Interview

Obertaufkirchen ohne Kramerladen

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Pointvogl-Wirtin Hildegard Jodl

Obertaufkirchen hat keinen Gemischtwarenladen mehr. Pointvogl-Wirtin Hildegard Jodl macht sich Gedanken über das Ende einer Ära.

Obertaufkirchen - „Wie geht’s euch denn jetzt ohne Kramer?“ Das wird man als Obertaufkirchener ständig gefragt – jetzt wo „Der Redwitz“, unser ortsansässiger Gemischtwarenladen, zum Ende des vergangenen Jahres seine Ladentür für immer geschlossen hat. 

Na, wie wird’s schon gehen? Er fehlt uns. Sehr sogar. Schade ist es halt – sehr schade. Aber leider nicht zu ändern. Und ich denke, dass die Familie sich die Entscheidung sicherlich nicht leicht gemacht hat. Ich hab gerne eingekauft bei der gut eingespielten „Damenmannschaft“, die auch für Sonderwünsche stets ein offenes Ohr hatte. 

Selbstverständlich blieb stets Zeit für einen kleinen Plausch. Und Transporthilfe bei größeren Einkäufen war eh selbstverständlich.

Die Lagerlogistik im Hause Redwitz hat stets meine Bewunderung gefunden – wenn der Edeka-LKW seine vollen Rollis ablieferte und diese innerhalb kürzester Zeit im Hausgang und anschließend im ausgeklügelten Lagersystem des Hauses verschwanden. 

Das funktionierte Woche für Woche bestens - wie eine gut geölte Maschine. Das umfassende Sortiment aus Lebensmitteln aller Art, Obst und Gemüse allwöchentlich auf dem Laufenden zu halten – mit der richtigen Mengenabschätzung und stets alles rechtzeitig für die Kundschaft vorzuhalten – das war schon ein Meisterstück. 

Dann der alljährliche Einkauf zu Schulbeginn im September - der gehörte auch bei unseren Kindern dazu: Hefte, in verschiedenen Größen, kariert und liniert, Bleistifte, Filzmalstifte, Tintenpatronen und passende Einbände in den erforderlichen Farben, Malblöcke und Malkasten samt Ersatzfarben, Geodreiecke und Spitzer, Radiergummi und Uhu und vieles mehr war zu besorgen. 

Und der Weg nicht weit weg. All das war bei der Maria verfügbar. Noch ein kleiner Ausflug in meine Kinderzeit: Da hatten es mir die großvolumigen Bonbongläser besonders angetan, die mit allerlei bunten Verheißungen gefüllt waren: Pfefferminzguadl, Brausestäbchen, Gummibärchen, Himbeerdrops und Eukalyptus-Bonbons und und und. 

Sogar meine Erstkommunion-Ausstattung – Kerze samt Tropfenfänger und Kerzenröckchen aus Tüll, Haar-Kranzerl und Spitzenhandschuhe – hab ich beim Redwitz erstanden. Das ist aber schon reine Nostalgie. Aber: Zeiten ändern sich – und wir uns mit ihnen. Hildegard Jodl

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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