Portrait

Portrait über Renate Döllel: Sie hat den Umweltpreis der Stadt Dorfen gewonnen

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Früher hat sie ihren mittlerweile drei erwachsenen Kindern die Liebe zur Natur beigebracht. Seit zwölf Jahren begeistert Renate Döllel mit großem Erfolg die Naturkids dafür, die Jugendgruppe des Gartenbauvereins Zeilhofen. Jetzt hat sie dafür den Umweltpreis der Stadt Dorfen erhalten.

Interview mit Renate Döllel,  Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft aus Unterseebach/Dorfen

Hat Sie der Umweltpreis überrascht? 

Ja, sehr. Martin Heilmaier hat mich schon mal vor ein paar Jahren dafür vorgeschlagen. Jetzt hat es mich kalt erwischt, ich hatte keine Ahnung davon. Es ist eine schöne Bestätigung für mich und meine Arbeit mit den Kindern. Erst kürzlich haben wir den Wettbewerb Streuobst-Vielfalt – Beiß rein! gewonnen, worauf ich sehr stolz bin. Mit der Auszeichnung des Umweltpreises fühle ich mich jetzt top motiviert, so weiter zu machen.   

Wer ist wir? 

Ja, meine Leidenschaft: die Naturkids. Als ich vor über 15 Jahren zur Vorsitzenden des Gartenbauvereins Zeilhofen gewählt wurde, wollte ich schon eine Kindergruppe gründen, wusste aber nicht, wie ich es am besten anstelle. 

Dann kam mir der Zufall zu Hilfe, als mein Sohn in der Erstkommuniongruppe war und sich die Kinder danach noch weiterhin treffen wollten. Zusammen mit der Leiterin der Kommuniongruppe haben wir dann die Natur-Kids ins Leben gerufen. Das ist jetzt zwölf Jahre her. Seither treffen wir uns ein Mal im Monat im Pfarrheim Oberdorfen.

Und dann ging‘s gleich los? 

Ja, wir haben einen Informationstag abgehalten. Da haben sich auf den Schlag 20 Kinder eingeschrieben. Die Gründungsmitglieder bekamen alle eine Urkunde und haben gemeinsam im Pfarrgarten einen Apfelbaum gepflanzt. 

Die Begeisterung für die Kindergruppe hat über all die Jahre nie nachgelassen, so haben wir momentan 35 Kinder und Jugendliche bei den Natur-Kids im Alter zwischen 17 und vier Jahren. Bei den Kleinen geht auch die Mama noch mit. 

Streuobst-Preis? 

Ja, diesen Wettbewerb haben wir heuer gewonnen. Wir haben dafür ein richtiges Konzept mit Fotomappe erarbeitet. Das ganze Jahr stand im Zeichen Streuobst. Dazu haben wir uns Aktionen überlegt, wie Nistkästen bauen, Grünes Klassenzimmer, Streuobstwiese bei Nacht, Obst sammeln und wie wir es verwerten können.   

Frau Döllel, woher kommt Ihre Liebe zur Natur? 

Ich bin auf einem Hof aufgewachsen. Meine vier Geschwister und ich sind noch ohne Kindergarten groß geworden. Wir haben rund um Haus, Hof und Wald spielen dürfen, hatten unsere Naturmaterialien und einen Bach. 

Tiere waren auch immer auf dem Hof. Man hat gesehen, wenn mal eins krank war, hat geholfen und hatte immer einen Bezug dazu.  

Haben Sie daheim auch einen Vorzeigegarten? 

Das ist wohl Ansichtssache. Wir haben schon mal einen Preis „Der kinderfreundliche Garten“ gewonnen, den der Kreisverband für Gartenbau ausgeschrieben hatte. Da waren unsere drei Kinder noch klein. Wir haben 100 Mark bekommen. 

Gewonnen haben wir, weil wir verschiedene Gartenbereiche hatten: Einen Bachlauf mit Teich; ein Schnabulier-Spalier, bei dem die Kinder auf dem Schulweg, wenn sie vom Hof zum Bus gegangen sind, noch Zwetschgen und Kirschen pflücken konnten; einen Ruhegarten mit Liegestühlen hinterm Haus im Schatten. Dort habe ich verschiedene Klangspiele, denen man zuhören kann. 

Wir hatten auch noch einen Panorama-Hasenstall (lacht). Da haben die Kinder im Hasenstall zusammen mit ihrem Papa auf die Wände eine Blumenwiese gemalt und die Hasen konnten sie rundum sehen. Im Obstgarten haben wir eine Lagerfeuerstelle, wo die Kinder gezeltet haben, die Landjugend oft da war und ich heute noch viele Aktionen mit den Naturkindern mache. 

Das bedeutet viel Arbeit oder?

Nun, es vergeht kein Tag, wo ich nicht draußen arbeite. Ich habe auch Zwerghühner. Wir haben viele Obstbäume, Johannis-, Him- und Stachelbeeren. Heuer habe ich auch ganz viele Physalis angebaut und Glockenpaprika ausprobiert. Vieles wird gleich frisch gegessen.
Marmeladen mache ich in alle Richtungen und wecke Apfelmus ein. Heuer haben wir auch viel Apfelstrudel und Kuchen gebacken.   

Was haben Sie mit Ihren Natur-Kids schon alles gemacht?

Wir waren schon beim Falkner, da durften die Kinder einen Wüstenbussard und eine Eule hautnah erleben. Das war sehr beeindruckend für alle. Auch waren wir beim Imker, in der Igelstation und mit dem Jäger im Wald unterwegs. 

Dann haben wir mal Nistkästen gebaut, Frösche vor den Schutzzäunen abgeklaubt und über die Straße getragen, Sonnwendfeuer mit Stockbrot bei Nacht gemacht. Bei einem Waldspaziergang Mandala gelegt, Radltouren im Isental und zum Schwammerl gemacht, ein Hochbeet, ein Weidentipi, ein Insektenhotel und einen mobilen Lehmbackofen gebaut. Wir haben Kartoffeln angebaut und verschiedene Pflanzen gezogen. Wir haben gekocht, gebacken und allerhand gebastelt.

Seit einigen Jahren machen wir im Sommer einen Ausflug. Heuer waren wir im Walderlebnispfad in Freising. Wichtig sind mir auch die Traditionen. Wir binden jedes Jahr Palmbuschen und Adventskränze, richten die Erntekrone, feiern Fasching und schnitzen seit zwölf Jahren Kürbislaternen.   

Woher nehmen Sie die kreativen Ideen?

Nun, wir erhalten Ideen vom Kreis- und Landesverband, da gibt es immer wieder Schulungen für die Kinder- und Jugendleiter. Uns werden auch geeignete Bücher und Themenkoffer mit dazugehörigen Utensilien zur Verfügung gestellt und wir tauschen uns auch in den Vereinen aus.   Andere Vereine jammern über zu wenig Interesse beim Nachwuchs.

Wie schaffen Sie es Ihren zu begeistern? 

Ich versuche immer die Neugierde in den Kindern zu wecken, erzähle über Themen kindlich, nicht groß wissenschaftlich.Auch hab ich mir meine kindliche Neugier und Freude an der Natur erhalten. Vielleicht macht es das aus.  

Haben Sie noch andere Interessen?

Neben meiner Arbeit daheim bin ich auch noch selbstständig tätig. Ich übernehme zusätzliche Betreuungsleistungen, organisiert über den Hauswirtschaftlichen Fachservice Erding. Ich bin zudem Landkreissprecherin der Petersbergerinnen und Sprecherin unseres Lehrgangs der Landwirtschaftsschule. 

Für diese Gruppen organisiere ich die Zusammenkünfte. Und dann bin ich halt Vorsitzende des Gartenbauvereins und der Kindergruppe. 

Das ist eigentlich schon ganz schön viel.   Ihr Mann unterstützt Sie? 

Ja, das muss er schon. Mein Mann Christian ist auch sehr kreativ, er war früher Prozellanmaler. Er hilft beim Basteln und überlegt, wie es den Kindern am leichtesten von der Hand geht. Das macht er toll. 

Das Interview führte Birgit M. Lang

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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