Chance für die Natur

Renaturierung der Isen am Niederhamer Wehr

Die Isen – Gewässer II. Ordnung – unterhalb des Niederhamer Wehres
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Die Isen – Gewässer II. Ordnung – unterhalb des Niederhamer Wehres

Das Niederhamer Wehr an der Isen in Dorfen ist in die Jahre gekommen und seit einiger Zeit baufällig.

Dorfen – Erhält die Isen eine Chance auf Renaturierung? Diese Frage stellt sich aktuell das Wasserwirtschaftsamt München (WWA), nachdem in Dorfen Stimmen am Mühlbach gegen eine Renaturierung laut werden. Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem das ökologische Projekt am Niederhamer Wehr gerade erst mit der Planungsphase begonnen hat.

Das Niederhamer Wehr an der Isen in Dorfen ist in die Jahre gekommen und seit einiger Zeit baufällig. Für die Instandsetzung wären eigentlich die unterhalb liegenden Triebwerksbesitzer zuständig. Einer der Verantwortlichen hatte sich hilfesuchend an das WWA gewandt und angeboten, auf seine Wasserkraftnutzung zu verzichten.

So ist die Idee geboren worden, aus der reinen Sanierung einer Wehranlage etwas ökologisch Großes für die Isen zu entwickeln. Denn seit 2019 hat das WWA die Möglichkeit, in solchen Fällen trotz der fehlenden Zuständigkeit tätig zu werden. Dazu muss eine umfassende ökologische Aufwertung des Gewässerabschnitts als Maßnahme zur Umsetzung der EG-WRRL in Betracht kommen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Renaturierung erheblich über die gesetzliche Verpflichtung des ehemaligen Betreibers hinausgeht.

„Hier am Niederhamer Wehr haben wir die seltene Chance, mit wenig Aufwand sehr viel zu erreichen.“, sagt Behördenleiter Christian Leeb vom WWA. „Falls es uns gelingt, das Wehr zurückzubauen und die Isen in ihrem natürlichen Verlauf fließen zu lassen, erreichen wir viele gute Dinge für den Fluss auf einmal. Die Isen erhält ihr komplettes Wasser wieder zurück, die Fische können wieder frei wandern und ihre Laichplätze erreichen. Die Isen erhält darüber hinaus kilometerweit ihren Charakter als fließendes Gewässer zurück, da der Stau der Wehranlage aufgelöst wird.“

Um herauszufinden, ob die Idee auf offene Ohren stößt, hat das WWA zuerst Gespräche mit den unmittelbar Beteiligten geführt. Dies waren unter anderem die beiden Triebwerksbetreiber, die Naturschutzbehörde, die Wasserrechtsbehörde, die Stadt Dorfen, die Fachberatung für Fischerei, die Regierung von Oberbayern sowie die Fischereirechtsinhaber. Da alle der Projektidee positiv gegenüberstehen, wurde die Planung begonnen.

Eine Folge des Rückbaus der Wehranlage wäre, dass durch den Mühlbach dann, wie früher auch schon, wieder deutlich weniger Wasser fließt, da er nur von zwei sehr kleinen nördlich zufließenden Bächlein gespeist wird. „Wir können natürlich verstehen, dass Anwohner hier besorgt sind und nicht auf ihren Mühlbach verzichten wollen“, so das WWA. Um die große Renaturierung zu erreichen wäre aber der komplette Wehrrückbau erforderlich und das Wasser läge dann ohne den Aufstau zu tief, um noch in den Mühlbach zu fließen. Es wird jetzt untersucht, ob gegebenenfalls mit einer Rohrleitung Wasser auch ohne Wehr in den Mühlbach geleitet werden kann und wie der Mühlbach gestaltet wird, um auch mit weniger Wasser ein attraktives Bächlein zu bleiben.

Sobald sich die Planungen konkretisiert haben, wird das WWA München vor Ort sowohl alle Beteiligten als auch die interessierte Öffentlichkeit informieren. Im Anschluss wird sich dann entscheiden, wie es mit dem Projekt weitergeht. Sollte die Maßnahme abgelehnt werden, würde der Handlungsspielraum für das WWA in eigener Zuständigkeit tätig zu werden verspielt sein. Die Isen ist es auf jeden Fall Wert und es wäre sehr schade, wenn diese ökologische Chance nicht genutzt werden könnte. - Walter Giesler

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