Nachruf

Sie bezog immer klar Position

Eine ältere Dame mit dunklem Haaren im Pagenschnitt
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Uschi Schreck

Uschi Schreck engagierte sich unermüdlich im Frauenhaus und bei Dorfen ist bunt. Sie hinterlässt eine große Lücke

Inning/Dorfen – Es ist noch nicht lange her, da stand Uschi Schreck am Stand von „Dorfen ist bunt“, gab dadurch ein Statement gegen die Montagsspaziergänge ab: Stets zeigte sie klare Kante gegen Rechts, ein Anliegen, dass ihr sehr am Herzen lag. Wenige Tage später wurde die 71-Jährige plötzlich und viel zu früh aus dem Leben gerissen.

Eigentlich sei Dorfen die Heimat seiner Frau gewesen, meint Jürgen Schreck. Auch wenn die Familie seit fast 44 Jahren in Inning am Holz gewohnt habe. In Dorfen lebe die Tochter mit ihrer Familie, die Uschi Schreck täglich besuchte. Und in der Isenstadt hat sie auch viele Freunde gefunden. Ihr großes Engagement galt dabei „Dorfen ist bunt“. Zudem kümmerte sie sich um Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, zählt der trauernde Witwer auf. Uschi und Jürgen Schreck lernten sich 1968 in Berlin kennen, im Februar hätte das Ehepaar Goldene Hochzeit gefeiert.

Einerseits sei Uschi Schreck eine Full-time-Mutter gewesen, erzählt Sohn Sebastian Stamm. „Sie verzichtete auf einen Job, war immer für mich und meine Schwester da.“ Und Stephanie Zehtner ergänzt: „Wir hatten immer ein offenes Haus, auch alle Freunde wurden von ihr versorgt.“ Andererseits setzte sich die „Mom“, wie die Kinder ihre Mutter liebevoll nennen, für Vielfalt und Toleranz ein - vor allem aber positionierte sie sich immer wieder klar gegen Rechts. Stamm erzählt eine Anekdote. Bei einer Veranstaltung mit Beatrix von Storch habe Uschi Schreck laut gerufen: „Nazis raus.“ Er sei stolz und habe sie wegen ihres unermüdlichen Engagements sehr bewundert.

„Uschi war 150 Prozent ‚Dorfen ist bunt‘“, erklärt Doris Minet, ehemals dritte Bürgermeisterin der Stadt Dorfen. „Ein ganz besonderer Mensch“, trauert sie um ihre Weggefährtin im Verein. Minet habe „riesigen Respekt vor der Arbeit dieser Frau“ gehabt. „Das mache ich“, sagte sie immer, wenn es darum ging, für ‚Dorfen ist bunt‘ Flyer in Dorfen und Umgebung zu verteilen oder zu plakatieren. „So banal es klingt: Ich werde auch ihre Nussecken vermissen“, sagt Minet - denn backen konnte Uschi, wie keine andere.

So brachte Uschi Schreck auch regelmäßig sonntags Kuchen ins Frauenhaus des Landkreises Erding. Selbst hatte sie Gewalt in ihrer Kindheit erfahren, war deshalb kompetente Ansprechpartnerin für Frauen in Not. „Kein Weihnachten, kein Sommerfest ohne Uschi“, so Angela Rupp, die ehemalige Leiterin des Frauenhauses. Gerade Kontinuität sei ihr wichtig gewesen. Für die Frauen und deren Kinder sei sie immer da gewesen. „Was unsere Freundin ehrenamtlich geleistet hat ist unbezahlbar.“ 24 Jahre engagierte sie sich im Frauenhaus - bis zum Wechsel der Trägerschaft durch das BRK.

Auf dem Dorfener Friedhof fand die Mutter und sechsfache Großmutter nun ihre letzte Ruhe. Alle Trauergäste trugen bunte Kleidung bei der Beerdigung. „Farbe bekennen - das war das Anliegen meiner Mutter“, weiss Tochter Stephanie Zehtner. Und besondere Freude hätte es Uschi Schreck sicherlich gemacht, erklärt Rupp, wenn sie gesehen hätte, dass auch Frauen, denen sie ehemals im Frauenhaus geholfen hatte, bei der Beisetzung dabei waren - und tief um sie trauerten: „Sie erzählte mir erst kürzlich stolz von einer Frau, die erst vor kurzem geheiratet hat, zudem auch erfolgreich im Beruf ist und deren Tochter ein gutes, stabiles Leben führt.“ Auch sie verabschiedete sich mit einer bunten Rose am Grab.

Unfassbar für die Familie und die Freunde war der plötzliche Tod von Uschi Schreck - vor allem deshalb, weil sie jahrelang gegen eine schwere Krebserkrankung kämpfte und diese nach Behandlungen und Chemotherapie überwunden hatte. „Wir haben nochmals sechseinhalb Jahre geschenkt bekommen“, tröstet sich Stephanie Zehtner. Und leise fügt sie an: „Meine Mutter war immer für andere da, nahm sich selbst nicht so wichtig. Sie hatte einen wunderbaren schwarzen Humor - und ihr Tod reißt eine so große Lücke in unser aller Leben.“ hes

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