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Milchmarkt unter dem Einfluss sinkender Verbrauchernachfrage

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Regon

(ig) – Die Auseinandersetzungen im Rahmen des Milchlieferboykotts liegen einige Monate zurück. Nun werden in Berlin die Weichen gestellt für die weitere Entwicklung des Milchmarktes. u. a. inwieweit der Markt weiterhin Beschränkungen durch Quotenregelungen unterliegen sollte und inwiefern auf die Mechanismen von Angebot und Nachfrage gesetzt wird. Innerhalb der Europäischen Union wird hierbei eine weitergehende Liberalisierung des Marktes mit endgültigem Wegfall der Milchquote im Jahr 2014/15 vorangetrieben. Im Fokus der Debatte steht immer wieder der Milchpreis, den die Milcherzeuger von den Molkereien erhalten. Die Molkereien in Bayern sehen sich aufgrund der kleinteiligen bäuerlichen Betriebsstrukturen im Freistaat in einer besonderen Situation. Beatrice Kress, Geschäftsführerin der Bergader Privatkäserei, erklärt: „Vor allem aus Norddeutschland und dem europäischen Ausland wie z.B. Dänemark oder Frankreich mit ihren großen genossenschaftlichen Verarbeitungsbetrieben drängen Käseprodukte zu Preisen in den Markt, mit denen wir aufgrund der höheren Milchpreise in Bayern nicht mit- halten können." Zudem zeigen die Verbraucher ein anderes Einkaufsverhalten, als dies Umfrageergebnisse vermuten lassen. Sie bekunden zwar ihre Solidarität mit den Bauern und ihre Bereitschaft, mehr für heimische Milchprodukte zu zahlen. In der Praxis zeigt sich jedoch zum Vorjahr eine große Nachfrageelastizität mit ei-nem Verbraucherrückgang von zehn bis 15 Prozent bei Konsummilch im Sommer. „Wir Molkereien können nur dann Milchpreise auf einem höheren Niveau leisten, wenn dem auch eine entsprechende Kaufbereitschaft in den Märkten gegenüber steht“, so Barbara von Hagmann, Alpenhain-Geschäftsführerin. Es muss nicht nur die sinkende Nachfrage der Endverbraucher abgefangen werden, auch der Export in Drittländer und die Nachfrage der Industrie bewegen sich in deutlich niedrigeren Umfang als im Vorjahr. Das gestiegene Angebot innerhalb Eu-ropas, das durch die hohen Milchpreise im vergangenen Jahr ausgelöst wurde, kann somit nicht ausgeglichen werden. Der Markt und die Molkereien geraten durch erhöh- tes Milchaufkommen gekoppelt mit sinkender Nachfrage weiter unter Druck. Die Privaten Molkereien sind flexibler als ihre großen Konkurrenten, gelten als Innovationstreiber im Milchmarkt und pflegen engere, persönlichere Beziehungen zu ihren Milchbauern als die Großmolkereien und Erzeugergenossenschaften. Die Molkereien Alpenhain, Bauer, Bergader, Meggle und Milchwerk Jäger haben den Milchpreis lange auf einem Niveau über dem Bundesdurchschnitt gehalten und müssen sich nun mehr und mehr den nationalen und internationalen Wettbewerbsbedingungen anpassen, um weiterhin im Markt zu bestehen. Hermann Jäger, Geschäftsführer des Milchwerks Jäger: „Auch wir in Bayern können einen Preisunterschied von mehreren Cent pro Kilogramm Rohmilch auf Dauer nicht halten, wenn unsere Milchbauern und wir Molkereien nicht den Anschluss an den Markt verlieren wollen.“ Infokreises der Privaten Molkereien in Oberbayern (Alpenhain, Bauer, Bergader, Meggle und Milchwerk Jäger).

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