Sinnvolle Modernisierung

Moderne und zeitgemäße Bücherei in Dorfen

Marion Biewer, Bürgermeister Heinz Grundner, Büchereileiterin Birgitt Kukla und Kulturreferent Ludwig Rudolf (v.l.)
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Marion Biewer, Bürgermeister Heinz Grundner, Büchereileiterin Birgitt Kukla und Kulturreferent Ludwig Rudolf (v.l.)

Birgitt Kukla wurde als hauptamtliche 24-Stunden-Kraft von Bürgermeister Heinz Grundner und seinem Stellvertreter, Ludwig Rudolph vorgestellt

Dorfen – Es war ihr Lebenswerk. 44 Jahre lang hat Maria Becker ehrenamtlich die Geschicke der Dorfener Bücherei gelenkt, noch alles analog. Im vergangenen Herbst hat sie ihren Posten abgegeben. Nun wurde mit Birgitt Kukla ihre Nachfolgerin, eine hauptamtliche 24-Stunden-Kraft von Bürgermeister Heinz Grundner und seinem Stellvertreter, Ludwig Rudolph vorgestellt.

Sie hat am 1. Januar ihren Job angetreten und seither ihr „komplettes Know-how und ein Facelift in der Dorfener Bücherei eingebracht“, sagte Grundner. Man habe den Lockdown genutzt, um sich neu aufzustellen. Die 54-Jährige wohnt in Oberding, wo sie zwölf Jahre lang die Leitung im Zweiterteam in der Gemeindebücherei inne hatte. Nun habe sie eine neue Herausforderung gesucht. Die Aufgabe, aus der Stadtbücherei eine moderne, attraktive Bücherei zu machen, einen Treffpunkt für die Bürger, habe sie gereizt. Sie habe auch schon die Bücherei des Korbinian-Aigner-Gymnasiums auf Vordermann gebracht. Mit zehn ehrenamtlichen Kräften, die teilweise schon über 30 Jahre in der Bücherei Dorfen tätig sind, hat sie den Bestand durchforstet, rund 6000 Medien ausgemustert und circa 2000 neue Medien angeschafft.

Neu eingekauft wurden zehn Tonie-Boxen und 150 Tonie-Figuren, tiptoi-Stifte und-Bücher, 150 Gesellschaftsspiele, Hörspiele für Kinder, Bilderbücher, Bücher für Kinder und Jugendliche, Romane, neue Zeitschriftenabonnements, aktuelle Koch- und Gartenbücher sowie Wander- und Radführer für die Region. Den Bestand möchte sie bis Jahresende auf 15.000 Medien erweitern.

Dafür habe sie einen „guten Etat von der Stadt zur Verfügung bekommen“, freute sie sich. 34.000 Euro waren es im Vorjahr, 20.000 Euro davon stammen von der Stadt, der Rest sind Zuschüsse der Erddiözese München-Freising und vom Freistaat Bayern. Dieses Jahr steuert die Stadt 15.000 Euro für Medien bei, weitere Zuschüsse werden dazu kommen. Außerdem gibt es 10.000 Euro für Material, Leo-Süd und „bequeme Sitzmöbel“, die Kukla anschaffen möchte, um die Bücherei einladend und gemütlich zu gestalten.

Die ausgemusterten Bücher wurden nicht entsorgt, sondern zum Großteil an örtliche Einrichtungen verschenkt, wie Gymnasium, Kindergärten, Kinder- und Jugendhaus oder Historischer Kreis. Im Dorfener Bauernmarkt stehe eine Bücherkiste, wo man gegen eine Spende Bücher mitnehmen könne. „Das läuft total gut.“ Auch die Höhenberger Werkstätten hätten „viele Bildbände für die Behinderten“ erhalten und eine Familie in Bad Tölz eine „ganze Wagenladung“, die nach Afrika gehe, erzählte Kukla. Weitere Bücher sollen im Frühsommer bei einem eigenen Flohmarkt angeboten werden. Das Büchereiteam habe im Vorfeld sehr fleißig die Folien und anderes von den Büchern entfernt. Auch das Mobiliar wurde umgestellt. „Kein Regal steht mehr, wo es stand“, betonte sie und die Kinderecke wurde deutlich erweitert.

Deutlich erweitern möchte Kukla auch den aktuellen Mitgliederstand. Aktuell seien es 1200 aktive Leser, über die Hälfte davon Kinder. Die Anmeldegebühr beträgt derzeit fünf Euro.

Das „fehleranfällige Kartensystem“, das bis dato bei der Ausleihe verwendet wurde, hat sie umgestellt. Jetzt gibt es Leserausweise in Checkkartenformat. Ausleihe und Rückgabe erfolgen derzeit getrennt, um die Abstandsregelungen einhalten zu können. Es sei eine große Herausforderung gewesen, den Altbestand in das neue System zu transferieren, gab sie zu. Die neue Homepage sei bereits aktiv. Seit vergangenen Montag gebe es zudem Click&Collect. Die Leser müssten anrufen oder eine Email mit ihren Bücherwünschen senden. Diese würden nach Terminvorgabe im Vorraum abgelegt, die Abholung und Rückgabe würden dort kontaktlos erfolgen.

Um die Bücherei mit Leben zu erfüllen, hat Kukla noch einiges geplant: Zum Welttag des Buches am 23. April werde man dem Onleihe-Verband des St. Michaelsbund „Leo-Sued“ beitreten, um deren Angebot von über 71.000 e-Medien und e-Learning nutzen zu können. Ein Lesefuchs-Pass für Kinder soll eingeführt werden, bei dem es für jeden Besuch einen Stempel gebe und mit zwölf Stempeln eine Überraschung aus der Schatzkiste. Zudem möchte sie Kontakt zu Kindergärten und Schulen knüpfen, um auch Kinder für das Lesen zu begeistern, die nicht von ihren Eltern hierher begleitet werden. Auch Vorschul-Programme mit Besuchen der Schüler strebe sie an, sobald es wieder möglich sei.

Lesungen sollen in der Dorfener Bücherei ebenfalls wieder stattfinden, wie es schon zu Beckers Zeiten üblich war. Dafür gebe es Fördermittel. Auch gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen mit dem Pfarrverband, etwa für Firmlinge, oder dem Kinder- und Jugendhaus seien angedacht sowie Einkaufsaktionen mit Kindern in der Dorfener Buchhandlung.

Grundner lobte die bestandene „Herkulesaufgabe“ und den „Wandel vom Karteikasten zum Internet“ in dieser kurzen Zeit. Nach dem Motto NSW – notwendig, sinnvoll, wünschenswert – stehe die Stadt hinter dem Projekt, auch in finanziell schwierigen Zeiten. Rudolf begrüßte den „Quantensprung“ und die geplanten Aktionen. Kulka sei eine hoch engagierte und professionelle Fachkraft, die die Bücherei zu neuer Größe führen werde. Das sei ein Zeichen, dass „Kultur in Dorfen einen wichtigen Stellenwert“ habe, so der Kulturreferent.

Geöffnet ist die Bücherei derzeit 10,5 Stunden pro Woche an vier Tagen. Sie sollen sobald möglich verlängert werden. Infos gibt es unter Tel. (0 80 81) 95 94 03 oder www.buecherei-dorfen.de. - til

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