Außergewöhnliche Menschen

Mutiges, unerschrockenes Vorbild

Eine ältere Frau steht vor einer Fotocollage
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Marianne Ehrler eine Collage mit Erinnerungen ihrer jahrzehntelangen Zusammenarbeit im DZIF.

Marianne Ehrler, die Gründerin des DZIF, geht mit 79 Jahren in Ruhestand. Grund, die verdiente Dorfenerin zum Abschied zu würdigen

Dorfen – „Ich werde im Sommer 80 Jahre, jetzt ist auch mal Zeit für den Ruhestand“, sagte Marianne Ehrler, Gründerin des Dorfener Zentrums für Integration und Familie (DZIF) zum Abschied. Über 20 Jahren engagierte sich die Dorfenerin für Frauen und Flüchtlinge.

„Wir wissen, was Du geleistet hast - und wir sind Dir sehr dankbar dafür“, sagte etwa Dorette Sprengel, aktuelle Vorsitzende im DZIF. Und Dorfens 2. Bürgermeister Ludwig Rudolf ergänzte: „Im Sinne einer auskömmlichen Gesellschaft war Ehrlers Arbeit im hohen Maße lobens- und anerkennenswert.“ Denn eine Organisation wie das DZIF sei absolut notwenig für die Integration, so der Mediziner. „Ehrler hatte sich die anspruchsvolle Aufgabe vorgenommen, und auch bewältigt, den Zuwanderern in Dorfen, die deutsche Sprache beizubringen.“

Ehrler schrieb mit dem DZIF Erfolgsgeschichte in Dorfen. „Es begann mit einem Frauenfrühstück“, erzählte sie. Nach den ersten Treffs traten einige Migrantinnen mit dem Wunsch an Ehrler heran, besser Deutsch zu lernen. Um Deutschkurse geben zu können, musste allerdings erst ein Verein gegründet werden. Das aber stellte sich als ungeahnte Schwierigkeit heraus. Das Finanzamt argumentierte zunächst: „Für Kaffeeklatsch, da gibt es keine Gemeinnützigkeit.“ Doch Ehrlers Motto war: „Geht nicht, gibt es nicht.“ Sie kämpfte weiter – erfolgreich. „Dass wir in diesem wunderbaren Haus sein dürfen, verdanken wir Ehrlers Planung, ebenso wie die Tatsache, dass der Drucker immer läuft“, lobte Sprengel das großartige Engagement.

Überhaupt kämpfte Ehrler für soziale Gerechtigkeit. Im Jahr 2004 rief sie nämlich zudem den Verein Notgroschen ins Leben, der Menschen in finanziellen Notlagen unterstützt. Erst im vergangenen Jahr wurde die mutige Dorfenerin mit dem Ellen-Ammann-Preis für ihre Verdienste ausgezeichnet. Diese Auszeichnung des Landesverbands Bayern des Katholischen Frauenbundes ist eine Würdigung für charismatische Frauen, die „Grenzen überschreiten, neue Wege gehen, kreative Lösungen entwickeln“, hieß es damals in der Laudatio.

Dabei war Ehrler immer ihrer Zeit voraus. Schon viele Jahre vor der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 hatte sie sich für Migranten und Asylbewerber eingesetzt - für eine inklusive Gesellschaft, eine Gesellschaft des Miteinanders und des Respekts. „Ihre Arbeit war ganz wichtig für uns und unsere Klienten“, lobte Joseph Kronseder von der Flüchtlingshilfe Dorfen. „Um die Geflüchteten zu vollständigen Mitbürgern zu machen, braucht es die Sprache.“ Da habe Ehrler mit dem DZIF das Feld sehr gut bestellt, so der Flüchtlingshelfer. Und Andrea Widl, langjährige DZIF -Mitarbeiterin sagte unter großem Beifall zum guten Schluss: „Ich habe Ehrler immer als mutiges und unerschrockenes Vorbild erlebt“. hes

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