Verbundes. Sie schildert uns, was das Problem aus ihrer Sicht ist.

Frau Bock, was versteht man unter einem Kita-Verbund und welche Aufgaben übernimmt er?

Ein Kita-Verbund ist ein Zusammenschluss mehrerer katholischer Kindertagesstätten unter dem Dach einer Träger-Kirchenstiftung. 

Der Verbund wird von einer Verwaltungsleitung geleitet, die sich um Finanzen, Personal und Organisation kümmert. Ziel des Erzbistums München-Freising bei der Einführung dieser Verbünde war primär die Entlastung des pastoralen Personals von operativen Verwaltungsaufgaben sowie die Etablierung eines zukunftsfähigen und professionellen Träger-Modells, welches den komplexer und zunehmend zeitaufwendiger werdenden Trägeraufgaben gerecht wird und eine dauerhaft verlässliche Trägerstruktur bietet.

Kann man mit einem Kita-Verbund den pädagogischen Fachkräftemangel auf Dauer auffangen oder handelt es sich bloß um eine ­Interimslösung?

Auf Dauer braucht es Lösungen auf höchster politischer Ebene, um dem pädagogischen Fachkräftemangel zu begegnen. Gehaltsstruktur, Ausbildungsdauer, Finanzierungslücken – das alles können wir als einzelner Träger nicht auffangen. 

Was der Verbund hingegen gut leisten kann – im Gegensatz zu einzelnen Einrichtungen- ist die Überbrückung von kurzfristigen personellen Engpässen. Hier haben wir in der Vergangenheit schon einige Male Personal zwischen den Kitas getauscht, um Krankheiten oder Beschäftigungsverbote abzufedern.

Warum gibt es zu wenig SPS-Praktikanten/innen, FSJler, Kinderpfleger/innen und Erzieher/innen?

Ich denke das hängt von vielen Einzelfaktoren ab. Zum einen hält sich das Gerücht der schlechten Bezahlung sehr hartnäckig.

Die Zahl der Ausbildungsplätze in den Fachakademien ist begrenzt, die reguläre Ausbildungsdauer bis zum Erzieher-Abschluss istmit fünf Jahren sehr lang. Natürlich sind auch lange nicht alle geeignet für diese Arbeit – man muss sich auf die unterschiedlichsten Menschen einstellen können, weil man intensiv mit Kindern, Eltern und Kollegen zusammenarbeitet. 

Und leider scheitern auch einige an der Ausbildung. Das Berufsbild der pädagogischen Fachkräfte ist eine komplexe Mischung aus Pädagogik, Psychologie, Heilpädagogik, Literatur- und Medienpädagogik beziehungsweise Theologie/Religionspädagogik und etlichen Praxisfächern. Das unterschätzen viele Bewerber.

Es heißt immer Kinderpfleger/innen und Erzieher/innen verdienen schlecht, wie hoch ist das Gehalt beispielsweise für einen ausgebildeten Berufsanfänger beziehungsweise für eine erfahrene Kraft?

Ein/e Kinderpfleger/in startet in der Regel mit ca. 2.500 Euro brutto ins Berufsleben, als Erzieher sind es circa 3.000 Euro. Mit zunehmender Berufserfahrung klettert man dann die Gehaltsstufen hoch – je nach Berufserfahrung kann ein/e Erzieher/inin als Kita-Leitung bis zu 5.500 Euro verdienen.

Wann wurde der Kita-Verbund Taufkirchen gegründet? Wer war treibende Kraft? Wie viele Mitarbeiter hat er mittlerweile? Wie viele Einrichtungen werden bedient?

Den Kita-Verbund Taufkirchen gibt es seit Januar 2015. Die Treiber waren die Kirchenverwaltungen der Pfarreien Taufkirchen, Moosen, Hohenpolding und Steinkirchen – aus diesen vier Einrichtungen bestand der Kita-Verbund ja vier Jahre lang. 

Seit 2019 zählt das Kinderhaus Inning am Holz nun als fünfte Einrichtung dazu, die wir aus der kommunalen Trägerschaft übernommen haben. Alles in allem beschäftigen wir mittlerweile circa 90 Personen, darunter neben den Pädagogen auch Reinigungs- und Küchenkräfte, Hausmeister und Fahrer. Besonders erfreulich ist, dass wir im kommenden Kita-Jahr, also ab September 2019 in jedem Haus wieder mehrere Praktikanten im Einsatz haben. 

Denn auch das ist ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel: Wenn wir so viel Zeit und Kraft wie möglich in die Ausbildung neuer Fachkräfte stecken, wächst das Netzwerk an hoch qualifizierten Mitarbeitern immer weiter und ich kann auf einen großen Pool bekannter Bewerber zurückgreifen. 

Wo ich als Praktikantin gut aufgenommen wurde und gute Erfahrungen gemacht habe, da gehe ich auch später als Fachkraft gerne wieder hin. Natürlich ist uns das nur möglich, weil die politischen Kommunen das zum Großteil mit finanzieren, wofür wir sehr dankbar sind.

Meine Hauptaufgabe als Verwaltungsleitung ist tatsächlich das Personal. Suchen, Einstellen, Änderungsverträge, Vertretungen organisieren und die verschiedensten Anliegen der Mitarbeitenden anhören, klären und bearbeiten. 

Darüber hinaus die Erhebung der Elternbeiträge, Beantragen und Abrechnung der Fördergelder, Verhandeln unterschiedlichster Verträge mit Lieferanten oder Kommunen. Letzten Endes bin ich für die Qualität in den Häusern verantwortlich, darum besuche ich jedes Haus regelmäßig, um neben den Gesprächen mit den Hausleitungen auch den Kontakt zu Mitarbeitern und Kindern zu halten.

Wäre es denkbar, dass die Betreuung der Kinder künftig auch Roboter übernehmen, wie dies immer wieder bei Senioren im Gespräch ist?

Das ist eine super Idee, so könnten wir uns eine Menge Geld bei den Gehältern sparen! Nein, Spaß beiseite: In sehr begrenztem Maße können technische Hilfsmittel vielleicht entlasten. Das kennen wohl alle Eltern – wie verlockend ist es nach einem anstrengenden Tag, die Kinder vor dem Fernseher zu „parken“ oder das Vorlesen einem elektronischen Stift zu überlassen. 

Ich sehe das aber sehr kritisch und für die Kita überhaupt nicht geeignet. Die Anforderungen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans an die Kindertagesstätten sind so komplex – da setze ich lieber weiterhin auf gut ausgebildete Mitarbeiter.

Das Interview führte Birgit M. Lang

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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