Interview mit Volkskundler  Albrecht A. Gribl

Der Museumsmann aus Lengdorf

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Albrecht Gribl

Er ist Volkskundler und Experte in geschichtlichen Fragen. Sein Wissen hat der Lengdorfer Albrecht A. Gribl schon bayernweit in unterschiedlichsten Projekten eingebracht. Auch in der Region hat er viele Heimatmuseen betreut. Jetzt stellen er und die Dillis-Gruppe zwei bedeutende Künstler in Dorfen vor.

Herr Gribl, Sie haben mit der Dillis-Gruppe die Ausstellung „Dillis in Dorfen“ im Rahmen der Rathaus-Feierlichkeiten organisiert. Warum muss man sie unbedingt ansehen? 

Es ist einfach eine tolle Ausstellung und wir hatten das sagenhafte Glück, einen Sammler aus München dafür gewinnen zu können. Er stellt all seine Dillis-Werke zur Verfügung, die es so gut wie nie zu sehen gibt.

Zeigt die Ausstellung sonst noch etwas? 

Bei den Dillis-Bildern handelt es sich um fast 50 Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder vom Postkartenformat bis zu größer als DINA3 vom größten Sohn des Landkreises aus einer Privatsammlung. Viele von ihnen wurden eigens gerahmt. Wir stellen sie etwa 25 ausgewählten Werken des bekannten Dorfener Künstlers und Kunstpädagogens Anton Empl gegenüber. Seine Gemälde sind schon äußerlich viel größer und in ganz anderer Technik. Allein dadurch entsteht ein interessantes Spannungsverhältnis.

Was verbindet die beiden Künstler? 

Es gibt unerwartete Parallelen und Wegkreuzungen, die die beiden „Nachbarn“ und Beobachter von Landschaft und menschlichem Gestalten über einen Zeitraum von 200 Jahren hinweg verbinden. Die beiden sind sich nicht nur nachbarschaftlich, sondern auch geistig verwandt. Seit Geburt kann Anton Empl, der in Wimm bei Grüngiebing geboren ist, so zu sagen auf das ehemalige Dillis-Anwesen schauen. Das hat ihn natürlich nachhaltig beeinflusst. Empls Bilder beschäftigen sich mit Natur und Landschaft, ähnlich wie dies Dillis lange vor ihm tat.

Es gibt auch einen Katalog zur Ausstellung. Wie entstand der?

 Ja, es ist eher ein Katalog-Heft, aber mit immerhin 100 Seiten im quadratischen Format. Sehr schön mit vielen Abbildungen und ein paar knappen Texten und Lebensläufen beider Künstler. Die Konzeption stammt von mir, auch ein paar Beiträge. Auch Anton Empl und der Leihgeber haben kurze Beiträge geschrieben. Sehr schön wurde das Erscheinungsbild, wie die gesamte Dillis-Gruppe sagt. Meine Tochter Lena-Maria hat die Gestaltung übernommen, sie studiert Kommunikations-Design. Der Katalog wird um die sieben Euro kosten.

Sie nennen sich „Volkskundler“. Was ist darunter zu verstehen? 

Ich habe Volkskunde studiert, auch Kunstgeschichte und andere geschichtliche Fächer. Volkskunde kümmert sich um kulturelle Erzeugnisse und Überlieferungen breiter Volksgruppen, also namentlich unbekannter Leute, im Gegensatz etwa zu Mozart und Beethoven im Bereich der Musik. In dem Fach habe ich dann auch meine Doktorarbeit über die Wallfahrt Maria Dorfen geschrieben.

Können Sie uns Ihren Werdegang kurz beschreiben? 

Nach dem Studium hatte ich das Glück, sofort bei der Vorbereitung der großen Wittelsbacher-Ausstellung von 1980 mitarbeiten zu können. Daraufhin bekam ich drei Angebote – unvorstellbar in heutiger Zeit! – für die Universitäts-Laufbahn, für ein großes Münchner Museum und für die im Aufbau begriffene Beratungsstelle für die „nichtstaatlichen“ Museen, also für die Vielzahl der Heimat-, Stadtmuseen und anderen öffentlichen Sammlungen in ganz Bayern. Das interessierte mich am meisten. Viele von ihnen wurden damals ehrenamtlich betrieben und benötigten fachliche Hilfe. Deshalb bezeichne ich mich gerne als „Museumsmann“, der zwar nicht in’s Museum gehört, aber Museums- und Ausstellungsarbeit macht. 

Wie schaut Museumsarbeit konkret aus?

Museen haben jahrzehntelang nur gesammelt und ausgestellt. Man denke an das typische Heimatmuseum, das noch oder wieder einen gewissen „Charme“ des Zufälligen, nicht perfekt Geordneten hat, in dem man förmlich auf Entdeckungsreise gehen kann. Seit Längerem aber gehört Wissensvermittlung zu den Objekten und zu den geschichtlichen und sozialen Hintergründen dazu. Früher waren das Texte, heute ist es vermehrt der Einsatz von Fotos und digitalen Medien. Die Anforderungen sind höher, der Personaleinsatz auch.

Sie haben schon viele Museen auch in der Region (mit)-gestaltet. Können Sie uns ein paar nennen? 

Da könnte ich gleich mit Dorfen anfangen. Aber da war ich nur ein paarmal zu Grundsatzgesprächen. In Taufkirchen habe ich mit ein Konzept entwickelt und versucht, etwas Ordnung ins Depot zu bringen, aber die Realisierung dauert noch. In Markt Schwaben mache ich aktuell bei der Konzeption der Abteilung Zeitgeschichte mit. In Erding konnte ich drei Abteilungen neu organisieren und hierfür Abteilungsführer schreiben. Meine Hauptgebiete aber waren Niederbayern, Unterfranken und Schwaben.

Woran erkennt man ihren „Stempel“?

Kein Museum ohne Konzept und Vermittlung. Niemand möchte sich bei seiner Arbeit „Konzeptlosigkeit“ vorwerfen lassen. Ein erkennbares Konzept leitet den Besucher und vermittelt ihm Kenntnisse. Dann ist das Museum auch eine Bildungseinrichtung, etwa für Schulen und Interessierte aus nah und fern. Aus dieser Überzeugung habe ich vielfach, oft über Jahre, beim Erstellen von Museumskonzepten mitgearbeitet.

Warum sind all die kleinen Heimaatmuseen in Ihren Augen überhaupt wichtig?

Die sogenannten Heimatmuseen zeigen oft ganz unbekümmert, also ohne wissenschaftlichen Überbau, wie die Dorf- und Kleinstadtleute früher gearbeitet und gelebt haben, bis hin zu Bräuchen und Volksglauben. Da können Opas und Omas ihren Enkelkindern zeigen, was der oder jener Gegenstand bedeutet und wie sie ihn benützt haben – und vieles mehr. Heimat- und Ortsmuseen sollten nicht nur Geschichte aufblättern, sondern mehr noch Geschichten erzählen. Vielleicht werden sie noch wichtiger, je mehr Globalisierung und Digitalisierung zunehmen.

Mittlerweile sind Sie schon im Ruhestand, aber alles andere als ruhig. Welche Projekte stehen an? 

Manche suche ich mir, manche kommen auf mich zu. So hat mich vor einiger Zeit der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte angerufen, ob ich mir vorstellen könne, den Wandel im ländlichen Bereich anhand älterer und noch unbekannter Fotobestände darzustellen. Kann ich mir. So habe ich recherchiert und bin durch’s Land gefahren. Das Ganze soll zu einer kleinen Reihe von Sonderausstellungen in Regensburg führen.

 Das Interview führte Birgit M. Lang

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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