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Mit Haaren die Meere retten

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Von: Birgit Lang

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Eine blonde Frau mit drei Papiertüten gefüllt mit Haaren vor sich
Sabine Kerschbaumer sammelt Resthaare in Papiersäcken © Birgit Lang

Dorfens Friseurmeisterin Sabine Kerschbaumer ist eine der Ersten, die bei „Hair help the Oceans“ mitmachen und hofft auf viele weitere Partnerfriseure

Dorfen – Austretendes Öl und Plastikmüll verschmutzen die Meere. Ein Zustand, der viele Menschen aufschrecken lässt. Jetzt können Friseure ihren Beitrag leisten, um Meere und Gewässer zu retten. „Coiffeur Justes“ heißt die Aktion, die es in Frankreich seit 2015 gibt und die sich dieses Ziel gesetzt hat. Im Januar 2022 wurde die Non-Profit-Organisation „Hair help the Oceans“ in Deutschland gegründe, die dem französischen Vorbild folgt.

Rund 80.000 Friseurbetriebe gibt es in Deutschland, knapp 1400 haben sich als Partner angeschlossen. Die Erste im Landkreis Erding war Sabine Kerschbaumer aus Dorfen. Die 54-jährige Friseurmeisterin und ihre Kollegen deutschlandweit machen mit und sammeln anfallende Haarreste. Diese werden zu Rollen und Filzmatten verarbeitet die in verschmutzten Gewässern eingesetzt werden, um Rohöl, Sonnencreme und Ölfilme, die Frachtschiffe hinterlassen, aufzusaugen.

Kerschbaumer las in einer Fachzeitung im November 2021 erstmals einen Bericht über die französische Initiative, die Haare in alte Nylonstrümpfe füllt, diese zu Rollen bindet und dann als Filter in verschmutzten Gewässern einsetzt. Als Friseurmeister Emidio Gaudioso von Bückeberg und der Würzburger Unternehmensberater Thomas Keitel eine solche Aktion namens „Hair Help the Oceans“ in Deutschland ins Leben riefen, trat Kerschbaumer sofort bei.

Eine Frau mit blonden Haaren hält einen Fotorahmen mit blauer Urkunde in Händen
Sabine Kerschbaumer ist Partnersalon von „Hair help the ocean“. © Birgit Lang

Die beiden Männer spenden pro Monat für jeden Partnersalon 1 Euro an die Befreiung des Meeres von Plastik. Zudem wollen sie Gelder in die Forschung und Entwicklung für eigene Systeme der Aufbereitung investieren, heißt es auf ihrer Homepage. Das gefiel der 54-jährigen Friseurmeisterin. Zudem holen sie monatlich Haarreste ab, die in den Salons ihrer Partner anfallen, also auch in Sabines Haarstudio in der Brandstattgasse 20.

„Damit spare ich auch noch Restmüll und meine Kunden finden es super, dass mit ihren Haaren das Meer gesäubert werden kann. Sie sind ganz happy. Ich habe sogar schon einige Kunden extra deshalb neu dazu gewonnen.“

Gaudioso und Keitel kümmern sich um die Logistik, das Marketing und die Administration. „Dafür und für die Abholung der mit Resthaar gefüllten Papiersäcke zahle ich einen Monatsbeitrag von 21 Euro netto“, erklärt Kerschbaumer. Sie ist ganz begeistert von der Aktion und ebenso von der Technik, die in Amerika entwickelt wurde und den Maschinen, die dafür eigens gebaut werden.

„Acht Kilo Haar kann bis zu einem Liter Öl aufsaugen“, erklärt sie und, dass die fettige Kopfhaut auch über die Haare abtransportiert werde, „denn Haar ist total saugfähig“. Die vollgesaugten Haarmatten könnten bis zu acht Mal gewaschen und gereinigt werden und würden dann im ganz normalen Restmüll landen. Seit jeher lege sie auf exakte Mülltrennung wert. „Ich versuche alles zu tun, was geht, um die Umwelt zu entlasten.“ Natürlich könne man auch Perücken von abgeschnittenen Haaren machen. Aber die müssten mindestens 25 Zentimeter lang sein, sagt Kerschbaumer.

Auf der Homepage der Gründer gebe es einen „Salonfinder“, also eine Übersichtskarte aller teilnehmenden deutschen Friseure. „Ich war ganz lange allein vom Landkreis Erding dabei. Es wäre schön, wenn viel, viel mehr mitmachen würden“, findet sie und hofft mit ihrem Engagement und diesem Bericht noch viele Kollegen zum Mitmachen zu animieren.

Weitere Informationen unter https://www.hair-help-the-oceans.com.til

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