Sehenswert und detailgetreu

Lokalbahnlinie in Miniatur in Taufkirchen

Ein Ausschnitt der Anlage der Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Taufkirchen
+
Ein Ausschnitt der Anlage der Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Taufkirchen

Mit modernster Technik, wie 3D-Drucker, Lasercutter und Drehbank werden und wurden markante Details hergestellt.

Taufkirchen – Es war der 24. Dezember 1898 als der offizielle Betrieb der Lokalbahn Dorfen – Velden von der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn in Kenntnis von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten eröffnet wurde. Zwei Tage vorher waren schon Sonderfahrten mit Eröffnungsfeierlichkeiten in den Orten längs der Lokalbahnlinie durchgeführt worden. Das Ganze begann aber schon viele Jahre früher, 1865 hätte der Markt Velden einen Bahnhof an der geplanten Eisenbahnlinie München – Passau über das Vils und Rottal gehabt. Die zu nahe Parallel-Führung an die schon 1871 eröffnete Strecke München – Simbach und die Abneigung der niederbayrischen Abgeordneten brachte das Projekt aber zum Scheitern. Der Markt Velden bemerkte schnell, dass ohne einen Bahnanschluss eine Existenzfrage bestand. Im Juni 1891 stellte sie deshalb den Antrag auf eine Eisenbahnlinie von Erding über Taufkirchen, Velden nach Vilsbiburg (heute B388). Diese wurde aufgrund der gleichen Gründe wie 1865 abgelehnt. Die Bürger von Velden ließen aber nicht locker und reichten im gleichen Jahr einen Antrag auf eine Lokalbahnlinie von Velden über Grüntegernbach nach Dorfen ein. Dies gefiel den Taufkirchenern nicht besonders. Deshalb wurden zwei Linienführungen projektiert, die 12,3 Kilometer lange Strecke über Grüntegernbach, Wasentegernbach und die 20 Kilometer lange über Taufkirchen. Dann hielt auch noch das Köngliche Bezirksamt Erding eine Strecke nur von Dorfen bis Taufkirchen für ausreichend, und hatte Bedenken, dass sich eine Weiterführung wirtschaftlich nicht lohnen würde. Diese Streitereien gingen bis zum Herbst 1892 über mehrere Interessensvertreter und königliche Kammern. Mittlerweile hatte auch der Markt Dorfen Bedenken, dass mit einem Bahnhof in Grüntegernbach eine Konkurrenz für Dorfen entstehen könnte, auch Algasing wollte jetzt einen Bahnhof und somit wären verwirrende Linien entstanden. Die Festlegung der Linienführung, Genehmigungen, Trassenplanung und Zahlungsfestlegung dauerten bis 1897. Nun konnte endlich der Bau beginnen, mit den Bahnhöfen und Haltepunkten: Dorfen Markt, Algasing, Babing (Drf), Taufkirchen, Ratzing, Moosen, Babing (Vils), Velden. Bis Sommer 1968 wurde ein Lokalbahnbetrieb, zunächst mit kleinen Dampfzügen und ab 1953 mit motorisierten Schienenbussen durchgeführt. Ein wesentlicher Bestandteil des Betriebes war die Abfuhr von Gütern aus der Holz- und Landwirtschaft. Zuerst mit an die Personenzüge angehängte Güterwagen, später mit kleinen Güterzügen. Nach Erdölfunden im Vilstal in den 70er Jahren konnte sich der Güterverkehr bis 1993 retten. Der Personenverkehr wurde schon am 26. Mai 1968 eingestellt. Die Strecke wurde im Sommer 1995 abgebaut.

Was ist von der Lokalbahn geblieben?

Die Trasse wurde zum beliebten Vilstal-Radweg, Denkmäler vom Historischen Verein Dorfen und die Bahnanlage in Velden, deren Gebäude noch weitgehend intakt sind, erhalten. Um die wunderbare landschaftliche Lokalbahn in Erinnerung zu behalten, hat sich der Eisenbahn und Modellbahnverein Taufkirchen entschlossen, nun in seiner 2019 aufwendig renovierten Vereinsunterkunft einen kleinen Ausschnitt der Lokalbahn Dorfen – Velden in Maßstab 1 : 87 wieder auferstehen zu lassen. Bahnhof Velden und Taufkirchen werden, soweit es möglich ist, wieder in Miniatur entstehen. Mit modernster Technik, wie 3D-Drucker, Lasercutter und Drehbank werden und wurden markante Details hergestellt. Der Lokalbahn-Abschnitt ist ein Teil der großen Modellbahnanlage. Auf dem Abschnitt können die kleinen Lokalbahnzüge per Hand oder per Computertechnik gesteuert werden. Mit dem Bau der mit dem marktüblichen 2- und 3-Leiter-System ausgerüsteten Anlage wurde nach zweijähriger Planungsphase rasch nach Ausbau der Räumlichkeiten begonnen. Somit konnte Anfang 2020 ein erster Tag der offenen Tür stattfinden. Doch Corona hat einen Weiterbau weitgehendst lahmgelegt. Nur kleinere Arbeiten konnten im Homeoffice und in den Pausen durchgeführt werden. Auch finanziell durch den Ausfall von Veranstaltungen hat der Verein zu knabbern. Wer selber eine Modellbahn hat, kennt die Kosten dafür. Dennoch sind die Mitglieder voller Hoffnung, dass es bald wieder weitergeht und sie ihr Projekt weiterführen und ausstellen können. Sehr würden sie sich über finanzielle Unterstützung oder noch mehr über weitere interessierte Mitglieder freuen. Ihre rund 1500 Bücher umfassende Bibliothek zum Thema Eisenbahn und Technik ist vielleicht auch für den einen oder anderen interessant. Oder es hat jemand sein Kinderhobby wiederentdeckt und möchte bei ihnen mitmachen und weitere Erfahrungen machen. Neugierig geworden? Dann besuchen sie doch eine der nächsten Ausstellungen, zum Staunen, Fachsimpeln oder nur zum Ratschen. Wir freuen uns. - Hans-Dieter Kienitz

Auch interessant:

Meistgelesen

Mitarbeiter des Unternehmens LCTech aus Obertaufkirchen nehmen an …
Mitarbeiter des Unternehmens LCTech aus Obertaufkirchen nehmen an Typisierungaktion teil
"Musemoaster" Sepp Eibelsgruber spielt wieder im Neumarkter …
"Musemoaster" Sepp Eibelsgruber spielt wieder im Neumarkter Schlosspark zu Adlstein
BSV-Trainingshalle in Taufkirchen verschönert
BSV-Trainingshalle in Taufkirchen verschönert
Ausbildungsstart bei der RWG Erdinger Land
Ausbildungsstart bei der RWG Erdinger Land

Kommentare